In die Praxis „mit Schildkröte oder Haifisch unterm Arm“

Ärzte behandeln Schildkröte
Seit Jänner behandeln Ärzte Exoten und „Haus des Meeres“-Patienten in Mariahilf.

Von Franziska Trautmann

Wer in der Barnabitengasse 6 in Mariahilf durch die Tür geht, wird nicht nur auf Hund und Katze treffen, sondern auch auf Schlangen, Frösche und exotische Vögel. Anfang Jänner hat dort eine neue Tierarztpraxis eröffnet, die sich als Kompetenzzentrum für die Behandlung exotischer Tiere versteht. 

Kein Wunder: Denn das Team betreut auch die mehr als 10.000 Tiere aus rund 600 Arten des Haus des Meeres. Diese Expertise kommt jetzt aber auch externen Tierhaltern zugute. Alleine in den ersten Tagen nach Eröffnung hatte die Praxis schon rund zwanzig exotische Patienten. 

"Meilenstein für Versorgung"

Gegründet wurde sie von Jeff Schreiner, Direktor des Haus des Meeres, der die neue Ordination auch leitet. Für ihn ist sie „ein Meilenstein für die tiermedizinische Versorgung exotischer Tiere in Wien und Umgebung“. Die Idee zur eigenen Tierarztpraxis trug Schreiner schon seit Jahren mit sich herum. „Es war einfach ein Traum, den ich eigentlich von Anfang an hatte“, erzählt er. Der erste Schritt, um den Ball ins Rollen zu bringen, fand im Jänner 2025 statt, als der ausgebildete Veterinärmediziner Zoodirektor wurde. 

Rund ein Jahr hat es gedauert, die Praxis auf die Beine zu stellen. Laut Schreiner war die größte Herausforderung, geeignete Räume zu finden. „Ich wollte in unmittelbarer Nähe des Haus des Meeres sein, um quasi mit dem Haifisch unterm Arm rüber laufen zu können.“ Davor wurden die Zootiere hausintern medizinisch behandelt.

In der jetzt ums Eck gelegenen Praxis arbeiten zwei Tierärztinnen, eine Tierarzthelferin und eine Ordinationsassistentin, die unabhängig vom Haus des Meeres angestellt sind. Geöffnet hat die Praxis unter der Woche von morgens bis abends. Angeboten werden Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen, Therapiepläne und Operationen. Ausgestattet ist die Praxis mit Röntgen, Ultraschall, Blutlabor, Parasitologie und einem OP-Raum.

Praxis transparent gehalten

Besonders stolz ist Schreiner auf die offene Gestaltung. Die Behandlungsräume sind miteinander verbunden und alle Geräte mobil. Der OP ist im Innenhof des Gebäudes durch eine große Glaswand einsehbar. „Alles ist hier komplett transparent gehalten. Das war mir wichtig “, sagt Schreiner. 

Doch Technik allein sei nicht entscheidend, sondern das fundierte Wissen rund um exotische Tiere. Laut Schreiner müsse man gerade bei wechselwarmen Tieren behutsam vorgehen: „Wenn ich so einem Tier zum Beispiel in der kalten Jahreszeit ein Medikament spritze, kann es das gar nicht verstoffwechseln. Genau bei so etwas ist unser Wissen gefragt.“ 

Für Schreiner ist es besonders schön, dass auch externe Tierhalter davon profitieren können: „Da treffen einfach gemeinsame Interessen über besondere Tierarten aufeinander.“ Auch andere Arztkollegen wurden bereits auf die neue Praxis aufmerksam. „Sie freuen sich, wenn sie Patienten weiterschicken können “, sagt Schreiner, „und wir freuen uns, wenn der Besuch gut weiterläuft wie bisher.“

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