Chronik | Welt
18.09.2017

Hat Kims letzte Bombe einen Supervulkan geweckt?

In der Region des Mount Paektu registrieren chinesische Wissenschaftler vermehrt seismische Aktivitäten seit dem letzten unterirdischen Atomtest des Nordkoreaner.

China hat den Zugang zu einem Naturschutzgebiet rund um den Vulkan Paektu limitiert. Grund sollen verstärkte seismische Aktivitäten in der Erde sein und die könnten mit dem jüngsten Wasserstoffbombentest der Nordkoreaner im nahegelegenen Testzentrum Punggye-ri zusammenhängen. Das berichtet das US-Magazin Newsweek.

"Für die Sicherheit unserer Besucher haben wir den südlichen Bereich des Changbai Mountain gesperrt. Die Region wird nun von Experten untersucht und wieder für Besucher freigeben, sobald keine Gefahr mehr besteht", heißt es von Seiten der Behörden.

Laut einem Artikel in der Zeitschrift Nature's Scientific Report können unterirdische Atomtests in der Nähe eines aktiven Vulkans höchst gefährlich werden. Durch die Erschütterung könnte eine Magmakammer zum Einsturz gebracht werden und das in weiterer Folge die Aktiviät des Vulkans beschleunigen.

Der letzte unterirdische Test der Nordkoreaner Anfang September hat laut Angaben des Geologischen Dienstes der USA ein Erdbeben der Stärke 6,3 ausgelöst. Laut Nordkorea wurde dabei eine Wasserstoffbombe zur Explosion gebracht.

Der Mount Paektu an der Grenze zwischen China und Nordkorea gilt als einer der gefährlichsten Vulkane weltweit. Zuletzt war er im Jahr 1903 aktiv, die größte Erruption ereignete sich im Jahr 946 und dauerte mehrere Jahre. Die Isolation Nordkoreas machte es Vulkanologen in der Vergangenheit nicht gerade leicht, Untersuchungen am Mount Paektu vorzunehmen.

Der Berg spielt auch in der koreanischen Mythologie eine wichtige Rolle. Zum einen sollen "Dangun", der Gründer des ersten koreanischen Königreichs, und zum anderen Kim Jong-il an der Flanke des Vulkans geboren worden sein. Letzteres konnte aber mittels Unterlagen der Russen, die belegen, dass Kim Jong-il in der Nähe von Chabarowsk in Sibirien zur Welt kam, widerlegt werden.

Nordkorea hat nach eigenen Angaben am Sonntag seine zweite Wasserstoffbombe getestet. Nach dem chemischen Element für Wasserstoff werden sie auch oft als "H-Bombe" abgekürzt.

Verschmelzung statt Spaltung

Wasserstoffbomben sind potenziell besonders verheerende Nuklearwaffen. Anders als einfache atomare Sprengsätze beziehen sie den Großteil ihrer Zerstörungskraft nicht aus der Spaltung von Uran- oder Plutoniumkernen, sondern aus der Verschmelzung (Fusion) von Kernen des Elements Wasserstoff.

Atom-Sprengsatz als "Zünder"

Während dieses Prozesses, der auch die Sonne antreibt, werden gigantische Energiemengen frei. Um die für eine Kernfusion nötigen extremen Temperaturen und Druckverhältnisse zu erzeugen, ist eine Nuklearexplosion nötig. Wasserstoffbomben sind daher zweistufig aufgebaut, wobei ein Atom-Sprengsatz als eine Art "Zünder" für den Fusionsvorgang dient. Bei diesem werden in der Bombe mitgeführte Kerne der Wasserstoff-Isotope Deuterium und Tritium derartig stark verdichtet, dass sie verschmelzen.

Effizienter

Mit Wasserstoffbomben lassen sich weit stärkere atomare Explosionen erzeugen als mit einstufigen Atombomben, die konstruktionsbedingten Beschränkungen unterliegen. Weil Kernfusionsvorgänge weitaus mehr Energie freisetzen als Kernspaltungsprozesse, können bei gleichen Abmessungen so außerdem stärkere Bomben konstruiert werden. Bomben nach dem Fusionsprinzip gelten deshalb als effizienter.

Komplexer

Der Bau einer Fusionsbombe ist aufgrund ihres äußerst komplexen inneren Aufbaus jedoch erheblich schwieriger als der eines Kernspaltungs-Sprengsatzes. Die Staaten, die in den vergangenen Jahren in den Kreis der Atommächte aufstiegen, verfügen nach Überzeugung von namhaften Experten aller Wahrscheinlichkeit nach bisher nicht über einsatzfähige Waffen diesen Typs - auch wenn Indien und jetzt auch Nordkorea dies behaupteten.

Erster Test in den 1950er Jahren

Die erste zweistufige echte Wasserstoffbombe der Welt wurde von den USA am 1. November 1952 im Pazifik getestet (Operation Ivy Mike), die Sowjetunion folgte im Jahr darauf. Diese Waffen waren aber eher Prototypen, die für Einsätze noch nicht geeignet waren. Militärisch nutzbare Bomben hatten die beiden Supermächte erst etwas später. In Kriegen eingesetzt wurden diese bisher nie.