Chronik | Welt
23.07.2018

Pole fährt als Erster mit Skiern den K2 hinab

Andrzej Bargiel gelang im zweiten Versuch der Husarenritt – sein nächstes Ziel ist der Mount Everes

Polen hat einen neuen Helden: der dreißigjährige Andrzej Bargiel fuhr am Sonntag als erster Mensch den zweithöchsten Berg der Welt mit Skiern hinab. „Ich fühle eine große Freude, denn ich bin zum zweiten Mal hier und will das nicht noch einmal durchstehen“, sagte er zu polnischen Medien. Der erste Versuch im vergangenen Jahr musste an dem 8611 Meter hohen K2 in Pakistan aufgrund von zu hohen Temperaturen abgebrochen werden. Der Alpinist, der aus dem polnischen Wintersportort Zakopane kommt, hat bereits drei Achttausender mit Skiern befahren – (Shishapangma, Manaslu sowie Broad Peak), auch letzteren fuhr er als erster Mensch mit Skiern in einer Zeit von nur drei Stunden hinab.

Bargiel, der in der Disziplin Ski-Alpin dreimal polnischer Meister wurde, erreichte den Gipfel am Sonntagmorgen um Acht Uhr Ortszeit.

„Mission impossible“

Einige Experten hatten im Vorfeld eine Skiabfahrt auf dem K2 aufgrund seiner Steilheit, den Vereisungen und der hohen Lawinengefahr für eine „Mission impossible“ gehalten. Der Erfolg des Polen beruhte jedoch auch auf familiären Banden und dem technologischen Fortschritt – beim Anstieg folgte ihm eine Drohne, die fast bis auf die Höhe des Gipfel fliegen konnte, die von seinem jüngeren Bruder Bartek gesteuert wurde. Mittels der Technologie konnte die sicherste Trasse zur Abfahrt ausgewählt und dem Bergsteiger via Funk mitgeteilt werden. „Man muss sich auf einem ganz anderem Terrain bewegen als bei einem Kletterweg“ erklärte Bargiel. Sein nächstes Projekt soll eine Abfahrt den Mount Everest hinab ins Basislager sein.

Dies erreichte bereits Hans Kammerlander im Mai 1996. Der Südtiroler gilt als erfolgreicher Pionier der Skiabfahrt von Achttausendern. Er fuhr als erster 1990 den Nanga Parbat herab, und nach langem Training auf steilen Rinnen in den Zillertaler Alpen wagte er 1996 ohne Sauerstoffunterstützung das gleiche Unternehmen von der Spitze des Mount Everests, was noch niemand geschafft hatte. Die aktuelle Leistung des Polen aus dem Tatragebirge wurde auch von der Regierung in Warschau genutzt, die gerade wegen einer umstrittenen Justizreform eisigen Gegenwind auf den Gipfel in Brüssel erfährt: „Heute verfolgte die ganze Welt mit angehaltenem Atem das Erreichte von Andrzej Bargiel“.

Der K2 ist in Polen bereits länger Thema: Eine polnische Expedition scheiterte Anfang diesen Jahres am K2. Ziel war es, den Berg zum ersten Mal überhaupt während des Winters zu besteigen.

Am höchsten hinaus kam bisher zum Leidwesen Polens ausgerechnet der eigensinnige Russe Denis Urubko in einer nicht abgesprochenen Solotour.

Von Jens Mattern