Brünner Straße: Was sagen die Bürger zu den Radweg-Plänen?

Ab Mai wird die Radlücke zwischen Am Spitz und Krankenhaus Nord geschlossen. Zig Parkplätze müssen weichen.
Eine Straße in Wien mit geparkten Autos und einem Kurzparkzonen-Schild.

Dass die wenigen Radfahrer, die beinahe todesmutig auf der Brünner Straße vom Spitz weiter stadtauswärts zum Krankenhaus Nord im Mischverkehr fahren, Fans des geplanten Radwegs sind, überrascht jetzt nicht. Jede Fahrt ist hier hochriskant. Und die Alternative ist ein größerer Umweg.

Auch wenn die nur 960 Meter lange Radweg-Lücke zwischen der Schloßhofer und der Katsushikastraße erst im Juni 2027 geschlossen wird, freuen sich die Radler schon heute.

Mehr überraschen beim KURIER-Lokalaugenschein in Floridsdorf Bewertungen, die etwa am Schlingermarkt abgegeben werden. 

So sind Besucher, die heute mit der Straßenbahn aus Jedlesee zum Einkaufen gekommen sind, ein Ehepaar in Pension, alles in allem für den neuen Radweg. Der hat bereits vor den ersten Bauarbeiten (laut Stadt ab Mai) viel Staub in den sozialen Medien des 21. Bezirks aufgewirbelt.

Der Mann sagt: „Ich bin schon gespannt, wie sie den Radweg am Markt vorbei führen werden.“ Seine Frau fügt hinzu: „Wir haben auch ein Auto. Aber man muss nicht überall in Floridsdorf mit dem Auto hinfahren.“

Viel Freud’ – auch Leid

So nicht erwartet ist auch die Auskunft des Sprechers der Marktstandler auf dem Floridsdorfer Markt. Auf die Frage, was seine Kollegen und Kolleginnen zum neuen Radweg sagen, erklärt er: „Wir sind natürlich nicht erfreut, dass auf der Brünner Straße Parkplätze für den Radweg geopfert werden müssen. Aber wir sind auch nicht naiv, auch wir wissen, dass wir in Zukunft andere Verkehrslösungen brauchen werden als die heutigen.“

Rendering: Eine rote Straßenbahn fährt auf der 21. Weiselgasse in Wien, während Radfahrer auf dem Radweg unterwegs sind.

Grüne Zukunft: Wo heute Autos parken, sollen morgen die Radfahrer unterwegs sein.

Was der Standler nicht laut sagt, was aber ein Blick auf die Parkplätze rund um den Markt zeigt: An diesem Werktagvormittag gibt es genügend freie Plätze. Eng wird es hingegen zu den klassischen Marktzeiten am Freitag und Samstag.

Weniger Freude hat man – leicht nachvollziehbar – im Schuhgeschäft Klimesch, seit 1949 in der Brünner Straße. Eine Verkäuferin zeigt auf die Straße hinaus und meint Schulter zuckend: „Alle Parkplätze kommen weg.“

Katharina Graber, die für den 21. Bezirk zuständige Obfrau der Wirtschaftskammer Wien, kritisiert in der Floridsdorfer Zeitung „den Wegfall von 70 Parkplätzen“. Auch vor dem beliebten Eissalon Perugini werden sich über Jahrzehnte lieb gewonnene Rituale (Auto vor dem Salon parken, Eis essen, weiterfahren) ab Mai so nicht mehr ausüben lassen.

Relativ entspannt zeigt sich ein Taxifahrer auf einem der drei Standplätze vis-à-vis von der Remise der Wiener Linien. Die müssen ebenfalls weichen: „Ehrlich gesagt gibt es für uns auch einen großen Standplatz vor dem Krankenhaus.“ Zudem ist ein Taxi-Standplatz so wie eigene Ladezonen für Lkws in den Nebengassen des Marktareals geplant.

Bisher wenig genützt

Eine „Parkplatzvernichtung der Extraklasse“ (Kritik der FPÖ Floridsdorf) wollen auch andere Befragte in der Brünner Straße nicht sehen. Viel mehr interessiert man sich für die Frage, ob der neue großzügig geplante Radweg auch genützt wird. Die Frage ist berechtigt, ist doch auf dem 2024 stolz von der Stadt und vom Bezirk vorgestellten „Rad-Highway“ in der Floridsdorfer Hauptstraße nicht die Hölle los. Im Abstand von drei bis fünf Minuten fährt dort jemand mit dem Fahrrad vorbei.

Antwort auf diese Frage wird es frühestens im Jahr 2027 geben. Radfahrende in Floridsdorf stellen sich auch die Frage, ob die Radwege in der Brünner und auch in der Prager Straße dann weiter bis in die Heurigenorte Stammers- bzw. Strebersdorf verlängert werden.

Kommentare