Österreich beim Song Contest: Wer steckt hinter der Band Frevd?
Die Band Frevd will Österreich beim ESC 2026 vertreten. Die Gruppe besteht aus dem Doktor, der Leadsänger ist, und den Mitgliedern Patient A, B, C und D.
Der Doktor ist der einzige, der spricht. Neben ihm sitzen Patient A, B, C und D. Namen will keiner der fünf Bandmitglieder von Frevd nennen, zudem tragen sie Masken.
Am 20. Februar wollen die Musiker den ORF-Vorentscheid gewinnen und im Mai Österreich beim Eurovision Song Contest (ESC) vertreten. Frevd ist dabei mehr als nur eine Band, es ist ein Kunstprojekt.
„Ich habe so etwas noch nie erlebt“, sagt darum auch Peter Schreiber, der Scout, der die Band entdeckt hat. Als er die Musiker zum ersten Mal getroffen hat, wurde ihm nur eine Straßenecke in Meidling als Treffpunkt genannt.
Abgeholt wurde er von einem Mann mit Maske, dann wurde er wortlos durch verwinkelte Gänge in einen Proberaum im Keller geführt; an der Wand Visualisierungen von Sigmund Freud, der die Inspiration des Bandprojekts ist.
„Ich habe mich schon gefragt, ob es klug ist, ausgerechnet das zu tun, vor dem man immer gewarnt wird, nämlich mit Wildfremden in den Keller gehen“, sagt Schreiber. Ob er die Inszenierung trotzdem gut gefunden hat? „Gut? Ich habe es geliebt!“
Mit Frevd auf der Couch
In besagtem Keller ist auch der KURIER beim Doktor auf der Couch geladen. „Uns geht es darum, die dunkle Seite zu reflektieren, die wir alle in uns tragen“, erklärt er. „Nur wenn man die Angst vor ihr verliert, kann man in die Zukunft blicken.“ Diese dunkle Seite spiegelt sich auch in ihrem Song „Riddle“ wieder.
Ein Musikvideo wie ein Horrorfilm. Mit dabei: Vorstadtweiber-Schauspieler Bernhard Schir (re.).
Es ist ein intensives Lied, düster – und es thematisiert die Wichtigkeit von mentaler Gesundheit. Die harten Töne sind aber massentauglich und überraschen mit dem Kontrast aus Ruhe und Explosion. „Es ist Heavy Rock“, sagt der Doktor – und ist überzeugt davon, dass die Song-Contest-Fans dafür bereit sind: „Der ESC ist einfach ’Vollgas everything’, da gehört Rock einfach vertreten.“
Im ORF scheint man das auch so zu sehen. Nach der Anfrage des Scouts musste sich Frevd offiziell bewerben und setzte sich gegen 500 Bewerber aus allen Bundesländern durch. Beim Live-Casting der Top 30 wurden sie unter die letzten zwölf gewählt, die am Freitag gegeneinander antreten werden.
Als Frevd in Wien spielen zu dürfen, wär einfach geil.
Leadsänger von Frevd
„Als Frevd in Wien spielen zu dürfen, wär einfach geil“, sagt der Doktor. Schließlich stehe man als Band für die kulturelle und historische Vielfalt der Stadt: „Wir wollen bewusst mit dem österreichischen Vermächtnis arbeiten.“
In den Details steckt Wien
Und tatsächlich steckt sehr viel Wien in vielen Details: Die Masken wurden bei „Art for Art“ hergestellt, der Theaterservice, der auch die Staatsoper ausstattet, die ersten Promo-Videos wurden im Theater in der Josefstadt aufgenommen. Und das Sigmund-Freud-Museum ist offizieller Unterstützer.
Die Band Frevd will Österreich beim ESC 2026 vertreten. Die Gruppe besteht aus dem Doktor, der Leadsänger ist, und den Mitgliedern Patient A, B, C und D.
Im Musikvideo ist zudem einer der Hauptdarsteller Bernhard Schir, bekannt aus der Serie „Vorstadtweiber“. Dieses Video, gedreht von Veselý Marek im Semmeringer Südbahnhotel, wurde am Donnerstag bei einer Premierenfeier im Artis Kino vorgestellt.
Das in der Optik einem Horror-Blockbuster in nichts nachstehende Werk wurde vom Publikum – das allerdings hauptsächlich aus Familie und Freunden bestand – bejubelt.
Ein Brief an Einstein
„Hinter uns liegen Monate harter Arbeit“, sagt der Doktor. „Wir arbeiten alle 40 Stunden in anderen Jobs, wir haben Familien, wir haben Kinder.“ Die Unterstützung sei aber unglaublich gewesen.
„Wir haben jeden Gefallen eingefordert. Aber quasi jeder hat mitgeholfen, ohne groß nachzufragen. Das Konzept ist so besonders. Ich glaube, die Leute spüren, dass das groß werden kann.“
Alles, was die Kulturentwicklung fördert, arbeitet gegen den Krieg.
Leadsänger von Frevd
Dass wirklich alles durchdacht ist, merkt man auch daran, wie Frevd auf die Frage antwortet, wie man zur politisch aufgeheizten Stimmung rund um den ESC wegen Israel und Palästina steht: „Auch hier beziehen wir uns auf Freud. Er hat in einem Brief an Albert Einstein geschrieben: Alles, was die Kulturentwicklung fördert, arbeitet gegen den Krieg.“
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