In Wien forderte Greta Thunberg Politik und Wirtschaft eindringlich zum Handeln auf.

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Chronik | Wien
05/31/2019

Ein Jahr Schulpause: Greta kündigt Auszeit für Klima an

Die 16-jährige Klimaschutz-Ikone forderte bei "FridaysforFuture" in Wien die ältere Generation zur Mithilfe auf.

Es ist kein gewöhnlicher Tag für die "FridaysforFuture"-Bewegung in Österreich. Weniger, weil gestern Donnerstag ein Feiertag war, vielmehr weil Greta Thunberg, die schwedische Ikone der weltweiten Bewegung von Schulstreiks für die Rettung des Klimas, in Wien ist.

In der Mittagshitze haben sich zunächst Zigtausende auf dem Heldenplatz versammelt, der Großteil davon Schüler, aber auch Studierende, Lehrer und vereinzelt Menschen, die sich freigenommen haben. Alle warteten gespannt auf Greta Thunberg. Für viele ist die 16-Jährige der Hauptgrund, heute da zu sein.

Thunberg: Keine Zeit zu verlieren

Bei der Schlusskundgebung sprach auch Thunberg selbst. "Die meisten Erwachsenen hören nicht auf uns. Sie sagen: 'Mach doch später etwas, wenn du mit der Schule fertig bist.' Aber dass es schon zu spät ist, wenn wir fertig mit der Schule sind, das lassen sie unerwähnt“, sagte die junge Aktivistin beim Demo-Finale auf dem Schwarzenbergplatz.

Thunberg weiter: "Sie machen sich über uns lustig, sie erzählen Lügen und verbreiten Gerüchte über uns. Aber stellt euch vor, wie diese Erwachsenen in der Zukunft gesehen werden. An jene, die sagen 'Streikt doch lieber, wenn ihr keine Schule habt', richte ich: Warum streikt ihr dann nicht? Eure Generation ist es doch, die die Klimakatastrophe verursacht hat."

Auszeit von Schule

Die junge Generation brauche die ältere mehr denn je, die Erwachsenen müssten Teil der Lösung werden.

Thunberg sagte, sie selbst wolle ein einjähriges Sabbatical von ihrer Schulausbildung nehmen - weil sie keine Zeit mehr habe, Schule und Aktivismus zu vereinbaren. Sie will auch an Klima-Gipfeln in Nord- und Südamerika teilnehmen. Das brauche besonders lange, weil sie ja nicht fliegt und dorthin keine Züge fahren.

Greta Thunberg bei "FridaysforFuture" auf Wiener Schwarzenbergplatz.

Dominik, 18, Lehrling: "Ich habe mir freigenommen und bin heute wegen Greta da. Wenn so viele Leute kommen, muss die Politik zuhören."

Tamia,15, Schülerin (hat frei): Sie ist das zweite Mal da, diesmal auch wegen Greta Thunberg. Sie sagt, sie werde Grün wählen.

Lukas, 24: "Es ist das Thema der Zukunft, jeder Politiker sollte das Thema erkennen."

Klimaschutz-Demonstrantinnen am Freitag in Wien.

Die Jugend erobert den Wiener Ring.

Die Hoffnung auf besonders viele Teilnehmer dank der Schwedin hat sich für die österreichischen Organisatoren erfüllt. Genaue Zahlen waren vorläufig zwar nicht bekannt, die Grünen-Politikerin und frühere Nationalratsabgeordnete Alev Korun schrieb auf Twitter allerdings von 30.000 Teilnehmern. Gegen 13 Uhr wurden von den Organisatoren sogar 35.000 Menschen verkündet.

Unter ihnen war auch Grünen-Chef Werner Kogler. "Die grüne Partei ist ja ursprünglich eine Bewegung. Und die Menschen erkennen wieder, dass wir ihr politisches Sprachrohr in Klimabelangen sein können. Die anderen Parteien verpassen das - vor allem unser jüngster Altkanzler", sagte Kogler zum KURIER schon in Wahlkampfstimmung.

Fünf vor zwölf

Die Demo begann sinnbildlich um 11.55 Uhr, also fünf vor zwölf, auf dem Wiener Heldenplatz. Nach einem Protestmarsch mit Thunberg über die Ringstraße fanden sich die Demonstranten zur Schlusskundgebung auf dem Schwarzenbergplatz zusammen.

Greta Thunberg begann im August 2018 damit, vor dem Parlament in Stockholm für einen stärkeren Einsatz Schwedens gegen den Klimawandel zu protestieren und wurde seither zum Gesicht der internationalen Klimaschutzbewegung.