Chronik | Welt
22.11.2017

Doppelmord: Erstes Geständnis

Lkw-Fahrer gibt bei Prozess in Deutschland Sexualmord an Joggerin zu. Er soll auch Lucile K. in Kufstein getötet haben.

Fast vier Jahre nach dem gewaltsamen Tod der französischen Studentin Lucile K. in Kufstein, stand ihr mutmaßlicher Mörder am Mittwoch erstmals vor Gericht. Catalin C. legte zum Beginn des Prozesses ein Geständnis ab. Doch das bezieht sich nur auf jenes grausame Verbrechen, dass der rumänische Lkw-Fahrer im deutschen Endingen bei Freiburg im November 2016 begangen hat.

Von seinem Anwalt ließ der schmächtige 40-jährige, der in einem blauen Pullover vor dem Landgericht Freiburg erschien, eine Erklärung verlesen. Er habe "mit einer Schnapsflasche zugeschlagen", erklärte der Anwalt im Namen seines Mandanten. Er wisse, es sei "unverzeihbar, was ich getan habe". Der Angeklagte war nach eigenen Angaben "depressiv" und habe getrunken. Er verneinte sexuelle Motive. Er sei "fassungslos" über die Tat und habe keine Erklärung dafür.

Dem Rumänen werden Mord und besonders schwere Vergewaltigung zur Last gelegt, wie Oberstaatsanwalt Tomas Orschitt sagte. Der Mann soll Anfang November vergangenen Jahres Carolin G. in einem Waldstück in den Weinbergen von Endin-gen vergewaltigt und getötet haben. Die 27-Jährige war alleine joggen, als sie attackiert wurde.

Kriminal-Puzzle

Dass die Ermittlungen zu dem Rumänen führten, ist dem Zusammenspiel der Kriminalisten in Tirol und in Baden-Württemberg zu verdanken: Nachdem Tod von Lucile K. – auch sie wurde missbraucht und erschlagen – gelingt es der Polizei, die Tatwaffe im Inn zu finden. An der Eisenstange, die für Lkw verwendet wird, findet sich fragmentarische DNA.

Das Genmaterial reicht, um später eine Übereinstimmung mit Spuren an der Leiche von Carolin G. zu ermöglichen. Der Anfangsverdacht, dass es sich beim Mörder um einen Lkw-Fahrer handelt, der das Sonntagsfahrverbot für seine Taten nützte, verdichteten sich.

Die österreichischen Ermittler übermitteln ihren Kollegen Lkw-Mautdaten aus Kufstein vom Tatwochenende. Den Deutschen gelingt es, die Eisenstange aus dem Mord an Lucile K. einem bestimmten Lkw-Modell zuzuordnen. Letztlich führen die Ermittlungen zu Catalin C., der die Morde bis zum Prozess beharrlich abstritt.

Das nun abgelegte Geständnis bezeichnet Hansjörg Mayr, Sprecher der Staatsanwaltschaft Innsbruck, für den Tiroler Fall als "besonders interessant".In Deutschland wird nur der Mord an Carolin G. verhandelt. Doch der Zusammenhang mit dem Fall Lucile spielt in dem Verfahren eine zentrale Rollen. Bei der Innsbrucker Staatsanwaltschaft geht man davon aus, dass nach Ende des Prozesses in Deutschland in Tirol Mordanklage erhoben wird.

Nur einmal lebenslang

Es wird also einen zweiten Prozess geben. Bei Mord droht in beiden Ländern in der Regel eine lebenslange Freiheitsstrafe. Addiert werden kann aber nicht, sagt Mayr. Zwei Mal lebenslang gebe es nicht. In beiden Fällen dürften die Frauen dem Lkw-Fahrer zufällig in die Hände gefallen sein. Carolin G. war alleine joggen, als sie ihren Mörder traf. Wie der Staatsanwalt ausführte, wurde die Frau von Catalin C. angegriffen und so stark gewürgt, dass sie wahrscheinlich bereits bewusstlos war, als sie von dem Rumänen in ein Waldstück gezogen wurde. Der 40-Jährige vergewaltigte die Frau und erschlug sie.

Ein Urteil wird für Dezember erwartet.