Alte WU: Sanierung statt Abriss könnte 700 Mio. Euro sparen

Alte Wirtschaftsuniversität
Die Alte WU soll zum Unigroßcampus werden. Laut Architektur-Initiative könnte ein Umbau statt einer Milliarde Euro nur 300 Mio. kosten.

Die Papageien sind bereits aus der alten Wirtschaftsuniversität (WU) am Alsergrund ausgezogen. Die geretteten Tiere mussten nach Simmering umgesiedelt werden, da das Areal bis 2032 zum größten Unicampus Österreichs umgebaut werden soll.

Raus müssen bis nächste Woche auch die Zwischennutzungsprojekte vom „Kulturzentrum Althangrund“. Gemeinsam mit den Initiativen „Allianz Alte WU“ und den „Architects for Future“ setzt man sich für einen nachhaltigen Umbau und Erhalt des Gebäudekomplexes ein.

Befürchtet wird nach dem Auszug jedoch ein Abriss, „um Fakten zu schaffen“ noch vor Abschluss des Architekturwettbewerbs. Unsicher sei auch die Finanzierung von einer Milliarde Euro „in der aktuellen politischen Situation der leeren Kassen“.

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Die Wirtschaftsuniversität Wien (WU) eröffnete 1982 und soll zum größten Unicampus Österreichs werden.

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Für die Sanierung und den Umbau: Architekt Johannes Zeininger (Allianz Alte WU), Mena Huber (Kulturzentrum Althangrund), Bettina Doser (Architects for Future) und Sprecher Gunnar Grandl.

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Laut Ausschreibung müssen 40 Prozent der Bausubstanz erhalten bleiben. Initiativen fordern mehr.

Für das Projekt verantwortlich sind die Stadt, der Bezirk, die ÖBB, die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) und die involvierten Hochschulen. Entstehen sollen auf 80.000 Quadratmetern zwei Universitäten sowie zwei Bundesschulen mit Platz für rund 20.000 Menschen.

Erhalt im Untergrund, Abriss an der Oberfläche?

Laut EU-weitem Wettbewerb müssen 40 Prozent der Bausubstanz erhalten bleiben. Das ist vor allem das unterirdische Tragwerk und für die Initiativen nicht genug.

Alles Andere, alles Überirdische drohe abgerissen zu werden: „Wir kämpfen dafür, dass der neue Campus ein Pionierprojekt der Bauwende wird. Damit ist nicht gemeint, den Bestand wie ein Denkmal zu behandeln“, erklärt Sprecherin Bettina Doser.

Es braucht nicht über eine Milliarde Euro, 300 Millionen würden für den Bauabschnitt ausreichen.

von Johannes Zeininger

Architekt/Allianz Alte WU

Die Fläche müsse adaptiert und intelligent weiterentwickelt werden. Dafür brauche es ein Raumprogramm, das zu den bestehenden Gebäuden passt – und nicht umgekehrt, wie es aktuell der Fall sei.

Dazu zähle das Vorhaben, schwingungsfreie Laborräume über einem Bahnhof bauen zu wollen. Denn: Die alte WU steht auf einer Überplattung des Franz-Josefs-Bahnhofs.

Günstiger und weniger CO2

Eingespart werden könnten so nicht nur Tausende Tonnen CO2, sondern auch viel Geld. „Es braucht nicht über eine Milliarde Euro, 300 Millionen würden für den Bauabschnitt ausreichen“, sagt Architekt Johannes Zeininger, der auch am Umbau des Alten AKH zum Unicampus beteiligt war.

Die BIG erklärt auf Anfrage, dass keinesfalls schon Abbrucharbeiten stattfänden, sondern lediglich mit der sehr aufwendige Schadstoffsanierung (z. B. Asbest-Entsorgung) begonnen werde, die bis Anfang/Mitte 2027 dauern soll.

Der Wettbewerb wird entscheiden, welche Teile abgebrochen und welche erhalten werden können. Bevor der nicht entschieden ist, kann und wird nicht mit einem Abbruch begonnen.

von Bundesimmobiliengesellschaft

zum Projekt Campus Althangrund

Das Siegerprojekt für den Bau soll Ende 2026 feststehen, Genehmigungen und Baustart stehen frühestens 2028 an: „Der Wettbewerb wird entscheiden, welche Teile abgebrochen und welche erhalten werden können. Bevor der nicht entschieden ist, kann und wird nicht mit einem Abbruch begonnen.“

Es sei niemandem ein Anliegen, die Gebäude abzureißen. Analysen hätten aber ergeben, dass der Bestand den Anforderungen eines modernen Bildungsstandorts (Erdbebensicherheit, niedrige Raumhöhe, mangelnde natürliche Belichtung, störende Vibrationen) nicht genüge.

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