Neue Wohnbaustadträtin Hanel-Torsch: Fachlich versiert, politisch zuletzt glücklos

Die Kärntner Juristin wird Wiens neue Wohnbaustadträtin.
PRESSEKONFERENZ DER SPÖ WIEN ZU WICHTIGEN BESCHLÜSSEN DER WIENER PARTEIGREMIEN: NOVAK / LUDWIG / HANEL-TORSCH

Der Aufstieg von Elke Hanel-Torsch in die erste Reihe der Stadtpolitik kam selbst für Rathaus-Insider überraschend. Das liegt nicht nur am eher fluchtartigen Abschied von Kathrin Gaál aus dem Amt der Wohnbaustadträtin – sondern auch daran, dass sich Hanel-Torsch zuletzt politisch in der SPÖ nicht mit Ruhm bekleckert hat.

Die derzeitige Nationalratsabgeordnete (ihr Mandat legt sie nun nieder) ist Stadtpolitik-Feinspitzen vor allem aufgrund ihres Wirkens im 5. Bezirk ein Begriff. Hanel-Torsch ist dort seit 2021 SPÖ-Bezirksparteivorsitzende. Die Margaretner SPÖ ist ein schwieriger Patient – unter Hanel-Torsch hat sich ihr Zustand nicht gebessert: Die Gräben brachen auf, als die damalige Bezirksvorsteherin Susanne Schaefer-Wiery im Wahljahr 2020 ihren Austritt aus der Partei bekannt gab.

Doch auch mit Silvia Jankovic, die das Amt der Bezirksvorsteherin kurz darauf von Schaefer-Wiery übernahm, wurde die Bezirkspartei nicht glücklich – und sägte sie im Vorjahr kurzerhand ab, um einen anderen Spitzenkandidaten, Christoph Lipinski, in die Bezirkswahl zu schicken. Er verlor den Bezirk – einst eine Arbeiterhochburg – im April 2025 krachend an die Grünen. Hanel-Torsch hat als Parteichefin in Margareten damit einen der größten roten Patzer bei der Wahl (mit) zu verantworten.

Prestigeträchtiger Job

In ihrer neuen Wirkungsstätte wird die gebürtige Kärntnerin aus St. Veit an der Glan, die fürs Jus-Studium nach Wien kam, etwas besseres Krisenmanagement beweisen müssen. Das Wohnbau-Ressort ist im roten Wien seit jeher einer der prestigeträchtigsten für die SPÖ. Die Wiener Wohn- und Gemeindebaupolitik war und ist die Basis für Wahlerfolge; so mancher Stadtrat (von Michael Ludwig bis Werner Faymann) war zu Höherem berufen. Der Job kann ein Sprungbrett sein.

Fachlich könnte Hanel-Torsch überzeugen: Die 44-Jährige sitzt nicht nur seit 2024 für die SPÖ im Nationalrat, wo sie für ihre Partei die Bau- und Wohnagenden verantwortet. Sie ist derzeit auch (noch) geschäftsführende Vorsitzende der Mietervereinigung Wien, bei der sie im Jahr 2006 als Juristin andockte.

Beobachter beschreiben Hanel-Torsch als „resolut, umsetzungsstark und fachlich versiert“. Eigenschaften, die sie im politischen Tagesgeschäft benötigen wird. Sei es im Umgang mit den Abteilungen ihres Megaressorts, zu dem „Wiener Wohnen“ ebenso zählt wie die Baupolizei, oder in der Auseinandersetzung mit der Opposition. Vor allem die FPÖ macht der SPÖ die Hoheit im Gemeindebau strittig. Aber auch innerhalb der Stadtregierung wird sich Hanel-Torsch durchsetzten müssen; ihre Parteikollegin und Finanzstadträtin Barbara Novak ist überall und immer auf der Suche nach Einsparungspotenzial.

Bei der Mietervereinigung kann Hanel-Torsch auf eine durchaus erfolgreiche Bilanz verweisen: Alleine 2025 erstritt sie mit ihrem Team mehr als 2,6 Millionen Euro. Der bisherige Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf dem Thema leistbares Wohnen. Auch das eine gute inhaltliche Basis für ihr Amt. 

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