Überfischt? So steht es um den Thunfisch

Der tote Thunfisch mit seinem Käufer.
Ein Blauflossen-Thunfisch erzielte bei einer Versteigerung 2,8 Millionen Euro. Er endet als Sushi. Wie es um die Art steht.

Der Blauflossen-Thunfisch wog 243 Kilogramm. Bei einer Versteigerung auf dem Fischmarkt Toyosu in Japan bezahlte eine Sushi-Restaurantkette diese Woche 2,8 Millionen Euro für den Fisch. Das entspricht 11.413 Euro pro Kilo: ein Rekord.

Der Blauflossen-Thunfisch endete als Sushi. Die weltweite Lust auf das Gericht brachte die Art lange in Gefahr und teils an den Rand des Aussterbens.

Und jetzt? „Im Mittelmeer hat sich der Bestand dramatisch erholt“, sagt Axel Hein, WWF-Meeresexperte. Fangquoten und Fangmethoden waren entscheidend. „Das ist eine Erfolgsgeschichte.“

Damit das so bleibt, werden Bestände und Einhaltung der Quoten weiter wissenschaftlich überwacht. Auch für den Pazifik gibt es einen Aufbauplan. Die Bestände können wieder wachsen.

Billiger, problematischer

Thunfisch ist übrigens nicht Thunfisch. In Europa landet oft Gelbflossen-Thun im Sushi. „Da schaut es mit den Beständen schon schlechter aus. Im Indischen Ozean ist er derzeit überfischt“, sagt Hein. Ein Tipp für Konsumenten: Je billiger das Sushi ist, desto problematischer ist es.“

Und dann gibt es noch die Thunfisch-Dosen, in denen ja eigentlich ein Verwandter des Thunfischs drinnen ist: der echte Bonito, Skipjack-Thunfisch genannt. „Es ist ein sich schnell reproduzierender Fisch, dessen Bestände weitgehend in Ordnung sind“, sagt Hein.

Fischschwarm im blauen Meer.

Fischschwarm

Doch nicht alles ist gut. Es sind die Fangmethoden für Thunfische, die anderen Meerestieren zusetzen. Langleinen sind mit Tausenden Haken versehen, auf jedem Haken ist ein Köder. Diese Fischereimethode killt Meeresschildkröten und Haie.

Seevögel sehen die Köder und denken sich, das ist eine einfache Mahlzeit“, sagt Hein. Sie werden in die Tiefe gezogen. In Treibnetzen – sie sind schon oft verboten – verfangen sich Meeressäuger wie Delfine und Wale. Meeresschutzorganisationen sehen in diesen Arten der Fischerei eine große Bedrohung für das Meer.

Zu viele Heringe herausgefischt

Andere Arten stehen derzeit stärker unter Druck als der Thunfisch. Der WWF setzte die Makrelenbestände im Nordostatlantik auf Rot.

„Die Staaten sind nicht willens, die Fangquoten so festzusetzen, dass die Bestände nicht überfischt werden“, erklärt der Meeresexperte. Auch der Hering ist ein Sorgenkind. Eigentlich wäre es ja so einfach: „Der einzige Trick beim Fischereimanagement ist: Ich darf immer nur so viel rausholen, wie wieder nachwachsen kann.“

Eine der größten Herausforderungen ist bereits der Klimawandel. Fischarten, die kälteres Wasser bevorzugen, wandern nach Norden. Ihre Bestände werden schrumpfen. In der Ostsee ist das laut Hein bereits bei Hering und Kabeljau ersichtlich.

Eine Analyse von mehr als 500 MSC-zertifizierten Fischereien zeigt: Blauflossen-Thunfische wurden bereits in britischen Gewässern gesichtet. Dort leben die Tiere eigentlich nicht. Die Verlagerung führt wiederum zu Nutzungskonflikten.

Die Folge: Fangquoten könnten nicht eingehalten werden, Überfischung droht. Wieder einmal.

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