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Mariahilfer Straße
08/17/2013

Erster autofreier Einkaufssamstag

Trotz Ärger nach chaotischem Start herrscht in der Fuzo auch Begeisterung

Seit Freitag gelten die neuen Verkehrsregelungen auf der Mariahilfer Straße. Doch am Samstagnachmittag drängen sich trotzdem die meisten Fußgänger noch auf dem Gehsteig. „Ich will doch in die Geschäfte schauen. Weshalb sollte ich auf der Straße herumrennen?“, fragt sich Manuela Wilhelm. Ihre Schwester Andrea ist trotzdem erfreut über die Veränderung. „Kein Lärm, keine Abgase, keine Autos. Schön ist es jetzt hier.“

Ebenso sieht das der 31-jährige Emanuel Hinterbauer: „Ich komme ab sofort sicher öfter hierher zum Einkaufen. Früher hätte ich hier keinen Kaffee getrunken, jetzt ist es gemütlich.“

Doch nicht alle sind von der Begegnungs- und Fußgängerzone begeistert. Fußgänger müssen sich auf den Gehsteig retten, um nicht von zu schnell fahrenden Radfahrern erfasst zu werden. Die meisten Passanten kennen sich nicht genau aus.

„Es wirkt alles noch ein bisschen konfus“, meint die 21-jährige Natalie. „Vorhin saß ein Junge mit seinem Skateboard mitten auf der Straße. Ein Auto fuhr ganz knapp an ihm vorbei. Ich glaube die Leute haben das neue Konzept noch nicht ganz verstanden hier.“ Das bestätigt auch eine Polizistin, die seit Freitag auf der Mariahilfer Straße im Großeinsatz ist: „Es ist ein Chaos.“

Verirrte Autos

„Für Fußgänger ist es sicherlich gut, für Autofahrer in jedem Fall ein Denkprozess“, meinte Anrainerin Eva Luger. Immer wieder verirren sich Autos in die Fußgängerzone oder fahren gegen die Einbahn. Im Halteverbot parken vereinzelt noch Autos.

Diese Falschparker werde man mit Infoblättern versorgen, heißt es aus dem Büro Vassilakou. Erst wenn diese Maßnahme auch nicht greife, werde man weitere Schritte – wie zusätzliche Tafeln – andenken.

Zwei Taxis parken illegal vor dem NH Hotel. Nach Aufforderung des Parksheriffs fahren sie davon. NH Hotel-Mitarbeiter Salah Bakleh ist besorgt, dass das Autoverbot vor dem Hoteleingang zum Problem werden könnte. „Unsere Parkgarage befindet sich in der Andreasgasse. Eventuell müssen wir diese Straße als neue Adresse angeben. Aber die klingt natürlich nicht so gut wie Mariahilfer Straße.“

Auch Trafikant Erwin Hauser ist über die Veränderungen nicht sehr erfreut. „Der Wiener ist nun mal ein Autofahrer.“ Er fürchtet, dass die Menschen auf Einkaufszentren ausweichen, bei denen es bessere Parkmöglichkeiten gibt.

Hotel-Mitarbeiter Gerd hält die Umgestaltung für „rausgeschmissenes Geld“. Er werde in Zukunft nicht mehr mit dem Auto kommen können, sondern auf die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen müssen.

Die 27-jährige Sophie kann dieses Problem nicht nachvollziehen. „Es sind doch überall U3-Stationen.“ Und sonst könne man ja auch noch mit dem Rad fahren.

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