Frau auf Friedhof getötet: Was über die Verdächtige (14) bekannt ist

Mädchen war in WG für Kinder und Jugendliche mit einer psychiatrischen Diagnose untergebracht. Ihr späteres Opfer kannte die 14-Jährige nicht.
Der Tatort am Friedhof Baumgarten in Penzing

Die 14-Jährige, die im Fall der am Montagnachmittag am Friedhof Baumgarten getötet aufgefundenen Frau noch am selben Abend festgenommen wurde, war in einer sozialpsychiatrischen Wohngemeinschaft untergebracht. 

Das bestätigt Ingrid Pöschmann, Sprecherin der MA11 (Kinder- und Jugendhilfe) auf KURIER-Nachfrage. Es handelt sich um eine WG mit nur vier Wohnplätzen für Kinder und Jugendliche mit einer psychiatrischen Diagnose. "Um diese Kinder zu betreuen, braucht es ein engmaschiges Betreuungsteam", sagt Pöschmann. "Es sind immer vier Kollegen und Kolleginnen im Dienst, darüber hinaus gibt es eine sehr enge Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie und dem psychosozialen Dienst." 

Die Teenagerin gestand inzwischen die Tat. Zum Motiv steht jedoch weiter nichts fest. Die Verdächtige und das Opfer sollen sich zuvor nicht gekannt haben. Die Jugendliche befand sich am Dienstagvormittag noch weiter in Polizeigewahrsam.

Mutter war mit psychischer Erkrankung ihrer Tochter überfordert 

Das Mädchen war in ihrer Wohngemeinschaft seit November 2025 untergebracht - mit Einwilligung der Mutter, die aufgrund der psychischen Erkrankung ihrer Tochter schwer überfordert war. "Sie hat sofort eingewilligt, als ihr die Unterbringung vorgeschlagen wurde. Es gab davor auch schon eine mehrjährige ambulante Betreuung, wo versucht wurde, die Familie zu stabilisieren. Aber wir haben gesehen, dass das nicht ausreicht, und es ein stationäres Wohnen braucht." 

Bisher "ausschließlich selbstgefährdendes Verhalten" 

Damit übernahm die Kinder- und Jugendhilfe die Obsorge für die 14-Jährige. Diese habe, das betont Pöschmann, bisher ausschließlich selbstgefährdendes Verhalten gezeigt - und kein strafrechtlich relevantes. "Das ist wichtig. Wenn Kinder und Jugendliche oder Erwachsene psychiatrisch krank sind und ein selbstgefährdendes Verhalten zeigen, ist die Unterbringung in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie im Rahmen des Unterbringungsgesetzes möglich. Das heißt, sie wird dort angehalten. Und das ist bei dem Mädchen immer wieder passiert, wenn sie diese Phasen hatte." 

Die Polizei riegelte den Friedhof nach der Bluttat ab

Die Polizei riegelte den Friedhof nach der Bluttat ab

Sie sei nach den Klinikaufenthalten immer wieder zurück in die WG gekommen, sobald sie stabilisiert war. Denn gerade dann sei möglichst viel Normalität wichtig, damit die Betroffene wieder Fuß fassen könne. 

"Können nicht in Menschen hineinschauen"

"Der Punkt ist aber, dass wir nicht in Menschen hineinschauen können und dadurch eine Gefährdung nicht vorhersehen und verhindern können - und das ist hier leider eingetroffen. Das macht natürlich sehr betroffen in der Abteilung."  Zudem seien die betreuten Kinder und Jugendlichen auch nicht "eingesperrt", sondern könnten sich frei bewegen. "Sie war auch angebunden an der Tagesklinik, wo sie regelmäßig hingegangen ist, dort wurde sie von Psychiatern, psychiatrischem Krankenpflegepersonal und Therapeutinnen gesehen", erzählt Pöschmann.  "Aber wenn dieses Verhalten nicht nach vorne tritt und sichtbar wird, gibt es auch keinen Grund zu sagen "Jetzt bringen wir dich unter"." 

Eine Unterbringung in dem ab diesem Frühjahr für Wien geplanten Pilotprojekt der geschlossenen WG für jugendliche Intensivtäter unter 14 Jahren hätte den tragischen Ausgang dieses Falles auch nicht verhindern können. "Das ist ganz etwas anderes", sagt Pöschmann. Das Mädchen sei psychiatrisch erkrankt - aber nicht straffällig gewesen. 

Psychologischer Dienst in WG

Die WG, in der das Mädchen bis Montag gelebt hat, wird nun kriseninterventorisch betreut. "Wir haben in die WG unseren psychologischen Dienst geschickt, damit die Kinder und die Teammitglieder gut psychologisch betreut werden. Das macht ja mit allen etwas." Derzeit sind in Wien 36 Kinder und Jugendliche in sozialpsychiatrischen WGs untergebracht.