© REUTERS/Leonhard Foeger

Chronik Wien
11/07/2020

Hotels nur für Geschäftsreisende: „Haben 5 von 152 Betten belegt“

Wiener Hoteliers fordern längerfristige Lösungen. Der Städtetourismus leidet unter Lockdown und Reisewarnungen besonders

von Anna-Maria Bauer

Es ist das gleiche Hotel. Die gleichen Luster, die gleichen Marmorsäulen, die gleichen Teppiche. Aber das Gefühl ist ein anderes: „Die Menschen fehlen“, sagt Matthias Winkler, Geschäftsführer des Wiener Hotel Sacher, „die Mitarbeiter und die Mitreisenden. Es ist bedrückend“.

Der zweite Lockdown ermöglicht Hotels zwar für Geschäftsreisende offen zu bleiben. Ertragreich sei das nicht. Im Hotel Sacher sind derzeit von 5 von insgesamt 152 Zimmer belegt.

Nicht rentabel

Einige Hotels haben ihr Haus im November also komplett geschlossen, etwa das Boutiquehotel Guesthouse neben der Albertina. „Für ein, zwei Gäste die Rezeption 24 Stunden zu besetzen, können wir uns nicht leisten“, sagt Besitzer Manfred Stallmajer.

Die Entschädigung in der Höhe von 80 Prozent des vergangenen Novemberumsatzes (siehe oben) finden viele Hoteliers prinzipiell fair. Aber: „Die Deckelung in der Höhe von 800.000 Euro ist ein Problem. Für uns sind das nicht einmal 40 Prozent“, sagt Winkler.

Dabei wäre selbst ohne Lockdown der November ein dünnes Geschäft geworden. Reisewarnungen verhindern ein Reiseaufkommen. Der Wien Tourismus rechnet 2020 mit maximal fünf Millionen Nächtigungen. 2019 waren es 17,6 Millionen.

"Reisen ist nicht  das Problem"

Dabei würde die Reisebranche zu Unrecht derart beschränkt werden, argumentiert der Wien Tourismus mit Berufung auf das Robert Koch Institut: Fliegen an sich bringe ein geringes Risiko, Hotellerie und Gastronomie seien vorbereitet.

„Wir haben die Hygienesysteme“, sagt Dieter Fenz, General Manager des Vienna Marriott . „Der Gast ist bei uns nicht gefährdet. Im Restaurant bieten wir etwa nur mehr 120 anstelle von 180 Sitzplätzen.“

Winkler kann sich etwa einen digitalen Ausweis vorstellen, in dem Testergebnisse gespeichert und international vorgewiesen werden können.

Adaptieren

SARS in Toronto, Terror in Mumbai oder Bangkok. Jay Jhingran hat im Laufe seiner Hotel-Karriere mehrere Lockdowns erlebt. Seit Oktober führt der gebürtige Inder, der mit 17 Jahren das erste Mal nach Wien gezogen ist, das Hotel Triest auf der Wiedner Hauptstraße. Seine Erkenntnis aus den Ausnahmesituationen: „Das Wichtigste ist: Ruhe bewahren und lernen, sich schnell zu adaptieren.“

 

Das Hotel Triest bietet über sein Feinkost-Laden Alimentari täglich zwei Mittagsmenüs zum Mitnehmen an und versucht sich auch als Location für Online-Konferenzen zu etablieren. Vor wenigen Tagen habe etwa eine digitale Not-Tagung für Apotheker von einem der Meeting-Räume aus stattgefunden. 

Das 25hours Hotel hinter dem Volkstheater probiert wie im Frühjahr Wiener fürs Home Office im Hotel zu gewinnen.

Und dann nutzen einige die Zeit für Umbauarbeiten. „Wir lassen alle Sessel reparieren“, sagt Winkler. „Und verlegen Teppiche neu.“

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