Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

Lehrermangel vorbei? 4.600 Bewerber auf 2.100 Stellen

Für das kommende Schuljahr haben bei der Bildungsdirektion Wien 4.600 Kandidaten um eine Stelle angesucht. Wie steht es um den Lehrermangel in der Stadt?
Eine Schulklasse mit einer Lehrerin vor der Tafel und Schülern an ihren Tischen.

Für das kommende Schuljahr werden bereits die Weichen gestellt: Mit Ende April begann die Hauptbewerbungsphase für Lehrerposten. Nach Ende der ersten Frist lässt sich bereits eine erste Bilanz ziehen. Für die rund 6.500 Lehrerstellen, die das Bildungsressort österreichweit ausgeschrieben hat, haben sich 12.900 Personen beworben, was laut Ministerium ein Plus von rund 1.000 Bewerbungen im Vergleich zum Vorjahr darstelle.

Auch in Wien übersteigt das Angebot die Nachfrage, 4.600 Bewerberinnen und Bewerber habe es laut Bildungsdirektion für die Hauptausschreibung gegeben. Offene Stellen gibt es in der Stadt derzeit „nur“ 2.100. Aufgrund von Mehrfachbewerbungen an unterschiedlichen Schulen in der Stadt haben sich die rund 4.600 Kandidatinnen und Kandidaten insgesamt etwa 57.200 Mal bei der Bildungsdirektion beworben.

Lehrermangel vorbei?

Seit Jahren begleitet der Lehrermangel das Land weit über Wien hinaus. Sprechen die Zahlen nun dafür, dass diese Entwicklung bald der Vergangenheit angehört?

„Es ist sehr standortspezifisch“, sagt der Wiener Lehrergewerkschafter Thomas Krebs. So gebe es in einigen Fällen mehr Bewerbungen als Stellen, aber dennoch Lehrermangel, besonders im Feld der Sonderpädagogik. Unterschiedliche Parameter, wie Fächerkombinationen, wachsende Schulstandorte und regionale Unterschiede spielen eine Rolle. Sprich: Ein Verteilungsproblem gibt es nach wie vor.

Dennoch zeichnet sich zunehmend ein Aufwärtstrend ab: „Die Anzahl an Bewerbungen zeigt, wie groß das Interesse der einzelnen Kandidaten an einer Anstellung als Lehrperson ist“, so die Bildungsdirektion zum KURIER. Auch Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) sah die aktuellen Zahlen als Beleg dafür, dass das Unterrichten „deutlich attraktiver“ geworden ist“, hieß es in einer Mitteilung vergangenen Mittwoch. Der Lehrermangel sei damit aber weiter nicht behoben, so der Minister.

Luft nach oben gibt es auch laut Gewerkschaft weiterhin: „Die Politik müsste mehr Maßnahmen setzen, um den Beruf wieder attraktiver zu gestalten und die Arbeitsbedingungen zu verbessern“, so Krebs. Erste Anreize, wie eine Öffi-Jahreskarte, seien bereits gesetzt. Um diese zu erhalten, müsse man allerdings 2,5 Dienstjahre vorweisen können.

Was gesucht wird

Auch in puncto Lehrermangel zeigt sich der Gewerkschafter zurückhaltend: „Wir sind in Wien noch weit entfernt vom Ziel.“ Es werde weiter händeringend nach klassenführenden Lehrkräften an den Volksschulen gesucht, so Krebs. Das Interesse, eine solche klassenführende Position zu übernehmen, sei aber „endenwollend.“ Zudem fehle es weiterhin speziell an Lehrkräften für Bewegung und Sport für Mädchen sowie Deutsch und Deutsch als Fremdsprache. Die Bildungsdirektion bestätigt diesen erhöhten Personalbedarf auf Nachfrage.

Erhöhte Notwendigkeit sieht Krebs zudem weiterhin im Bereich der Sonderpädagogik: „Das Manko ist, dass wir nach wie vor keine Ausbildung dafür haben, wobei gleichzeitig der Bedarf an Schulen steigt.“

Eine weitere Diskrepanz gebe es bei der Verfügbarkeit: „In Wien gibt es sehr viele Teilzeitkräfte.“ Schulen würden aber verzweifelt nach Vollzeitanstellungen suchen. „Das ist aber oft nicht möglich, da die Teilzeitlehrenden oft noch studieren oder aus anderen Berufen kommen.“

Kommentare