Geh mit Gott, aber geh: Dompfarrer Faber vor Pensionierung
Seit 1997 leitet Toni Faber die Dompfarre St. Stephan – die bekannteste Pfarre der Erzdiözese Wien. In der Bundeshauptstadt zählt er auf dem gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und nicht zuletzt politischen Parkett zu den oft und gern gesehenen Persönlichkeiten der Stadt. Er schart seine Schäfchen nicht nur im Stephansdom um sich, sondern sucht diese auch auf. Bei Vernissagen, Betriebseröffnungen, Wein- und anderen Segnungen.
Auch auf dem Tanzparkett ist er mit seiner guten Freundin Natalie Nemec gerne gesehen. Aber dieses Parkett ist auch glatt. Und er begibt sich gut und gerne selbst und bewusst auf dieses glatte Terrain. Etwa mit Aussagen zum Zölibat. Dessen „Lebensmächtigkeit“ werde überschätzt, sagte er zuletzt im KURIER über diese wichtige Frage der Ehelosigkeit katholischer Priester, der er nichts abgewinnen kann.
Seit 1997 leitet Faber die Dompfarre St. Stephan.
Die Frage des Zölibats
In dieser Frage sieht er sich auch mit dem neuen Erzbischof von Wien, Josef Grünwidl, in Übereinstimmung, dessen Einstellung zum Zölibat sich „im Wesentlichen mit meiner deckt“.
Worin sich Grünwidls Einstellung und jene von Toni Faber zumindest noch nicht vollständig decken, ist die Frage, wie lange Faber noch Dompfarrer sein wird. Denn soviel ist fix: Es laufen konkrete Gespräche über ein Ende von Fabers Zeit im Stephansdom.
Toni Faber wird im März nächsten Jahres 65 Jahre alt. Deshalb werden jetzt Gespräche über seine Pensionierung geführt. Das bestätigt der Dompfarrer dem KURIER. Und er räumt ein, durchaus gesprächsbereit zu sein, im Juli kommenden Jahres tatsächlich in Pension zu gehen. Auch wenn der Abgang, wie man aus informierten Kreisen hört, kein ganz freiwilliger sein dürfte. „Ich bin an meinem Traumplatz“, hält er unmissverständlich fest, „deshalb bin ich nächstes Jahr dann auch schon 30 Jahre hier, sonst hätte ich mir längst einen anderen Platz gesucht.“
Vor seinem 60. Geburtstag habe er sich nicht vorstellen können, als Dompfarrer überhaupt jemals aufhören zu wollen. „Ich wollte bis 80 hier arbeiten und vielleicht bei einer Messe im Stephansdom sterben“, hat er gewohnt markige Sprüche auf Lager. Aber er sei auch in dieser Frage besonnener geworden, gibt er zu. „Seit dem 60. Geburtstag ist das nicht mehr meine einzige Hoffnung“, gesteht er ein. „Wer weiß, was ich mit 65 mache?“ Deshalb sei ihm bei dem Gedanken, mit
65 Jahren in Pension zu gehen, nicht bange: „Nichts ist unvorstellbar.“
Vor allem nicht, wenn er auf die Kontakte blickt, die er im Laufe der Zeit aufgebaut hat. „Mit zwei Drittel der Wiener Bezirksvorsteher bin ich per Du, weil ich überall zu Veranstaltungen und Eröffnungen gehe“, ist er sich seiner Stellung in Wien bewusst – und hat noch ein Schmankerl parat: „Ich war bei einer Versammlung, da haben mir 80 Prozent auf die Schulter geklopft und gesagt, sie stehen hinter mir.“
Anton Faber
geb. 18. März 1962 in Wien; Entscheidung zum Priesterberuf nach einer schweren Erkrankung mit 17 Jahren, 1988 Priesterweihe, erzbischöflicher Zeremoniär bei Hans-Hermann Groër und Christoph Schönborn; Letzterer ernannte Faber 1997 zum Moderator der Dompfarre St. Stephan und 1999 zum Dompfarrer;
seit 2000 Mitglied des Domkapitels.
1.500 Menschen
hat Toni Faber nach eigenen Angaben zum (Wieder-) Eintritt in die katholische Kirche bewogen.
Kampf um Faber
Hinter Faber stehen offenbar die Mitglieder der Dompfarre. Diese hätten sich schon an ihn gewandt mit der Frage, ob und wie man für Fabers Verbleib beim Bischof eintreten könnte. Er forciere das nicht, betont Faber. Das sei ausschließlich Sache derer, die sich engagieren wollen.
Wobei er schon sagt: „Nach Unterstinkenbrunn will ich nicht gehen. Aber meine Erfahrung will ich gerne in den Dienst der Sache stellen.“ Und er betont – mit einem kokettierenden Verweis auf seine Begleiterin: „Ich möchte Priester bleiben und im Dom und in anderen Pfarren und Kirchen Taufen und Hochzeiten und Messen feiern.“ Also Seelsorger bleiben. „Wenn auch vielleicht nicht mehr in der offiziellen Funktion des Dompfarrers“, bestätigt er erneut. Und er lässt auch durchblicken, dass er sich längst Gedanken über ein neues Betätigungsfeld innerhalb seines Netzwerks und mit diesem mache.
Bürgermeister Michael Ludwig (rechts) mit Faber bei der Weinlese.
Seitens der Erzdiözese bestätigt Pressesprecher Michael Prüller lediglich, dass es „gute Gespräche“ mit Dompfarrer Faber gebe, inhaltlich wolle man sich dazu nicht äußern.
Dass die Bemühungen, Faber in Pension zu schicken, gerade mit dem Amtsantritt Grünwidls zusammenfallen, trage ein wenig Ironie in sich, fügt der Dompfarrer hinzu: „Grünwidl wird ein Jahr nach mir 65 und folgt mir auf den Fuß.“
Apropos 65: Zu diesem halbrunden Geburtstag habe er erst am Ostersonntag dem Wiener Bürgermeister Michael Ludwig gratuliert, den dieser am Karfreitag gefeiert hatte. Und Ludwig zählt bekanntlich zu den treuesten Schäfchen des Dompfarrers.
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