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Chronik Welt
12/08/2020

Reisebeschränkungen waren vor allem zu Beginn von Pandemie wirksam

Eine Studie ermittelt wie sich die Reisebeschränkungen auf das Pandemiegeschehen auswirken.

Reisebeschränkungen in der Corona-Pandemie sind einer neuen Studie zufolge vor allem dann effektiv, wenn sie gezielt etwa zu Beginn der Virus-Ausbreitung eingesetzt werden. Es sei dagegen unwahrscheinlich, dass Reisebeschränkungen wirksam seien, wenn sich das Coronavirus bereits schnell in einem Land verbreite.

In frühen Stadien der Pandemie seien Beschränkungen wohl am effektivsten gewesen, um die Ausbreitung zu stoppen, wie Forscher in einer Studie im Fachjournal "The Lancet Public Health" schreiben. "Daher ist es wichtig, dass die Regierungen Reisebeschränkungen gezielt anwenden", sagte der Leiter der Studie, Mark Jit, Professor an der London School of Hygiene and Tropical Medicine laut einer Mitteilung.

"Bevor Einschränkungen eingeführt werden, sollten sie lokale Infektionszahlen, epidemische Wachstumsraten und den Umfang von Reisenden aus Ländern berücksichtigen, die stark vom Virus betroffen sind." Zu Beginn der Corona-Pandemie hatten Staaten weltweit bis Ende April Reisebeschränkungen erlassen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzuschränken.

Ohne Verringerung: Zehn Prozent mehr Infektionen 

Die Studie ermittelte nun mithilfe von Schätzungen und mathematischen Modellen, wie sich mögliche Einschleppungen von Corona-Fällen auf nationale Pandemiegeschehen auswirkten. Dazu griffen die Wissenschafter auf Flugdaten zu Reiseströmen aus dem Jahr 2019 zurück, als keine Beschränkungen galten. Sie verglichen die Zahl der durch Flugreisen zu erwartenden Covid-19-Fälle für zwei Szenarien in den Monaten Mai und September 2020 mit den Infektionen, die sich daraus innerhalb der Länder ergeben hätten.

Die Forscher kamen demnach zu dem Schluss, dass Reisebeschränkungen vor allem zu Pandemie-Beginn effektiv gewesen sein könnten. Hätte es im Mai keine Verringerung der Reisendenströme gegeben, würden der Studie zufolge die eingeschleppten Covid-19-Fälle in 102 von 136 untersuchten Ländern mehr als zehn Prozent der Infektionen ausmachen.

Mit der Zeit schwächerer Einfluss 

Auf mittelfristige Sicht schwächte sich der Einfluss aber ab: Sofern es bis September keine Reisebeschränkungen gegeben hätte, würden eingeschleppte Fälle lediglich bei 56 von 162 Ländern mehr als zehn Prozent der Infektionsfälle ausmachen. Bei der Mehrheit von 106 Ländern machten die importierten Fälle weniger als zehn Prozent der Infektionen aus - in 21 Ländern wären es sogar weniger als ein Prozent.

"Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass strenge, nicht zielgerichtete Reisebeschränkungen in vielen Ländern wahrscheinlich nicht gerechtfertigt sind (...)", heißt es in der Studie. Ausnahmen seien aber Länder, die entweder gute internationale Reiseverbindungen haben oder insgesamt eine sehr geringe Inzidenz aufweisen. Zudem könnten Beschränkungen auch in Ländern wirksam sein, die sich an der Grenze zum exponentiellen Wachstum befänden - nicht aber dort, wo sich das Virus bereits rasch ausbreite, hieß es.

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