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Tödlicher Unfall: Wenige Meter entscheiden über das Urteil

Ein 26-Jähriger kam auf der Nordbrücke ums Leben. Der Angeklagte bestreitet die fahrlässige Tötung. Der Prozess wurde vertagt.
Leerer Gerichtssaal.

Im zweiten Stock des Bezirksgerichts Floridsdorf sitzen sich am Donnerstag zwei Gruppen schweigend gegenüber. Auf der einen Seite die Angehörigen des 26-jährigen Mannes, der vergangenes Jahr auf der A22 ums Leben kam. Auf der anderen der 47-Jährige, der wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht steht. 

Um 11.30 Uhr öffnet sich Saal F – und schnell wird klar: Im Prozess geht es um wenige Meter.

Jene wenigen Meter entscheiden darüber, wie sich der Unfall in der Nacht des 1. Februar 2025 tatsächlich ereignet hat. 

Halt auf der Nordbrücke

Der 26-Jährige hatte seinen Seat nach dem Aufleuchten einer Warnmeldung auf der Nordbrücke angehalten und war ausgestiegen. Kurz darauf wurde er von einem nachkommenden Mercedes erfasst und tödlich verletzt. Sein Beifahrer sowie der Fahrer des zweiten Autos überlebten.

Kein Schuldbekenntnis 

Der 47-Jährige bekennt sich nicht schuldig. Seine Verteidigerin betont, ihr Mandant denke „keinen Tag“ nicht an den Unfall. 

Das abgestellte Fahrzeug sei unbeleuchtet gewesen, das Opfer habe keine Warnweste getragen. Er selbst sagt aus, er habe erst „wenige Sekunden“ vor dem Aufprall bemerkt, dass sich eine Person auf der Fahrbahn befand. Zum Bremsen sei keine Zeit mehr geblieben. 

Wo stand das abgestellte Fahrzeug?

Genau diese Darstellung ist Gegenstand der Verhandlung. Entscheidend ist, wo der Seat des 26-Jährigen zum Zeitpunkt des Unfalls tatsächlich stand. Hatte der Wagen vollständig auf dem schmalen Pannenstreifen angehalten oder ragte er noch auf die rechte Fahrspur?

Immer wieder versammeln sich Richter, Staatsanwalt, Verteidigung und Sachverständiger um das Zeugenpult, um anhand von Fotos den Unfallvorgang besser zu verstehen. Markierungen auf der Fahrbahn, Abstände sowie die Position der beiden Fahrzeuge sind dabei entscheidend.

 „Hat jemand ein Matchbox-Auto? Das kann doch nicht so schwer sein“, ruft der Verteidiger verzweifelt nach weiteren Diskussionen. 

Unter dem Auto

Licht ins Dunkel bringen soll der 56-jährige Beifahrer des Opfers. Mithilfe einer Dolmetscherin schildert er, dass der 26-Jährige vor dem Verlassen des Fahrzeugs die Handbremse zog, den Motor allerdings laufen lies

„Nur ein paar Sekunden später“ habe es gekracht, sagt der Zeuge. Als er selbst ausstieg, habe er den 26-Jährigen unter dem Mercedes liegen sehen. 

Verhandlung vertagt

Auch der nächste Zeuge soll Aufschluss darüber geben, wo die Fahrzeuge unmittelbar vor der Kollision standen. Doch dazu kommt es vorerst nicht. Der Mann aus dem Iran hatte keinen Dolmetscher beantragt, seine Deutschkenntnisse reichen aus Sicht des Gerichts  nicht aus.

Der Richter vertagt die Verhandlung auf den 10. September. „Die Fragen sind zu heikel, um sie unzureichend zu beantworten“, begründet er die Entscheidung.

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