Wiener Derby im Gerichtssaal: 21 Anklagen nach Platzsturm

Nach den Ausschreitungen im Spiel Rapid gegen Austria (2:1) am 22. September 2024 stehen ab 16. März insgesamt 21 sogenannte Fußballfans wegen vieler Delikte vor Gericht.
20240922 SK Rapid v FK Austria WIen - Admiral Bundeslliga

Der Schlusspfiff im Wiener Derby am 22. September 2024 war sozusagen der Anpfiff für die Exekutive und die Justiz. Rapid hatte gerade im Allianz-Stadion einen für die grün-weiße Seele so wichtigen Sieg gegen die Wiener Austria eingefahren und konnte schließlich genauso wenig glücklich sein wie die Violetten. 

Denn an diesem Tag gab es letztlich – wieder einmal – einen großen gemeinsamen Verlierer: den Fußball. Was es noch immer nicht gibt: Dass die „Fans“ Lehren aus ihrem Verhalten ziehen. Fans waren nämlich seit diesem Spiel bei Auswärtsspielen im Derby nicht mehr zugelassen – bis 15. Februar dieses Jahres.

Die Unbelehrbaren

Und kurz vor Ende dieses Derbys, bei dem erstmals wieder gegnerische Fans zugelassen waren, kam es in der Generali-Arena erneut zu Übergriffen mittels Böller und Leuchtraketen. 

Die neuerlichen illegalen Aktionen brachten Rapid eine Geldstrafe in der Höhe von 100.000 Euro ein, der Austria knapp 50.000. Und die Rapid-Fans wurden drei Heimspiele ausgesperrt, für das Wiener Derby verzichtete Rapid auf Fans im Gästesektor der Wiener Austria.

Platzsturm mir Folgen

Aber zurück zum Wiener Derby vom 22. September 2024. Nach diesem Spiel eskalierten Teile der „Fans“ in überschießendem Ausmaß. Aus dem Austria-Sektor flogen Böller auf die Osttribüne, Böller flogen zurück. 

Es folgte ein Platzsturm, die Anhänger von Rapid und Austria prügelten auf dem grünen Rasen aufeinander ein, die Ordner brachten die Situation nicht mehr unter Kontrolle, die Polizei musste in voller Mannstärke eingreifen.

Ex-Fanbeauftragter dabei

An vorderster Front agierte an diesem Tag einer, der sonst als Fanbeauftragter des SK Rapid deeskalierend wirkte. Seinen Job bei der Rapid war er sofort los, am 16. März steht er vor Gericht. Aber nicht allein, es könnte fast ein ganzes Derby im Wiener Straflandesgericht gespielt werden. 

21 Personen wurden nach dem Platzsturm ausgeforscht und von der Staatsanwaltschaft angeklagt. Bei den Angeklagten haben die Fans der Austria allerdings die Nase vorn: 14 sind den Wiener Violetten zuzurechnen, vier stehen explizit als Rapid-Anhänger in der Anklage. Drei Personen werden von der Staatsanwaltschaft keinem der beiden Wiener Großvereine zugerechnet.

Aufeinandertreffen im Gericht

Dass die Fans beider Lager nun gemeinsam vor Gericht stehen, bereitet den Verantwortlichen im Landesgericht Wien durchaus Sorgen. Denn auf der Anklagebank gibt es keine Trennung in Rapid- und Austria-Sektoren. 

Deshalb wird schon jetzt über einen massiven Polizeieinsatz spekuliert, um zu verhindern, dass die verfeindeten Lager schon vor Prozessauftakt miteinander in Konflikt geraten.

21 Angeklagte wurden also ausgeforscht und treffen sich vor einem Schöffensenat, der in diesem Fall sozusagen den Schiedsrichter gibt. Beteiligt waren unzählige Personen mehr. 

Laut der Gerichtssprecherin wurde gegen 40 weiterhin unbekannte Personen aus dem Lager von Rapid ermittelt, ebenso gegen 30 Personen, die dem Lager der Wiener Austria zuzurechnen seien. Sie konnten allerdings in den eineinhalb Jahren seit dem Platzsturm nicht ausgeforscht und angeklagt werden.

Skandalderby zwischen Rapid und Austria Wien.

Skandalderby zwischen Rapid und Austria Wien

Match im Gerichtssaal

So sitzen 21 Personen stellvertretend für eine „Fan“-Szene, die niemand auf dem Fußballplatz haben will, vor Gericht. Die Vorwürfe sind teilweise schwer. 

Es geht um das Vergehen der schweren gemeinschaftlichen Gewalt bis hin zu schwerer Körperverletzung. Der ehemalige Fanbeauftragte von Rapid soll etwa „an vorderster Front mit der Fahnenstange auf einen auf dem Boden liegenden FK Austria-Anhänger eingeschlagen“ haben.

Dem Austria-Block wird wiederum vorgeworfen, „ein Tor gewaltsam geöffnet und sich mit Mistkübeln und Fahnenstangen bewaffnet“ an den gewalttätigen Ausschreitungen beteiligt zu haben.

Laut der Anklage sind aber vor allem Polizistinnen und Polizisten zum Handkuss gekommen. So hat etwa ein Polizist einen Bruch des linken Kieferhöhlenbodens, der linken Augenhöhle, des Jochbeins und einen Nasenbeinbruch erlitten, als er von einem der „Fans“ beim Versuch, die Ausschreitungen zu beenden, mit Fäusten attackiert wurde.

Massive Gewalt

Auch die weiteren Verletzungen zeugen von der massiven Gewalt, mit der die zum Teil vermummten Personen aus beiden Lagern vorgegangen sind – und mit der Staatsgewalt offenbar einen gemeinsamen Gegner gefunden hat: Laut Anklage habe ein Polizist einen vorübergehenden Hörverlust und einen Tinnitus erlitten, dazu werden Verbrennungen durch Böller und Pyrotechnik aufgelistet. Einem Polizisten wurde die Zahnspange aus dem Mund gerissen, dabei sind Zähne abgesplittert.

Geschildert werden darüber hinaus Angriffe eines Austrianers auf einen unbekannten Rapidler „in Kung Fu Manier“, oder wie „Fans“ außer Rand und Band einen anderen festhalten, damit auf diesen ungehindert eingeschlagen werden könne.

Die Angeklagten – allesamt Männer – sind zwischen 20 und 63 Jahre alt. Ihnen droht eine Haftstrafe von zwei bis zu drei Jahren.

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