Blitzstart für Petition: Mehr als 7.400 wollen den Wiener Post SV retten

Der Vertrag am Postsportplatz läuft 2027 aus und bedroht die Existenz des Traditionsvereins. Während online mobilisiert wird, zeichnet sich der konkrete Plan der Post AG schon ab.
Was wird aus dem Areal des Postsportplatzes in Hernals?

Im Fußball würde man von einem Blitzstart sprechen: Tor in der 1. Minute, frühe Führung, großer Jubel. Aber der Schlusspfiff ist in weiter Ferne und das Match noch lange nicht gewonnen. So ähnlich geht es gerade den Mitgliedern und Freunden des Postsportvereins: Für die Rettung des Wiener Traditionsklubs, der um seine Heimstätte in Hernals und damit um die eigene Existenz bangen muss, wurde vergangenen Mittwoch eine Online-Petition gestartet – die mit mehr als 7.400 Unterzeichnern einen wahren Raketenstart hingelegt hat.

Die Mitgliederinitiative des Vereins wollte damit Druck vor allem auf die Eigentümerin der riesigen Anlage – die Post AG – aufbauen, auf dass sie nach rund 100 Jahren gedeihlicher Partnerschaft den Verein nicht einfach fallen lässt. „Der Post SV kämpft um sein sportliches Überleben! Ab Ende 2027 stehen 5.000 Mitglieder der 15 Sektionen, also Breiten- und Spitzensportler, sprichwörtlich auf der Straße, darunter 2.000 Kinder und Jugendliche, die hier trainieren“, heißt es im Text der Petition, die bis September laufen soll.

Hintergrund ist, dass die Post als Eigentümerin des mehr als 15 Hektar großen Areals ab Jänner 2028 neue Wege gehen will und daher eine EU-weite Ausschreibung zur Neuvergabe plant. Zuvor war man mit üppigen Bebauungsplänen am Veto der Stadt Wien gescheitert.

Wegen Beihilfenrechts

Dass überhaupt öffentlich ausgeschrieben wird, begründet ein Post-Sprecher mit der „gesetzliche Notwendigkeit des EU-Beihilfenrechts“, zumal die Post im Mehrheitseigentum der Republik steht. Bis Sommer soll ein Leitbild erarbeitet werden, dann ein Beteiligungsprozess samt Ausschreibung gestartet werden – all das sei noch „in Vorbereitung“. Beim Post SV besteht aber die Sorge, bei einer EU-weiten Ausschreibung als gemeinnütziger Verein unter die Räder zu kommen und keine Chance gegen kommerzielle Betreiber zu haben.

Post-SV-Geschäftsführer Clemens Rarrel betont gegenüber dem KURIER, dass die konkreten Rahmenbedingungen der Ausschreibung entscheidend sein würden; auch, wenn man auf dem juristischen Standpunkt stehe, dass der Kontrakt mit dem Verein auch einfach weiterverlängert werden könnte. „Aber wenn der Eigentümer das einfach nicht will, nutzt uns das halt nichts“, klagt Rarrel.

Mittlerweile kursiert auch eine Variante, wie die Post vorgehen möchte: Demnach soll das Areal in einen kommerziellen und in einen gemeinnützigen Teil getrennt werden – wobei die Tennisplätze an der Rosensteingasse an einen kommerziellen Bestbieter gehen würden. „Wir sehen das aber sehr kritisch, denn die Tennisplätze sind unsere Haupteinnahmequelle, mit der wir den restlichen Betrieb aufrechterhalten. Wenn da die Hälfte wegfällt, geht es sich schwer aus“, sagt Rarrel.

Wie ein Damoklesschwert schwebt das Datum 1.1.2028 über dem Verein: „Aus heutiger Sicht“ könne es passieren, dass einzelne Sektionen – etwa die große Fußballsparte – mitten in der Saison den Betrieb einstellen müssen. Aber noch ist dieses Match nicht entschieden.

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