Demo: Wissenschafter protestieren gegen Lobauautobahn
Während SPÖ-Verkehrsminister Peter Hanke am Bau des Lobautunnels und der S1 festhält, versuchen Wissenschafter der Organisation „Scientists4Future“ dieses Projekt noch zu verhindern.
Am Dienstag übergeben die Wissenschafter im Verkehrsministerium im Rahmen einer Kundgebung (Beginn ist um 17 Uhr, Radetzkystraße 2) dem Verkehrsminister ihre Stellungnahme zum Bau der Autobahn.
"Richtung Klimakatastrophe"
Reinhard Steurer, Professor für Klimapolitik an der Universität für Bodenkultur, wird deutlich, wenn er über diese Straße spricht.
„Wir befinden uns auf der Überholspur in eine Klimakatastrophe“, sagt er und weist auf die Einigkeit der Klimaforschung hin, dass gerade der Neubau von Straßen diese Entwicklung in Richtung dieser Klimakatastrophe noch weiter beschleunige.
Denn aus seiner Sicht geht es bei der Bewertung von solchen Straßenprojekten in erster Linie um die Bodenversiegelung.
2,5-Grad-Erhitzung und die Folgen
Denn klar sei längst, dass die Erde noch in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts auf eine Erhitzung um 2,5 bis 3 Grad zusteuere. Mit Folgen, vor denen die Wissenschaft seit Jahren und Jahrzehnten warne, wie Steurer betont: „Es wird dann um die Frage gehen, wie viele Ackerflächen die einzelnen Länder noch zur Verfügung haben, um die Bevölkerung mit Essen zu versorgen.“
Einen Weltmarkt für Getreide werde es nicht mehr geben, sagt der Klimawissenschafter, „jedes Land wird seine Lebensmittel zusammenhalten“.
Verkehrsstrom-Debatte als "Ablenkung"
Diskussionen über Verkehrsströme etc. seien reine Ablenkungsmanöver vom eigentlichen Kernproblem, der Bodenversiegelung, betont Steurer, der hinzufügt: „Dabei ist die Straße selbst in dieser Frage das kleinere Problem.“
Denn entlang solcher Straßen entstehen – wie die Wissenschaft belege – Gewerbegebiete im großen Stil, die zu einer weiteren Versiegelung führen.
Klimaforscher Reinhard Steurer.
„Baustopp für 10 Jahre“
Steurer ortet in der Argumentation der Straßenbefürworter „Wissenschaftsverleugnung“ und appelliert an Minister Hanke, mit dem Bau der Straße zehn bis 15 Jahre zuzuwarten, um zu sehen, „ob die Prognosen der Wissenschaft zu den Auswirkungen der Klimakatastrophe eintreten“.
Wenn nicht, könne man immer noch bauen, meint Steurer, der aber weiß, dass die Prognosen der Klimawissenschaft immer zurückhaltender waren, als dann tatsächlich eingetroffen sei.
Gerade in Zeiten, wo es immer schwieriger werde, für Klimaschutz einzutreten, sei der Kampf gegen weitere Bodenversiegelung einer der wenigen noch sinnvollen Ansatzpunkte, für die es zu kämpfen lohne, sagt Steurer, der aber auch einräumt: „Entscheidungsträger wollen in der Regel nicht hören, was ich zu sagen habe.“
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