Sensationsfund in der Schweiz: Riesige römische Schiffsladung entdeckt
Die gefundenen Objekte sind teilweise perfekt erhalten.
Lange Sandstrände, charmante Winzerdörfer, weite Naturschutzgebiete: Der Neuenburgersee im Westen der Schweiz gilt als Postkartenidylle und beliebtes Ausflugsziel – und ist zugleich der größte See, der vollständig auf dem Gebiet der Eidgenossenschaft liegt. Nun ist er auch für Archäologen ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt: Auf seinem Grund wurde nämlich eine riesige römische Schiffsladung gefunden. Unter den mehreren hundert Fundstücken befinden sich im Schweizer Mittelland hergestellte Keramikgefäße wie Schalen, Teller, Becher und Schüsseln, außerdem aus Spanien importierte Behälter für Olivenöl sowie Werkzeuge, Waffen oder Wagenteile.
Für die Wissenschaft sind die Artefakte – Schweizer Medien sprechen bereits von einem Sensationsfund – von unschätzbarem Wert. So zeugen sie von einem hoch entwickelten Fernhandel in der Römerzeit. Da sie über Jahrhunderte unter einer schützenden Sandschicht konserviert waren, sind sie zudem außergewöhnlich gut erhalten. „Diese Funde belegen die Nutzung eines kombinierten Transportsystems aus Land- und Wasserwegen“, heißt es in einer Mitteilung des Kantons Neuenburg weiter. Der Fund eröffne weitere Forschungen zu Handelsnetzen, technischem Know-how, Keramikwerkstätten oder zur Vermarktung von Manufakturwaren.
Rätsel um das Schiff
Die Ladung dürfte Experten zufolge im ersten Jahrhundert nach Christus untergegangen sein, genauer zwischen den Jahren 20 bis 50. Eine der Kisten wurde auf das Jahr 17 datiert – als die Region endgültig unter römische Herrschaft fiel.
Warum die Ware über Bord ging, ist bislang jedoch ebenso unklar wie die genaue Art des Schiffs und sein Ziel. Das Vorhandensein von Schwertern lässt vermuten, dass es sich um ein ziviles Handelsschiff handelte, das von einer militärischen Eskorte begleitet wurde. Möglich ist aber auch, dass die Schwerter – wie der übrige Teil der Ladung – bei Seenot über Bord geworfen wurden. Darauf weist vor allem hin, dass sich das Frachtgut über einen rund 600 Meter langen Abschnitt verteilt. Das Schiff selbst oder Teile davon wurden bislang nicht gefunden.
Auf die Ladung aufmerksam wurde man mithilfe von Luftaufnahmen, die im November 2024 einen auffälligen dunklen Bereich auf dem Seegrund zeigten. Anschließend kamen Unterwasserdrohnen für eine genauere Untersuchung zum Einsatz.
Zunächst habe man geglaubt, auf ein altes Militärminen‑Depot gestoßen zu sein. „Dass es sich dabei um eine perfekt erhaltene römische Schiffsladung handelte, hätten wir nie erwartet. Die Teller und Schalen scheinen sorgfältig, ja fast schon behutsam hingelegt worden zu sein“, so Marc-Antoine Kaeser, Leiter des archäologische Museums Neuenburg zum Tagesanzeiger. Aus Sorge vor Plünderungen fanden die Ausgrabungen unter Leitung des neuenburgischen Amts für Archäologie unter strengster Geheimhaltung statt; die empfindlichsten Objekte wurden mittlerweile geborgen.
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