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Chronik Wien
12/05/2020

Aida: Eine Wiener Institution kämpft ums Überleben

Die Konditoreikette droht, die Hälfte ihrer Filialen zu schließen und 30 Prozent der Mitarbeiter zu entlassen

von Anna-Maria Bauer

Für die einen ist es die Cremeschnitte, für die anderen das Maroniherz. Jedenfalls haben wohl die meisten Wienerinnen und Wiener eine Süßspeise, die sie mit der Aida verbinden. Und selbst jene, die nicht zu den Gästen der Konditoreikette zählen, erkennen wohl die rosaroten Geschäftsfronten. Die Hälfte davon könnten nun aus dem Stadtbild verschwinden.

Wenn es zu keiner Unterstützung seitens der Bundesregierung kommt, müssen 30 Prozent der Mitarbeiter entlassen und die Hälfte der Filialen geschlossen werden, ließ Geschäftsführer Dominik Prousek nun wissen.

Alle Mitarbeiter in Kurzarbeit

Prousek leitet das Familienunternehmen in vierter Generation, führt aktuell 33 Filialen mit 300 Mitarbeitern. „Im März haben wir alle Mitarbeiter in Kurzarbeit überführt, wir haben niemanden gekündigt. Ohne Hilfe wird es nun dazu kommen.“

Ein Schritt, den er furchtbar finde: Viele Mitarbeiter seien seit ihrer Lehrzeit im Unternehmen, viele kenne Prousek seit seiner Kindheit.

Doch die Folgen der Corona-Pandemie ließen ihm keine andere Wahl. In den jüngsten Monaten gab es 75 Prozent Umsatzrückgang, nur mehr zwölf Filialen sind aktuell offen.

Sein letzter Versuch: Prousek bittet nun Tourismusministerin Elisabeth Köstinger und Finanzminister Gernot Blümel (beide ÖVP) um Hilfe.

Kritik an Deckelung

Konkret leide das Unternehmen unter der – von der EU vorgegebenen – Deckelung der derzeitigen Unterstützungszahlungen in der Höhe von 800.000 Euro.

„Wir haben vergangenen November 1,5 Millionen und Dezember 2,5 Millionen Euro erwirtschaftet“, sagt Stefan Ratzenberger, Sprecher der Kaffeehauskette. „80 Prozent vom November und 50 Prozent vom Dezember (so viel wird in der Förderung ausbezahlt, Anm.) wären bei uns knapp 2,5 Millionen Euro. Davon erhalten wir lediglich ein Drittel.“

Er ergänzt: „Nur weil wir eine transparente Struktur gewählt haben, eine einzige Firma sind, nicht verschachtelt in Sub- oder Tochtergesellschaften, wird uns das nun zum Verhängnis.“ Denn: Für jedes Unternehmen kann eine Umsatzersatzzahlung beantragt werden. Somit könnten Unternehmende mit mehreren Firmen mehr Geld kassieren, als jene, die nur über eine verfügen. „Wie es bei der Aida und auch bei anderen familiengeführten Traditionsunternehmen der Fall ist“, sagt Ratzenberger.

Bund verweist auf die EU und Zuschüsse

Wie reagieren Tourismus- und Finanzministerium auf den Hilferuf? Zum einen sei die Deckelung ja nun eben EU-Sache; der Bund könne also nicht anders, heißt es.

Zum anderen verweist man auf den Fixkostenzuschuss II. Ab einem Umsatzrückgang von 30 Prozent können Unternehmen diesen beantragen und bekommen dann Fixkosten (Miete, Strom, Versicherungszahlungen, etc.) rückerstattet. Der Zuschuss soll noch im Dezember – auch rückwirkend – beantragt werden können.

„Den Zuschuss werden wir uns sicher anschauen“, erwidert Ratzenberger. „Er kann aber nicht ersetzen, dass wir 1,6 Millionen Euro verlieren.“ Dabei seien die Einnahmen aus der Vorweihnachtszeit essenziell, um über die ersten Monate im nächsten Jahr zu kommen. Der Appell bleibe also: „Wir hoffen, dass für familiengeführte Traditionsunternehmen eine Lösung gefunden wird“, sagt Ratzenberger. „So wie die Regierung auch für die AUA eine Lösung gefunden hat.“

Damals

Rosa und Josef Prousek haben 1913 im 9. Bezirk die Konditorei Aïda gegründet und erweiterten bis zum Zweiten Weltkrieg auf elf Geschäfte. 1976 übersiedelte die Produktion in den 21. Bezirk. Bis 2001 wuchs das Filialnetz auf 26 Standorte.

Heute

Dominik Prousek führt das Unternehmen mit aktuell mehr als 30 Filialen in vierter Generation. Mit CBD-Brownies,  Pullis mit „Oida“- oder Shirts mit „Zuckergoscherl“-Schriftzug  sorgte das Unternehmen  immer wieder für mediale Aufmerksamkeit. Vergangenes Jahr wurde im Keller einer Filiale in der Inneren Stadt ein handschriftliches Cremeschnitten-Rezept aus dem Jahr 1943 gefunden.

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