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Chronik | Wien
12/17/2018

Gutachten vor Mordprozess: "Ich sehe Mädchen wie aus Horrorfilm"

Der 16-Jährige, der die kleine Hadish getötet haben soll, ist brandgefährlich und nicht schuldfähig.

Nur zwei Tage vor dem Mordprozess gegen den 16-jährigen Robert K. wurde ein neues psychiatrisches Gutachten bekannt – er soll die siebenjährige Hadish im Dittes-Hof in Wien-Döbling getötet haben. Laut Gutachter Werner Gerstl war er nicht zurechnungsfähig, ist nicht schuldfähig – und außerdem hochgefährlich. Das Gutachten gewährt Einblicke in die dunkle Gedankenwelt des Verdächtigen.

Stimmen

So soll Robert K. erzählt haben: „Ich sehe Gestalten, genauer gesagt, sehe ich kleine Mädchen, die aussehen wie aus einem Horrorfilm. Die Gestalten haben mit mir gesprochen und waren ständig präsent.“ Auch an dem Tag, an dem er seine kleine Nachbarin getötet haben soll. Diese Stimmen sagten ihm, dass er das Mädchen auf das Sofa legen und würgen solle. „Ich habe sie mit beiden Händen am Hals gepackt und fest zugedrückt. Sie war nicht bewusstlos, aber offensichtlich unter Schock.“

Dann habe er ein Messer geholt und sei mit Hadish ins Badezimmer gegangen. Dort soll er dem Mädchen fast den Kopf abgetrennt haben. Warum? „Ich wollte wissen, wie es sich anfühlt, wie das Wissen darum ist, jemanden zu töten.“

Freund sah die Leiche

Und: Es dürfte einen Freund geben, der Hadishs Leiche gesehen hat. Die Siebenjährigen lag noch in der Duschwanne, als er durch eine Spiegelung auf sie aufmerksam wurde. „Er hat zu mir gesagt, dass er ein Mädchen getötet hat“, gab der Freund an. Als er nach dem Grund fragte, soll Robert K. erklärt haben: „Sie hat etwas gesehen, was sie nicht hätte sehen sollen.“ Er soll den Freund dann aufgefordert haben, das Blut im Badezimmer wegzuwischen. Doch der Freund konnte das nicht. Er habe ihm nur beim Saubermachen zugesehen.

Als das Mädchen in einem großen Sack in einer Mülltonne abgelegt war, soll der Verdächtige zu McDonald’s gegangen sein – er hatte Hunger. Den Eltern, die etwas später nach Hause kamen, fiel zwar auf, dass der Badezimmerteppich nass war. Doch Robert K. dürfte das so erklärt haben: Er hatte geduscht, das Wasser sei übergelaufen.

Schon seit Jahren dürften den jungen Mann Mordfantasien begleiten. Die Stimmen höre er bereits seit seinem achten Lebensjahr. Einem ehemaligen Klassenkameraden soll Robert K. erzählt haben: „Ich hasse alle Menschen und will alle töten.“

 

Er habe sich ausgemalt, ein Mädchen umzubringen – bei Nussdorf – da gebe es einen Platz an der Donau, wo er mit ihr hingegangen wäre. „Er hätte ihr an diesem Ort den Kopf abgeschnitten und diesen neben ihre Leiche gelegt.“ In einer WhatsApp-Nachricht fragte er seinen Freund: „Bevorzugst du Messerstiche in den Bauch oder etwas Eleganteres, wie mit meinen Lederhandschuhen zu Toden würgen?“

Er empfinde Reue, gab Robert K. an. „Aber es hätte schlimmer kommen können, wenn ich mehr oder andere Menschen umgebracht hätte.“ Dass fremde Menschen um die kleine Hadish trauern, das kann er nicht verstehen.

Der Prozess, der am Mittwoch in Wien über die Bühne geht, findet unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Auch, weil der Vater von Hadish von einem Freigang nicht zurückkehrte und seither untergetaucht ist. Robert K. befindet sich in einem anderen Bundesland – ein Bruder und ein Onkel der toten Hadish sollen sich in der Justizanstalt Josefstadt in Haft befinden.