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Grünwidl: "Die Kirche ist besser als ihr Ruf"

Josef Grünwidl lud zum ersten Mal in seiner Funktion als Wiener Erzbischof zum Sommerempfang ins Erzbischöfliche Palais.
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Am 24. Jänner wurde Josef Grünwidl zum Erzbischof von Wien geweiht - nachdem er ein Jahr lang die Erzdiözese als Apostolischer Administrator nach dem Abgang von Kardinal Christoph Schönborn geleitet hatte. Für Dienstagabend hatte er erstmals in dieser Funktion zum schon traditionellen Sommerempfang für Vertreter der Medien sowie Menschen aus Politik, Wirtschaft, Kultur sowie Kirche(n) und Glaubensgemeinschaften in den Innenhof des Erzbischöflichen Palais geladen.

Er stehe für eine Kirche mit vertieften Wurzeln im Glauben und in der Gottesbeziehung, sagte Grünwidl bei seinen Begrüßungsworten. Nicht der übliche "Kirchenkram" dürfe im Zentrum stehen, sondern die Gottesfrage: Diese "treibt uns um, nicht die 'Gotteskrise', denn Gott ist nicht in der Krise. Wir in der Kirche erleben gerade eine kritische Zeit und stehen vor der Frage: Wie können wir besser, überzeugender und verständlicher den Gott der Bibel vermitteln, dass das Leben reicher und existenziell geborgener wird, wenn man sich auf den christlichen Glauben einlässt?"

Entgegen einer weitverbreiteten Ansicht postulierte der Erzbischof auch, er sei überzeugt, dass Religion und Glaube immer wichtiger werden. Diese "kann Orientierung und Resilienz schenken, sie bietet Gemeinschaft und ein Obdach für die Seele, ein Sicherheitsnetz im Auf und Ab des Lebens und sie eröffnet eine Hoffnungsperspektive, die über den Tod hinausweist".

Er versuche gut zuzuhören und mit möglichst vielen Menschen im Gespräch zu sein, erklärte Grünwidl weiters. Er wolle auch ein Brückenbauer sein, "einer, der verbindet, der mithilft, dass Vorurteile sich auflösen, der Begegnung stiftet, in der Ökumene, im interreligiösen Dialog und in unserer Gesellschaft". Er sehe in der Erzdiözese nicht nur Probleme und Herausforderungen, sondern auch Hoffnungszeichen und sei überzeugt: "Die Kirche ist besser als ihr Ruf."

Grünwidl verwies exemplarisch auf Initiativen wie das Sozial- und Begegnungszentrum "Kirchenschiff" und die erste Kinder-Palliativstation Österreichs, die das kirchliche Haus der Barmherzigkeit auf Bitte der Stadt Wien hin eingerichtet hat. Er denke auch an das erste Wohnheim für haftentlassene Mütter in Österreich, das in wenigen Tagen von der Elisabethstiftung eingerichtet wird, an Demokratieworkshops und viele andere Initiativen der Caritas sowie auch an pfarrliche Projekte im Bereich der Nachbarschaftshilfe, Nachhaltigkeit und Bewahrung der Schöpfung.

Generationenwechsel

Grünwidl erwähnte auch, dass in diesem Jahrzehnt fast die Hälfte der Angestellten der Erzdiözese ihr Pensionsalter erreichen werde und "viele Schlüsselstellen neu zu besetzen sind".

So habe er bereits als Administrator einen neuen Finanzchef der Erzdiözese bestellt, einen neuen Rechtsreferenten und Immobilienverantwortlichen. Ebenso gebe es eine neue Chefcontrollerin. Der Pressesprecher-Posten sei demnächst neu zu besetzen: Für Michael Prüller war es der letzte Sommerempfang als Pressesprecher der Erzdiözese Wien - er wird in absehbarer Zeit in Pension gehen. Prüller dankte den Medienschaffenden für die gute Zusammenarbeit in den vergangenen 15 Jahren. Das Verhältnis von Kirche und Medien in Österreich sei "vorbildlich" und "von Respekt geprägt", so der Pressesprecher.

Ebenso erwähnte Grünwidl den Wechsel in der Position des Generalvikars: Im September wird Nikolaus Krasa das Amt - eine Art Geschäftsführer der Diözese - an Andreas Kaiser (beide waren beim Empfang anwesend) übergeben. Und last but not least sprach der Erzbischof auch den - bereits bekannten - Abgang von Toni Faber (auch er war unter den Gästen) als Dompfarrer im kommenden Jahr - Faber wird dann 65 - an.

 

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