Gegen die Yellow Press: Prinz Harry kämpft wieder

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Der Duke of Sussex ist zurück am Londoner Höchstgericht. Der Fokus liegt auf der Vergangenheit, doch auch seine Zukunft steht am Spiel.

Es ist der Moment, auf den er hingearbeitet hat. Energisch marschiert Prinz Harry Montagmorgen zum Eingang des Londoner Höchstgerichts. In schlichtem Anzug, mit ernstem Gesichtsausdruck und einer überraschenden Leichtigkeit passiert er den Strand. Den Journalisten am Straßenrand hebt er die Hand zum Gruß und als eine Reporterin ihm „Good luck!“ wünscht, huscht ihm ein „Thank you!“ über die Lippen. 

Diese Woche beginnt in England Prinz Harrys dritter Gerichtsprozess gegen die britische Boulevardpresse. Nach der Mirror-Gruppe im Juni 2023 und der Sun im Jänner 2025 müssen sich diesmal die Herausgeber der Daily Mail und der Mail on Sunday verteidigen. 

High Court trial as Prince Harry, Elton John and others sue publisher of the Daily Mail

Prinz Harry Montagmorgen vor dem Londoner Höchstgericht.

Wie auch schon den anderen Medien wirft Harry ihnen vor, Informationen für Artikel unrechtmäßig beschafft zu haben: Telefongespräche sollen abgehört, private Reisen verfolgt, medizinische Unterlagen weitergegeben worden sein. 

Im Fokus der Kameras

Der Herzog von Sussex hat sich in den vergangenen Jahren dem Kampf gegen die Boulevardpresse mit allen Kapazitäten und Ressourcen verschrieben. Das ist durchaus verständlich. Als junger Bub musste er miterleben, wie Paparazzi jeden Schritt seiner Mutter, Prinzessin Diana, verfolgten.

Auch in der folgenschweren Nacht in Frankreich, in der es zum tödlichen Unfall kam. Später wähnte er die Kameralinsen der Fotografen pausenlos auf sich und seiner Familie. Er entwickelte Paranoia, seine mentale Gesundheit litt. 

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Ein halbes Jahr nach der Geburt seines Sohns Archie, verließ Harry mit seiner Familie Großbritannien. 

2023 trat er als erster Royal seit 130 Jahren in den Zeugenstand und konnte gegen die Mirror-Gruppe einen klaren Triumph verbuchen: Im Dezember 2023 wurde ihm in 15 von 33 Fällen Recht gegeben und 140.6000 Pfund (umgerechnet 162.000 Euro) Schadensersatz zugesprochen. Der zweite Fall wurde ausgerichtlich beigelegt; im Jänner 2025 erhielt Harry von der Sun „erheblichen Schadenersatz“ und eine Entschuldigung. 

20 illegale Jahre 

In Gerichtssaal 76 erklärt Harrys Anwalt, David Sherborne, am Montag, er werde nachweisen, dass sowohl die Daily Mail als auch die Mail on Sunday über einen Zeitraum von 20 Jahren „klar, systematisch und nachhaltig unrechtmäßig Informationen gesammelt haben“. Das zivile Verfahren (das bedeutet, es gibt keine Geschworenen, Anm.) dürfte mit neun Wochen länger dauern als die beiden vorangegangen. 

Trial in Britain's Prince Harry and others' phone-hacking lawsuit against Daily Mail, in London

Harrys Anwald David Sherborne am Montag in London.

Fall Nummer drei ist Harrys großer Showdown. Nicht nur, weil diesmal sechs namhafte Mitkläger an Bord: Darunter Sänger Elton John und die Schauspielerinnen Sadie Frost oder Liz Hurley. Wie wichtig Harry der Fall ist, zeigt sich am Montag darin, dass er sogar am Prozessauftakt persönlich erscheint, obwohl er laut Plan erst am Donnerstag in den Zeugenstand gerufen werden dürfte. Zum Vergleich: Elton John soll für seine Aussage lediglich virtuell zugeschaltet werden. 

Zukunftsweisend

Doch für Harry geht es nicht nur um Gerechtigkeit in der Vergangenheit, sondern auch Image seiner Zukunft. Das Verfahren fällt in eine Phase der vorsichtigen Annäherung. Trotz seiner vernichtenden Memoiren ist der Prinz, um ein Kitten der Familienbande bemüht. 

Durch eine regennasse Autoscheibe ist Prinz Harry im Anzug zu sehen. Das Bild wurde nach Harrys Treffen mit Vater Charles aufgenommen.

Prinz Harry nach seinem Treffen mit Vater Charles

Vergangenen September hat er sich zum ersten Mal seit 18 Monaten zu einer kurzen Privataudienz mit König Charles in Clarence House getroffen. Kurz darauf offenbarte er dem Guardian, dass die Beziehung zu seinem Vater kommendes Jahr „Priorität haben“ würde. Seine leidenschaftlich beworbenen Invictus-Games werden kommendes Jahr nach Birmingham kommen. Gerüchten zufolge könnte der König daran teilnehmen.

Doch sein Vater gibt sich (noch) zurückhaltend. König Charles, der das Jahresende in Sandringham, zwei Stunden nördlich von London, verbrachte, hat vergangenes Wochenende noch mehr Abstand zu London geschaffen: Er weilt derzeit im neun Stunden entfernten schottischen Schloss Balmoral. Auch wenn diese Reise lange geplant war: Die Optik spricht Bände. 

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