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Chronik Wien
10/11/2019

Jüdische Familie in Wien attackiert

An Jom Kippur wurden ein Vorstandsmitglied der Israelitischen Kultusgemeinde und seine Familie antisemitisch beschimpft.

Nur Stunden nach dem antisemitischen Terrorakt in der deutschen Stadt Halle, bei dem ein schwer bewaffneter Mann versucht hatte, sich mit Waffengewalt Zutritt zu einer Synagoge zu verschaffen und im Anschluss zwei Menschen erschossen hatte, soll es auch in Wien zu einem tätlichen Angriff gegen eine jüdische Familie gekommen sein.

Die Familie soll an Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, nach dem Gebet in der Tempelgasse in Wien-Leopoldstadt am Weg nach Hause gewesen sein, als ein schwarzer SUV recht rücksichtslos aus einer Ausfahrt gefahren sein soll. Um nicht angefahren zu werden, soll die Familie ausgewichen sein und als Dank Spott geerntet haben. Daraufhin soll der Fahrer der Familie antisemitische Beschimpfungen an den Kopf geworfen haben.

Die Situation dürfte weiter eskaliert sein und zu Handgreiflichkeiten geführt haben. Der Fahrzeuglenker hat dem Mann, ein Mitglied des Kultusvorstands der Israelitischen Kultusgemeinde, mit der Faust ins Gesicht geschlagen, sodass dieser eine Nasenprellung erlitt und ärztlich versorgt werden musste, bestätigt die Polizei gegenüber dem KURIER. Der Fahrzeuglenker wurde zur Anzeige gebracht. Die Polizei ermittelt wegen Körperverletzung.

Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde zeigte sich via Aussendung bestürzt über den antisemitischen Vorfall in Wien: "So etwas darf in Österreich nicht passieren! Wir fordern eine lückenlose Aufklärung und strafrechtliche Verfolgung … Der Kampf gegen Antisemitismus und die Sicherheit unserer Institutionen und Mitglieder muss die absolute Priorität aller Regierungsmitglieder und Ministerien sein."

Die IKG steht in engem Austausch mit dem Opfer und der betroffenen Familie und hat in Absprache Kontakt zu den zuständigen Ministerien aufgenommen, um eine lückenlose juristische Verfolgung und Aufklärung der Vorfalles zu gewährleisen und das Opfer in allen Belangen zu unterstützen und zu begleiten.