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Inklusion in Wien: Wie Kulturbuddys Barrieren im Alltag abbauen

Das Kulturbuddy-Programm der Caritas Wien bringt Menschen mit Behinderung und Ehrenamtliche zusammen. Der KURIER durfte einen Nachmittag lang dabei sein.
Kulturbuddy in Wien

Arthur ist ein kleiner brauner Stoffbär, den Andi nach einem Besuch am Weihnachtsmarkt geschenkt bekommen hat. Stets begleitet er Andi in seinem Rucksack – so auch bei einem Ausflug in den Tiergarten Schönbrunn. Begeistert zeigt Andi Arthur und weitere Stoffgefährten seinen Begleitern im Zoo.

Mit Fürsorge erzählt er von seinen Weggefährten, die mehr als ein Spielzeug sind. Unterbrochen wird seine Erzählung nur von Giraffen, die im Gehege umherwandern und Regine in ihren Bann gezogen haben: „Mei sind die lieb.“ Andi und Regine leben in einer Wohngemeinschaft für Menschen mit Behinderung. Seit zwei Jahren treffen die beiden sich einmal im Monat mit ihrem Kulturbuddy Regina.

Das Programm zielt darauf ab, gemeinsam mit Bewohnerinnen und Bewohnern aus Einrichtungen der Caritas Wien sowie Partnerorganisationen von „Hunger auf Kunst und Kultur“, das Freizeitangebot von Wien zu nutzen. 

Als ich in Pension gegangen bin, wollte ich etwas Sinnvolles tun. Früher habe ich Banken geleitet, die Kulturbuddys sind etwas ganz anderes.

von Regina

Kulturbuddy

Sozial benachteiligte Menschen, Menschen in Obdachlosen- und Flüchtlingshäusern, Personen mit psychischen Erkrankungen oder körperlichen Behinderungen oder Menschen, die straffällig geworden sind, nehmen üblicherweise Freizeitangebote seltener in Anspruch. Damit verbundene Hürden, wie mangelnde Ressourcen oder Informationen über Kulturangebote, möchten das Programm abbauen.

Etwas Sinnvolles tun

„Als ich in Pension gegangen bin, wollte ich etwas Sinnvolles tun“, erzählt Regina dem KURIER. Sie habe in eine komplett neue Welt eintauchen wollen. „Früher habe ich Banken geleitet, die Kulturbuddys sind etwas ganz anderes“, sagt sie.

„Wie viele Schritte habt ihr heute schon gemacht?“, fragt Andi in die Runde und zeigt sein Handydisplay. Er ist ausgestattet mit Walking-Stöcken und einer Kappe. Andi ist sehr sportbegeistert und großer Rapid-Fan. Passend dazu hat er seinen Rucksack gewählt. Eifrig ist er unterwegs zum nächsten Tiergehege.

Kulturbuddy in Wien

Kulturbuddy Regina (links) arbeitete bei Banken, in ihrer Pension will sie Sinnstiftendes tun, wie Regine bei Ausflügen zu begleiten.

Dicht gefolgt von Regina und Regine geht es weiter in Richtung Pinguine. Anders als Andi ist Regine aber nicht für das schnelle Tempo ausgestattet – sie trägt sommerliche Sandalen statt sportlichen Turnschuhen. „Wie wäre es damit? Wir gehen noch weiter und holen uns ein Eis“, sagt Kulturbuddy Regina. Der Vorschlag wird mit Begeisterung angenommen.

99 Kulturbuddys im Einsatz

Der Besuch im Zoo ist nur einer von vielen Unternehmungen, die das Trio schon gemeinsam erlebt hat. Vom Christkindlmarkt, wo Andi seinen Plüschbären Arthur gekauft hat, über Kinobesuche und dem Haus der Musik ist alles dabei. „Ich gehe gern ins Museum“, erzählt Regine. Mit ihrem Kulturbuddy Regina verbindet sie mehr als die Ähnlichkeit des Namens – sie sind sichtlich ein eingespieltes Team.

Es wird gescherzt, gelacht und sich blind verstanden. Die Beziehung zwischen den Ehrenamtlichen und den Klientinnen und Klienten ist Dreh- und Angelpunkt des Projekts. Bei der Zuteilung werde deshalb darauf geachtet, dass die Interessen übereinstimmen, so die Caritas.

Allein im Jahr 2025 waren 99 Kulturbuddys in Wien und Niederösterreich im Einsatz. Insgesamt wurden dabei laut Caritas 2.600 Stunden auf Ausflügen verbracht. „Gerade in Österreich geht es uns im Vergleich zu anderen extrem gut, wir bekommen so viel. Man sollte etwas zurückgeben“, sagt Regina über das Ehrenamt. Gleichzeitig bekomme sie von Regine und Andi viel zurück.

Neben Pandas, Pinguinen und Elefanten gibt es ein Highlight für Regine: Ein Plakat mit Song Contest Teilnehmer Cosmo. „Ich bin ein großer Fan“, sagt sie, bevor sie Cosmos „Tanzschein“ zum Besten gibt. Zum Abschluss wird ein Foto mit Plakat-Cosmo geschossen. „Es ist so schön, was man im Ehrenamt gemeinsam erlebt, vor allem die kleinen Momente“, sagt Buddy Regina.

Bevor es für das Trio zum traditionellen Ausflugsabschluss – ein Restaurantbesuch – geht, darf ein Stopp im Zoo-Shop nicht fehlen: „Ich glaube, wir finden für jeden etwas Passendes“, sagt Regina. Andis Wahl fällt erneut auf einen Plüschbären – diesmal ein Eisbär, der im Zoo selbst leider versteckt blieb. Regine entscheidet sich indes für eine bunte Schlange. „Die schaut sehr frech aus“, sagt sie.

„Das Highlight für mich am Programm sind definitiv die beiden und wie sie sich immer freuen über unsere Ausflüge. Ich bin einfach gerne mit Andi und Regina unterwegs“, sagt Regina.

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