50 Katzen wurden aus einer 50-Quadratmeter-Wohnung gerettet

50 Katzen wurden aus einer 50-Quadratmeter-Wohnung gerettet
Die Tiere vermehrten sich binnen zwei Jahren. Der Pensionist nächtigte aus Liebe zu den Tieren auf dem Balkon.

VonPetra StacherAls Tierretter vergangene Woche  in Favoriten  die 50-Quadratmeter-Wohnung des Rentners betraten, waren viele Augen auf sie gerichtet. Genauer gesagt: insgesamt 100. Denn oben auf einem Kasten, hinter dem Vorhang, unter einer Decke und in der Ecke versteckten sich insgesamt 50 Katzen. Das berichtete die Tierschutzorganisation Gut Aiderbichl am Montag.

 Begonnen hatte dieser Fall von „Animal Hoarding“ (die Sucht, Tiere zu horten, Anm.)  mit lediglich vier Katzen. Weil sie jedoch nicht  
sterilisiert beziehungsweise kastriert wurden, vermehrten sie sich rasch. Innerhalb von nur zwei Jahren verlor der alleinstehende Rentner den Überblick über seine Schmusekatzen. Unkontrolliert pflanzten sie sich fort – bis aus vier dann 50 wurden.

Zugang ins Freie hatten die Tiere keinen. Den ganzen Tag verbrachten sie mit dem Mann in der Wohnung, der  versuchte, sie zu füttern und zu versorgen. Die Geruchsbelästigung nahm er aufgrund einer krankheitsbedingten Einschränkung nicht wahr.  Vielmehr nächtigte er aus Liebe zu seinen Tieren im Sommer sogar auf dem Balkon, um für sie mehr Platz in der Wohnung zu lassen. Für den Winter hatte er sich ein provisorisches Bett auf seiner Badewanne gebaut.  „Es war falsche Tierliebe“, sagte Dieter Ehrengruber vom Gut Aiderbichl.

50 Katzen wurden aus einer 50-Quadratmeter-Wohnung gerettet

Scheu und krank

Das wurde offenbar auch dem Besitzer bewusst. Er selbst habe schließlich zum Hörer gegriffen und die Volkshilfe um Unterstützung gebeten. Gemeinsam mit dem Gut Aiderbichl ging dann vergangene Woche die Rettungsaktion erfolgreich über die Bühne. Bereits zuvor wurden die Katzen mithilfe der Volkshilfe kastriert und sterilisiert.

„Die Tiere waren total scheu, haben gebissen, es war nicht leicht, sie aus der Wohnung zu bekommen“, erklärte Ehrengruber.  Nun werden sie im Gut Aiderbichl in  Maria Schmolln in Oberösterreich umsorgt. Einige der Katzen seien sehr mager und hilfsbedürftig, hätten offene Wunden und seien mit Giardien  infiziert, was bei den Tieren zu starkem Durchfall führe. Zudem benötigen alle Impfungen. Es sei nach derlei Aktionen immer viel zu tun, heißt es vom Gut Aiderbichl. Umso mehr appellierte Ehrengruber erneut an die Bevölkerung, Katzen kastrieren und sterilisieren zu lassen, um solche „schrecklichen Zustände für die Tiere zu vermeiden“.

Übrigens: Der Mann durfte drei seiner Katzen behalten. Dies sei in solchen Fällen üblich, um dem Besitzern nicht völlig den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Fortpflanzen können sich die Katzen jetzt aber nicht mehr.

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