Drama um Buckelwal "Timmy": Wird er im Ernstfall doch gesprengt?

Wal "Timmy" soll gerettet werden, die entscheidende Phase läuft. Aber was passiert, wenn dies doch nicht gelingt?
Weitere Entwicklung zum Buckelwal in der Ostsee

Die entscheidende Phase des Rettungsversuchs des in der Ostsee gestrandeten Buckelwals ist angebrochen. Die Tierärzte der privaten Initiative halten das seit vier Wochen in einer flachen Bucht der Insel Poel vor Wismar festsitzende Tier für transportfähig, wie Umweltminister Till Backhaus (SPD) in Kirchdorf auf Poel sagte. 

Die Landesregierung gab zudem grünes Licht dafür, dass Gurte genutzt werden dürfen, um den rund zwölf Tonnen schweren Wal durch eine gebaggerte Rinne zum mit Wasser gefüllten Transportkahn zu führen. Sollte dieser Rettungsversuch abermals scheitern, ist die Zukunft von "Timmy" (oder "Hope") ungewiss.

Erschießen ist keine Option 

Den Wal zu töten und von seinem Schicksal zu "erlösen" war noch vor wenigen Wochen keine Option für Bianca König von der Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) Deutschland. Die Option Einschläferung sei vom Tisch, weil darüber bei so großen Säugetieren in der Praxis zu wenig bekannt sei. Es bestehe die Gefahr, dass die sedierenden Medikamente, die vor der Tötung verabreicht werden, zu gering dosiert werden. 

"Man kann nicht ausschließen, dass er die Tötung bei vollem Bewusstsein miterlebt", sagte die Expertin. Auch eine Überdosierung könne zu Komplikationen führen. Im besten Fall werden Tiere sediert und schlafen friedlich ein und bekommen dann ein Mittel zur Tötung verabreicht. Das könne bei Timmy aber nicht sichergestellt werden. 

Sprengung des Wal-Kopfes? 

Auch das Tier zu erschießen, komme nicht infrage, unter anderem, weil schwierig abzuschätzen ist, wohin der Schuss gesetzt wird. Mögliche Mehrfachschüsse können dann nicht ausgeschlossen werden. Die radikalste, aber wahrscheinlich effektivste Methode wäre es, einen Sprengsatz unter den Kopf zu legen und den Kopf zu sprengen, sagte König. Das sei aber ethisch nicht vertretbar und auch aufgrund der zuschauenden Menschen keine Möglichkeit. Zudem könne die Methode dazu führen, dass der Wal reißt und die Proben für eine spätere wissenschaftliche Analyse unbrauchbar werden.

Wie groß ist die Gefahr einer Wal-Explosion wirklich?

In Deutschland wird seit mehreren Wochen eine mögliche Sprengung des Wals medial diskutiert. Gegenüber dem KURIER nannte die Wildtierärztin und Wissenschafterin Katharina Seilern-Moy dies jedoch ein "Interessensphänomen der Öffentlichkeit". Nur 13 Wal-Explosionen dokumentiert der Blog theexplodingwhale.com seit den vergangenen 52 Jahren – die Zahl der Fälle explodierender Walkadaver hält sich also tatsächlich in Grenzen.

Im Fall von "Timmy" wurden alle drei Möglichkeiten der aktiven Tötung ausgeschlossen, und entschieden, den Wal auf natürliche Weise sterben zu lassen, wie Expertin König betonte. 

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