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Chronik | Wien
04/01/2019

Fiaker ziehen ins Grüne: Zwei neue Kulinarik-Fahrten am Start

Einmal im Prater, einmal im Wiener Speckgürtel: Zwei Unternehmer bieten neue Event-Fahrten an. Das soll Wiener ansprechen

Stelze essen, Bier trinken – und dabei unterschiedlichste Orte des Praters sehen. Das ist ab 2. April möglich. Unter dem Namen „Riding Stelze“ wird es künftig eine kulinarische Kutschenfahrt im Prater geben. Die Gäste steigen beim Riesenrad ein, danach geht es zum Schweizerhaus – wo der Tisch in der Mitte des Wagens mit Speisen und Getränken beladen wird – und anschließend knapp eine Stunde durch den Park.

 

Die Gäste nehmen dabei im sogenannten Zeiserlwagen Platz. Dieser längliche Wagen fasst  bis zu 20 Personen und war vor ein, zwei Jahrhunderten  in den Wiener Vororten zur Personenbeförderung in Verwendung. Gezogen wird er von normalen Fiakerpferden.

Jungunternehmer mischen Branche auf

Die Köpfe hinter dem Event sind Marco Pollandt und Raimund Novotny. Pollandt und Novotny haben vor zwei Jahren „Riding Dinner“ ins Leben gerufen. Sie bieten aktuell kulinarische Fahrten mit traditionellen Fiakerkutschen durch die Wiener Innenstadt, den Schlosspark von Schönbrunn und (wieder ab Juli 2019) die Salzburger Altstadt.

Die Idee ist ihnen gekommen, weil sich immer mehr Personen gemeldet hatten, die in größeren Gruppen kommen wollten und enttäuscht waren, dass in der Fiaker-Kutsche nur vier Personen Platz haben.

Ähnliches Konzept

Mit ihrem neuen Angebot sind sie übrigens nicht alleine. Seit einigen Wochen bietet Fiaker-Unternehmer Johann Paul mit dem Titel "Landpartie" ein ähnliches Konzept im Wiener Speckgürtel an.

Gruppen zwischen 10 und 27 Personen können seinen Stall in Arbesthal besichtigen, eine 40-minütige Kutschenfahrt absolvieren und anschließend bei einem Heurigen in der Umgebung einkehren.

Innenstadt-Fahrten sichern Existenz

Zwei neue Konzepte mit Fiakerpferden im Grünen - Ist das eine Reaktion auf jüngste Forderungen von Politikern oder Tierschützern, das Fiakerfahren ins Grüne zu verlegen?

„Überhaupt nicht“, erwidert Johann Paul. „Dieses Angebot ändert nichts daran, dass die Fahrten in der Innenstadt die Existenz der Fiaker sichern.“  Die Tour durch Arbesthal sei ein Zubrot, ein Zeichen, das man neuen Ideen offen gegenüberstehe.  

Zweitstall in Niederösterreich

Nur mit ihnen könnte er seine laufenden Kosten aber nicht decken. Er rechnet mit einer Landpartie-Fahrt pro Woche. Allein der Stall in Arbesthal – seinem zweiten Stall, der zum Einüben für junge Tiere, als Urlaubsort für aktive Fiakerpferde und als Gnadenhof für die Alten dient – koste ihn aber im Monat 10.000 Euro.

Die Tour sei aber schon auch ein Angebot, vermehrt Wienerinnen und Wiener anzusprechen. Klassische Fiakerfahrten würden Einheimische ja nur noch unternehmen, wenn sie Besuch in der Stadt hätten.

Wiener sollen sich ein Bild machen

Außerdem ist es Johann Paul in Zeiten der wachsenden Kritik an Fiakern wichtig, dass sich die Wiener selbst ein Bild von seinem Stall und seinen Koppeln machen können.

Und dass die Verbindung von Kutschenfahrt und Kulinarik die Wiener interessiert, hat er bei Pollandt und Novotny beobachten können: 60 Prozent der „Riding Dinner“-Gäste seien Einheimische. Die Anfragen würden stetig steigen. Und alleine diesen März – für "Riding Dinner" eigentlich noch Vorsaison –  hätten 50 Fahrten stattgefunden.

Info

Riding Stelze

Eckdaten: 60-minütige Fahrt durch den Prater, mit Stelze und Bier, anschließend Steh-Krügerl im Schweizerhaus. 69 Euro pro Person. Nähere Informationen zur Riding Stelze finden Sie hier.

Landpartie

Eckdaten: Führung durch den Fiaker-Stall in Arbesthal, 40-minütige Kutschenfahrt, Einkehr bei einem Heurigen. 39 Euro pro Person (Hausplatte und eine Runde Getränke inkludiert). Nähere Informationen zur Landpartie finden sie hier.