Strafanzeige wegen veröffentlichter Notrufe nach Crans-Montana-Brand

Vorwurf des Verstoßes gegen das Berufs- und Amtsgeheimnis sowie das Datenschutzgesetz.
Snow blankets site of Crans-Montana bar tragedy

Mehr als drei Monate nach der Brandkatastrophe im Schweizer Skiort Crans-Montana mit mehr als 40 Todesopfern haben die örtlichen Rettungsdienste wegen der Veröffentlichung von Notrufen die Justiz eingeschaltet. Wie AFP am Sonntag von der Kantonalen Walliser Rettungsorganisation (KWRO) erfuhr, wurde "Strafanzeige gegen Unbekannt eingereicht". Grund dafür sei die "unrechtmäßige Weitergabe interner Dokumente".

Die KWRO arbeite mit den Ermittlern zusammen und werde keinen weiteren Kommentar abgeben. Laut Berichterstattung der Schweizer "Sonntagszeitung" bezieht sich die Strafanzeige auf den Vorwurf des Verstoßes gegen das Berufs- und Amtsgeheimnis sowie das Datenschutzgesetz. Demnach seien jegliche Audioaufzeichnungen der Notrufe aus der Unglücksnacht an die ins Verfahren involvierten Anwälte, Ermittler sowie die Staatsanwaltschaft weitergeleitet worden, darunter auch solche, die keinen Bezug zu dem Unglück in Crans-Montana hatten. Inhalte der Notrufe seien anschließend von französischsprachigen Nachrichtenseiten und später von weiteren Medien veröffentlicht worden.

In Crans-Montana waren in der Silvesternacht 41 Menschen bei einem Brand im Untergeschoss der Bar "Le Constellation" ums Leben gekommen. 115 weitere Menschen wurden verletzt, viele von ihnen erlitten schwerste Verbrennungen und liegen noch immer im Krankenhaus. Den Ermittlern zufolge wurde die Brandkatastrophe wahrscheinlich durch an Flaschen befestigte Feuerwerksfontänen ausgelöst, die zu nahe an die mit Schaum verkleidete Decke gehalten wurden.

Gegen die Betreiber der Bar "Le Constellation" sowie gegen den ehemaligen und den aktuellen Sicherheitsbeauftragten der Gemeinde Crans-Montana wird bereits seit Wochen wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Brandstiftung ermittelt.

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