Geplante Turnhalle auf Wiese spaltet die Gersthofer
Rund 100 Jahre ist das Areal in der Wallrißstraße 40 schon im Besitz des Turnvereins Gersthof, in den 80er-Jahren wurde eine zweite Grünfläche dazugekauft. Dort will der Verein eine Turnhalle bauen. Dagegen formiert sich nun Widerstand der Anrainer.
„Von einer eigenen Turnhalle für unsere 450 Mitglieder träumen wir schon seit Jahrzehnten, mit der Planung sind wir ca. seit eineinhalb Jahren beschäftigt“, sagt Klaus Paula, Obmann des Turnvereins. Hintergrund der Entscheidung ist der Mangel an Sporthallen in Wien.
„Wir sind derzeit an fünf Schulen eingebucht, wo unsere Mitglieder trainieren können. Da aber immer mehr Schulen auf Nachmittagsbetreuung setzen, brauchen sie selbst ihre Turnhallen. Das Zeitfenster, indem Vereine die Hallen nutzen können, schließt sich immer weiter“, schildert Paula. Das Projekt sei eine Zukunftssicherung für den Turnverein, man könne den Mitgliedern unabhängig von Schulen Sportmöglichkeiten anbieten.
Baldige Bauverhandlung
In trockenen Tüchern ist das Projekt aber noch lange nicht. Am Donnerstag findet die Bauverhandlung statt. „Wir warten derzeit auf die Genehmigung der Baupolizei“, sagt Paula. Für die Kosten der Halle werde man selbst aufkommen. Eine konkrete Summe wollte der Obmann aber noch nicht nennen.
Obmann Klaus Paula (r.) und Michael Seifert vom Turnverein Gersthof wünschen sich die Halle.
Derzeit befindet sich auf der Fläche, auf der die Turnhalle gebaut werden soll, ein Beach-Volleyballplatz, mehrere Spielgeräte, zwei kleine Holzhütten und viel blanke Erde. Einziger Mieter dieser Fläche ist der Kindergarten, der in derselben Straße beheimatet ist.
Petition von Anrainern
„Wir werden auf jeden Fall darauf achten, dass die Kindergartenkinder hier weiter spielen können“, ergänzt Michael Seifert, der sich um die Finanzen und die Gartenarbeit des Turnvereins kümmert. Eine zweite Fläche – unterhalb der Turnhalle – soll weiter unbebaut bleiben.
Die Pläne des Turnvereins sorgen vor allem bei den direkten Anrainern für Unmut. Eine Petition wurde ins Leben gerufen, die bereits mehrere Hundert Unterschriften hat. Wegen eines Formalfehlers musste sie allerdings noch einmal eingereicht werden.
Die Halle soll rund sechs Meter hoch werden.
Turnhalle vermieten
Eine, die unterschrieben hat, ist Christine Vaculik. Die Wienerin lebt bereits seit 52 Jahren in ihrer Wohnung in Gersthof – mit direktem Blick auf die Turnvereinswiese. „Wir haben von morgens bis abends Sonne. Und wenn die Turnhalle gebaut wird, haben wir nichts mehr davon. Außerdem wird dann dort ein Wirbel sein, wir genießen hier die Ruhe“, klagt sie.
Die Wienerin glaubt, dass der Turnverein die Halle auch vermieten werde – um zu „kassieren“. Vom Verein selbst heißt es dazu, dass man die Halle hauptsächlich für die eigenen Mitglieder nutzen werde, es sich aber durchaus auch vorstellen könne, an Schulen oder Physiotherapeuten zu vermieten.
Ein Punkt, der in der Petition ebenfalls angesprochen wird, bezieht sich auf die „umfassende Rodung und Verbauung“, die dem Areal durch den Bau der Halle drohen würde. Die Wiese sei zudem ein wichtiger Sickergrund bei Unwettern und wirke in heißen Sommern temperaturausgleichend. Daher fordere man vom Gemeinderat eine Abänderung des Flächenwidmungs- und Bebauungsplanes.
Halle aus Holz gebaut
„Von einer ’umfassenden Rodung und Verbauung’ kann wohl nicht gesprochen werden. Die Grundfläche der Turnhalle umfasst lediglich ca. 19 Prozent der Gesamtfläche der Liegenschaft“, sagt Turnvereinsobmann Klaus Paula. Es werde dabei auch umweltschonend vorgegangen. Die Halle werde mit Holz erbaut, auf dem Dach werden Photovoltaik-Anlagen angebracht. Alle baurechtlichen Vorschriften werden eingehalten, betonte Paula.
Vonseiten der Bezirksvorsteherin heißt es, man wisse von den Plänen des Turnvereins sowie den Sorgen der Anwohner. „Als Bezirk sind wir aber nicht wirklich involviert. Die nächsten Schritte werden in der Bauverhandlung entschieden“, so Bezirksvorsteherin Silvia Nossek.
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