Chronik | Wien
18.04.2018

Gegen Planungskonflikte: Mobiles Rathaus tourt durch Wien

Vassilakou will interaktive Ausstellung, die Vorstellung von Stadtplanung vermitteln soll, persönlich begleiten.

Eines haben die Bauvorhaben am Heumarkt und den Steinhof- oder Althangründen gemeinsam: Sie laufen nicht gerade friktionsfrei ab. Stadtplanungs-Konflikten wie diesen soll nun das Projekt „ Wien wird Wow“ – entgegenwirken. Das fünf Meter hohe Holzkonstrukt ist interaktive Ausstellung und Büro zugleich und tourt ab heute, Mittwoch durch die Stadt.

„Erhebungen haben ergeben, dass die Wienerinnen und Wiener viel mehr mitreden wollen, wenn es um Stadtplanung geht“, sagte Planungsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) bei der Präsentation der mobilen Stadtplanung. Nur 21 Prozent der Wiener seien laut einer Umfrage mit den derzeitigen Beteiligungsmöglichkeiten zufrieden. Dazu komme das „veritable Dilemma“ der Stadtentwicklung - „Abreißen ist furchtbar, Neubau ist schiach, neue Straßen sind böse, Hochbauen ist ein Skandal, aber Nichtbauen ist auch keine Lösung“, fasste Vassilakou die oft geäußerte Kritik an neuen Projekten zusammen.

„Kontroverse gehört dazu, aber man muss eine fruchtbare Art und Weise finden, damit umzugehen“, sagte sie. „Wir haben uns dafür entschieden, die Stadtplanung raus aus dem Rathaus zu bringen, hin zu den Orten, wo Stadtentwicklung passiert.“

Selbst Stadtplaner sein

Die Ausstellung ist in eine rund fünf Meter hohe Holzkonstruktion eingebaut, die sich in ihrer Höhe und Breite an den jeweiligen Standort anpassen und über die Jahre wachsen soll. Im Inneren der Konstruktion wurde ein kleines Büro mit Schreibtisch und Sesseln eingerichtet. An den Wänden finden sich Informationen und Bilder zu den Stadtplanungsprojekten, die im jeweiligen Grätzel am Laufen sind. Mithilfe von Fotos, Diagrammen und auf Bildschirmen wird erklärt, wie die Stadtplanung arbeitet. Zudem gibt es Stationen zum Mitmachen. So kann etwa mit Legosteinen eine Version der eigenen Traumstadt gebaut werden und ein Test zeigt den Besuchern, welche die ideale Stadt für sie wäre.

„Wir wollten einen Anreiz schaffen, damit die Leute die Möglichkeit haben, sich selbst in die Rolle von Stadtplanern zu versetzen“, erklärte Kurator Christian Rapp. Vermittlungsteams werden die Ausstellung durchgehend betreuen.

Maria Vassilakou

„Es geht darum, dass diejenigen, die weggehen von der Ausstellung, eine klarere Vorstellung haben, wie arbeitet die Stadtplanung und wie fallen Entscheidungen“, sagte Vassilakou. Sie will selbst immer wieder mit der Ausstellung unterwegs sein. „Ich habe meinen Schreibtisch mitgebracht. Es wird die Möglichkeit geben, mir direkt zu sagen, was passt und was nicht passt.“

Tour bis 2020

Erste Tourstopp ist die Nordbahn-Halle im zweiten Bezirk, wo die interaktive Ausstellung bis 3. Juni bleiben wird. Danach geht es voraussichtlich zum Hauptbahnhof. Bis 2020 wird „Wien wird Wow“ an den verschiedensten Ecken der Stadt Station machen - sowohl an stark frequentierten Orten wie Einkaufszentren und Bahnhöfen sowie in Stadtentwicklungsgebieten wie der Seestadt. Das mobile Planungsbüro ersetzt die Planungswerkstatt, über die die Stadtplanung 27 Jahre lang kommunizierte. Die jährlichen Kosten für das einstige Informationszentrum beliefen sich auf bis zu 800.000 Euro. Die Herstellung des mobilen Rathauses kostete nun 500.000 Euro. Für den Betrieb sind jährliche Kosten von 477.000 Euro veranschlagt.