Nach tödlicher Attacke auf Hunde in Wien: Frauerl lebt in Angst

Bella (l.) und Snoopy
Bei einem Spaziergang griff ein Labrador die zwei Hunde von Ortrun G. an. „Snoopy“ überlebte den Angriff nicht, sie selbst erlitt ein Trauma und verlor fast einen Finger.

Den Weg, der von der Quellenstraße in den nahe gelegenen Park führt, kann Ortrun G. heute nicht mehr gehen. Seit 10. November meidet die 56-Jährige die Route, an der sie damals mit ihren zwei Hunden, dem weißen Malteser-Mischling Snoopy und Bella, einem Chihuaha-Spitz, unterwegs war. 

Zu schmerzhaft sind die Erinnerungen: „Ich sah damals eine Frau mit zwei großen Hunden, einer war an der Leine, der andere nicht. Eine Sekunde später war der nicht angeleinte Labrador da und riss Snoopy wie ein Wild“, sagt Ortrun G.

Anschließend habe er sich auch Bella geschnappt, diese habe sie aber noch aus dem Maul des Hundes retten können. Beide Hundebesitzerinnen griffen ein und wurden verletzt. Ortrun G. wurde ins Krankenhaus gebracht, Snoopy kam auf die Intensivstation auf der Vetmed-Klinik. Acht Tage später war der Malteser-Mischling tot. Bella hatte drei Bisse, überlebte aber.

„Wir vermissen ihn“

„Snoopy war ein so gutherziger, fröhlicher, kleiner Kerl. Wir vermissen ihn ganz furchtbar und es frisst uns auf, daran zu denken, was er erleiden musste“, klagt die 56-Jährige. Sie selbst erlitt mehrere Bissverletzungen und hätte durch die Attacke fast einen Finger verloren. „Ich muss mich seitdem einer Traumatherapie mit medikamentöser Behandlung unterziehen. Zwei Monate lang habe ich jede Nacht von der Beißattacke geträumt“, erzählt sie.

Ortrun G. erlitt Bissverletzungen an beiden Händen.

Snoopy wurde in der Vetmed-Klinik in Oberlaa behandelt. 

Entschuldigt habe sich die andere Hundebesitzerin, Frau P., bei Ortrun G. nie. Vielmehr erstattete die Hundebesitzerin Anzeige gegen die Steirerin, wegen Körperverletzung. Nachdem sie davon erfahren hatte, erstattete Frau G. ebenso Strafanzeige. Sie sagte aus, dass der Hund von Frau P. nicht angeleint war. Ein Zeuge meldete sich später bei Frau G. und bestätigte diese Aussage.

"Das ist schon auffällig"

Zwei Monate nach ihrer Einvernahme ergänzte Frau P. bei der Polizei, dass ihr Labrador am 10. November sehr wohl angeleint gewesen sei und sie zudem einen Alkoholgeruch bei Ortrun G. wahrgenommen habe. Die 56-Jährige bestreitet dies. „Es ist hierbei auffallend, dass sich Frau P. zufällig zwei Monate später an das erinnert“, sagt Petra Laback, Rechtsanwältin von G.

Verfahren eingestellt

Die Staatsanwaltschaft entschied schließlich, das Verfahren einzustellen, da „ein Verschulden mit der für das Strafverfahren erforderlichen Sicherheit nicht nachgewiesen werden kann“. Auf Nachfrage bei der Behörde hieß es, es könnte nicht festgestellt werden, welcher Hund welche Person gebissen habe. „Wir werden den Antrag auf Begründung und weiters den Antrag auf Fortführung des Verfahrens stellen sowie die zivilrechtliche Klage erheben“, reagierte Anwältin Laback.

Ortrun G. erlitt Bissverletzungen an beiden Händen.

Ortrun G. erlitt Bissverletzungen an beiden Händen. 

Für Ortrun G. stellt besonders die Unsicherheit nun eine Herausforderung dar. „Wir wissen nicht, was Frau P. für Auflagen bekommen hat. Wurde kontrolliert, ob sie Hunde halten kann?“ Auf Anfrage bei der Veterinärabteilung der Stadt (MA 60) hieß es, man kenne den Fall, es lägen aber keine weiteren Informationen vor, die Polizei sei zuständig.

Die 56-Jährige nutzt nun oft ihr Auto, um zum Gassigehen mit Bella wegzufahren. „Aber meine Lebensgefährtin hat kein Auto. Sie hat jetzt jeden Tag Angst beim Gassigehen.“

Kommentare