Altbauten in Wien kontrolliert: Fast 2.000 Mängel
7.256 Haustüren in 13 Bezirken hat die Gruppe Sofortmaßnahmen in den vergangenen drei Jahren geöffnet. Dahinter verbargen sich Altbau-Wohnhäuser, die im Rahmen von 68 Schwerpunktaktionen in Zusammenarbeit mit der Baupolizei (MA 37) und dem Stadtservice kontrolliert wurden. Nun sollen diese Kontrollen auf zwei weitere Bezirke ausgeweitet werden – auf Penzing und Währing.
„Besitzer von Zinshäusern haben Verpflichtungen, die meisten halten sich auch daran“, sagt Wohnbaustadträtin Elke Hanel-Torsch (SPÖ). Es gebe aber auch Häuser, die in nicht so gutem Zustand seien. Das habe sich unter anderem bei den von der Stadt durchgeführten Kontrollen gezeigt. Dabei seien bisher insgesamt 1.940 Mängel beanstandet worden – in einigen Häusern gleich mehrere.
Wohnbaustadträtin Elke Hanel-Torsch (SPÖ) hat die Gruppe Sofortmaßnahmen bei einer ihrer Kontrollen begleitet.
Der Großteil, nämlich 56 Prozent der Beanstandungen, war feuerpolizeilicher Natur. Etwa fehlende Brandschutzmaßnahmen. Danach folgten bauliche Unzulänglichkeiten. 39 Prozent der Mängel entfielen darauf. Dazu zählen zum Beispiel desolate Stiegenhäuser oder -geländer. Den kleinsten Teil stellten sanitäre Beanstandungen dar.
Haus für Haus
Meist habe es sich um vergleichsweise kleine Vergehen gehandelt, sagt Walter Hillerer, der Leiter der Gruppe Sofortmaßnahmen. Etwa um Mobiliar oder Sperrmüll, das im Gang abgestellt wurde. Oft könne man hier zu einer Lösung kommen, indem man die Besitzer bitte, die Gegenstände wegzuräumen, so Hillerer.
Überprüft werden die Häuser stichprobenartig, aber auch nach Einlangen von Hinweisen, heißt es vonseiten der Gruppe Sofortmaßnahmen. „Die Teams gehen in den Grätzln Haus für Haus vor“, sagt Hillerer. „Auffälligkeiten werden dokumentiert und an die zuständigen Stellen zur weiteren Bearbeitung übermittelt.“ Nur in absoluten Notfällen werde sofort gehandelt.
Ab sofort soll dieses Vorgehen auch in den Bezirken Währing und in Penzing umgesetzt werden. Michaela Schüchner, die Bezirksvorsteherin von Penzing, zeigt sich darüber erfreut: „Vor allem in Breitensee gibt es noch sehr viele Altbauten. Bei deren Schutz geht es nicht nur um die Optik und das Stadtbild sondern auch um den Schutz der bereits vorhandenen Ressourcen.“
„Gebäude-Pickerl“
Die Verpflichtung zur Instandsetzung von Altbauten wurde erst 2023 mit der Bauordnungsnovelle verschärft. Seit Inkrafttreten der neuen Regeln sei keine einzige neu beantragte „wirtschaftliche Abbruchreife“ mehr erteilt worden, sagt Bernhard Gutternigh, der interimistische Leiter der MA 37 (Baupolizei). Sprich: Kein Haus wurde abgebrochen, weil sich eine Instandsetzung finanziell nicht rechne. Das heißt aber nicht, dass seit 2023 kein einziger Altbau abgerissen wurde, erklärt Gutternigh. Für den Abbruch mancher Häuser brauche es keine Bewilligung. Dabei handle es sich um Gebäude die laut MA 19 (Architektur und Stadtgestaltung) für das Stadtbild nicht relevant genug sind, um sie zu erhalten. Die Baupolizei wird in diesen Fällen lediglich informiert, erteilt allerdings keine Bewilligung für den Abbruch und erfasst die Häuser deshalb auch nicht statistisch, sagt Gutternigh. In Zukunft werde man aber auch das erfassen müssen, da das Bewusstsein der Wiener in Bezug auf den Schutz der Altbauten steige.
In Umsetzung ist derzeit auch eine weitere Maßnahme der Bauordnungsnovelle: Hausbesitzer müssen ein elektronisches Bauwerksbuch, auch „Gebäude-Pickerl“ genannt, anlegen. Instandsetzungsmaßnahmen sollen darin dokumentiert werden. Bis Ende 2030 sollen alle Häuser, die vor 1945 errichtet wurden, ein „Gebäude-Pickerl“ haben.
Kommentare