Gute Tiere, schlechte Menschen
Es sollte nur eine nette Anekdote sein. Ich gebe zu, es war nicht mehr als ein nostalgisches Wunschdenken. Mir war von Anfang an klar, es wird wohl nie wieder Pfauen im Wiener Stadtpark geben – und schon gar nicht, weil ich hier darum bitte.
Aber meine Schwärmerei hatte etwas Positives. Ich konnte bei vielen von Ihnen ebenfalls schöne Kindheitserinnerungen an die Tiere im Stadtpark wachrufen. Wie Sie berichteten – und durch Archivrecherchen meiner Kollegin Anna Perazzolo bestätigt werden konnte, gab es auch Schildkröten, Flamingos und zur Ostersaison Schafe und Häschen im Stadtpark. Wie schön, oder? Aber was geschah eigentlich mit Ihnen? Unsere Recherchen blieben erfolglos. Das Schicksal der Stadtpark-Tiere ein Geheimnis. Gleich mehrere (mehr oder weniger zuständige) Stellen ließen uns wissen, sie hätten keine Ahnung. Es mutet doch merkwürdig an, dass niemand zu wissen scheint, was mit den Tieren passiert war.
Raubtier Mensch
Nun, ich habe Ihnen etwas verschwiegen. Ich hielt es für böse Gerüchte, die sich die Alt-Damen-und-Herren-Stadtpark-Promenanden-Stammgäste in meiner Kindheit erzählten. Damals wurde behauptet, dass die Pfauen im Stadtpark gejagt und gegessen wurden. Das muss nicht stimmen. In einem KURIER-Artikel vom 6. Mai 1950 aber wird zumindest berichtet, dass die Schwäne und Enten des Wiener Stadtparks in der sogenannten Jammerzeit nach dem Krieg gegessen wurden.
In vielen Ihrer Leserbriefe erwähnen Sie außerdem Akte der Tierquälerei an den Stadtpark-Tieren – bestätigen wollen das die offiziellen Stellen nicht.
Wer weiß, vielleicht schützt uns das ahnungslose Schulterzucken der Auskunftsstellen gar vor uns selbst. Denn eines muss man nach den Berichten der Zeitzeugen ganz klar sagen: Der Stadtpark-Geher oder eigentlich der Mensch ist wohl zu grausam für Tiere. Scheinbar ist uns der Umgang mit Schildkröten, Pfauen und Flamingos nicht zuzutrauen. Das Tier ist gut, der Mensch ist schlecht.
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