Agnes Goebel (ganz li.) wurde die Lizenz zum Missenküren entzogen; Beatrice Körmer (2.v.re) wurde ihr Titel aberkannt 

© Markus Spitzauer

Chronik | Wien
04/29/2019

Eklat bei Miss-Vienna-Wahl: Gekrönt und entthront

Im Mai soll der Schönheitsbewerb wiederholt werden. In der Wiener Society beschuldigt nun jeder jeden.

Beatrice Körmer (23) ist die neue Miss Vienna. Oder besser gesagt: war sie das – drei Tage lang. Am Donnerstag wurde sie gekürt, am Sonntag wurde ihr der Titel aberkannt. Es besteht der Verdacht der Manipulation. Die Wahl der Miss Vienna soll noch im Mai wiederholt werden.

Seit dem Eklat befinden sich alle Beteiligten in einer regelrechten Schlammschlacht. Die Liste der Protagonisten liest sich wie ein Auszug aus der Wiener Society: Christina Lugner, Peter Westenthaler, Ekaterina und Christian Mucha, Gary Lux (einstiger, mehrfacher Song-Contest-Teilnehmer).

Worum es geht? Der KURIER wagt eine Erklärung.

Was bisher geschah: Die 23-jährige Beatrice Körmer wird vergangenen Donnerstag im Club Schwarzenberg zur Miss Vienna 2019 gekürt. Unter Buhrufen, wie erzählt wird. Daraufhin gibt es empörte Postings in den Sozialen Medien. Unter anderem von Ex-Politiker Peter Westenthaler. Er ortet einen „Skandal“: „11 tolle, engagierte Mädels wurden sichtbar unterbewertet“ schreibt er auf Facebook.

Westenthaler-Tochter ging leer aus

Seine Empörung ist wenig verwunderlich, schließlich stellte sich auch Westenthalers Tochter Cornelia der Wahl – und wurde von der Jury nicht zur Siegerin gekürt. Westenthaler: „Und nur eine – im Vergleich maximal Durchschnittliche – von der es alle bereits seit Wochen wussten, wurde ebenso sichtbar von den üblichen Mitgliedern einer Wiener Schicki-Micki-Szene mit Höchstnoten überhäuft“.

Westenthaler, der sich schon im Club Schwarzenberg höchst emotional gebärdet haben soll – spricht damit auch die brodelnde Gerüchteküche an, denn: Miss Vienna Beatrice – „Bea“ – Körmer soll wegen ihres Nahe-Verhältnisses zu Jurorin Christina Lugner sowie „Missenmami“ (Selbstdefinition, Anm.) und Organisatorin Agnes Goebel gewonnen haben.

Angebliche Schmiergeld-Flüsse

Und das kommt so: Körmer ist liiert mit einem Mann namens Heimo Turin. Turin ist wohlhabender Veranstalter und soll immer wieder Promis zu Zusammenkünften in sein Innenstadt-Penthouse laden. Bei einem Event waren auch Christina Lugner und Agnes Goebel anwesend.

Und nicht nur das: Von Schmiergeld und Korruption ist die Rede – von wem das Geld geflossen sein soll und an wen, ist nicht überliefert. Goebel bestreitet alle Vorwürfe „mit aller Härte“, wie sie zum KURIER sagt.

Und Christian Mucha, dessen Frau Ekaterina ebenfalls in der Jury saß und der für sie das Wort ergreift, sagt: „Es gab ein Mädchen, das alle überragte“ – und das sei Bea Körmer gewesen.

Verstoß gegen Vertrag

Für die Miss Austria Corporation (MAC) – das ist jene Organisation, die die Wahl zur Miss Austria veranstaltet und die die Lizenzen für die Miss-Wahlen in den Bundesländern vergibt – trotzdem Grund genug, Goebel den Vertrag zu kündigen.

Sonntagabend wird eine Stellungnahme veröffentlicht: Die MAC habe einen anonymen Brief erhalten, wonach es bei der Wahl „angeblich zu Unregelmäßigkeiten kommt und die Jury anscheinend manipuliert wird. Eine Manipulation der Jury und somit die Abhaltung einer nicht korrekt durchgeführten Wahl würde nach Auskunft unserer Rechtsvertretung natürlich einen Verstoß gegen den abgeschlossenen Lizenzvertrag und einen enormen Imageschaden für die Miss Austria Corporation darstellen.“

Rasche Wiederholung nötig

Deswegen soll die Wahl zur Miss Vienna im Mai wiederholt werden. Dass das rasch vonstatten geht, ist deshalb wichtig, weil schon am 6. Juni die Miss Austria in Wels gekrönt werden soll.

Die Miss Austria Corporation führen Jörg und Kerstin Rigger. Sie gerieten im Herbst in die Boulevard-Schlagzeilen, weil sie der amtierenden Miss Austria Daniela Zivkov den Titel aberkannten. Angeblich habe die Miss Oberösterreich Corporation, die Zivkov betreut, gegen den Lizenzvertrag verstoßen. Eine der beiden Chefinnen der Miss OÖ Corporation ist übrigens Riggers Ex-Frau.

Hintergrund: Wie man Miss wird

Jedes Jahr werden in Österreich zehn „Missen“ gekürt: Eine aus jedem Bundesland plus eine sogenannte „Miss Online“ – das ist die Frau mit der stärksten Online-Präsenz. Bewerben kann sich jede Österreicherin zwischen 18 und 24 Jahren mit  „schönen Haaren und Zähnen, gepflegtem Auftreten, sportlicher Figur“ und mindestens 165 Zentimeter Körpergröße.

Die Miss Austria Corporation organisiert die Wahl zur „Miss Austria“ und vergibt die Lizenzen für die Bundesländerwahlen.