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Chronik Wien
02/20/2019

Abbiegeassistent: EU könnte vorpreschen, technische Probleme sind aber groß

Der Probebetrieb der MA48 mit Assistenzsystemen zeigt viele Mängel. Die EU entscheidet jetzt, ob sie früher Pflicht werden.

von Birgit Seiser

Weitere Opfer von Unfällen mit Lkw würden ab sofort  auf das Konto von Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) gehen. Das sagte der Initiator der Petition für verpflichtende Abbiegeassistenten, Helge Fahrnberger,  nach dem Sicherheitsgipfel am Dienstag. Denn  die Pflicht die Pflicht zur Auf- oder Nachrüstung der Lkw kommt vorerst nicht. Experten, Lkw-Fahrer und auch Mitarbeiter der Wiener MA48 berichteten dem Minister beim Gipfel  von großen Problemen mit der derzeit vorhandenen Technik. 

Die Kameras und Sensoren würden beispielsweise Hydranten nicht von Fußgängern oder Radfahrern unterscheiden können und jedes Mal Alarm schlagen. Die Wiener Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) war sich in diesem Punkt ausnahmsweise mit Minister Hofer einig. „Es wäre unverantwortlich, jetzt schon viel Geld auszugeben, bevor das beste System gefunden ist“, sagt sie.

Fünf Systeme im Test

Schätzungsweise würde die Aufrüstung der Lkw pro Fahrzeug rund 3.000 Euro kosten. Die MA48 testet derzeit fünf verschiedene Varianten, die aber alle noch nicht ausgereift sind. „Wir sind im ständigen Dialog mit den Herstellern, um nachzubessern. Wie lange es  noch dauern wird, bis wir eine Lösung gefunden haben, kann ich aber  nicht sagen“, erklärt Sima. Auch Unfallforscher Ernst Pfleger, betonte im KURIER, dass man zuerst genau überlegen müsse, welche generelle Lösung kommen soll: „Der Sachverhalt muss gelöst werden und Nachrüsten ist wichtig. Man muss aber die Blickfeldforschung miteinbeziehen. Wenn es Kameras geben soll, ist die Frage auch, wo dann das Display im Lkw platziert ist“, sagt Experte Pfleger

EU entscheidet

Neben den technischen Mängeln, gibt es noch ein weiters Problem, was die Pflicht zu Abbiegeassistenten betrifft: Die EU hat bisher noch keine einheitliche Richtlinie.  Würde man in Österreich jetzt Systeme vorschreiben, könnte es sein, dass diese wegen einer EU-weiten Regelung in ein paar Jahren nachgerüstet werden müssen. EU-Parlamentarier Othmar Karas (ÖVP) sagte im KURIER dazu: „Eine Lösung auf EU-Ebene macht Sinn, weil Lkw ja grenzüberschreitend unterwegs sind und es da eine einheitliche Lösung braucht. Das Parlament fordert von den Mitgliedstaaten, dass sie beim Datum der Einführung einlenken.“

Ursprünglich sollte es  noch bis  2024 dauern, bis das Gesetz verankert wird. Das Europäische Parlament will aber am Donnerstag  abstimmen, ob es schon ab 2021 verpflichtende Lkw-Assistenzsysteme geben soll. Karas erwartet, dass die Parlamentarier – so wie er selbst – dafür stimmen werden. Sollte dem so sein, würde das Gesetz in die Begutachtung gehen und schließlich würden auch die verbindlichen technischen Details fixiert werden. Dann könnte auch in Österreich schon 2021 mit der Auf- und Nachrüstung begonnen werden. Der Verkehrsminister versprach dafür Förderungen in Millionenhöhe.

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