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Indonesien: Wenn es Mikroplastik regnet und der Müll brennt

Indonesien geht in Plastik unter und es regnet Plastikteilchen. Drei Geschwister laufen durch den Inselstaat gegen die Krise an.
Ein Hund steht an einem stark mit Plastikmüll verschmutzten Strand vor dem Meer.

Flaschen, Sackerl, Kleidung, Windeln: Sam Bencheghib watet in einem Fluss in Indonesien, und der Plastikmüll steht ihm bis zur Brust. „Dieser Fluss ist ein toter Fluss“, sagt er in einem Video auf Instagram. Das will er ändern.

2020 gründete Bencheghib auf Bali mit seinen Geschwistern Kelly und Garry die Umweltschutzorganisation „Sungai Watch“, um die Insel vom Plastik zu befreien. Doch das erwies sich als Sisyphos-Arbeit. „Deshalb haben wir beschlossen, quer durch Indonesien zu laufen – bis uns jemand zuhört.“ Sie liefen 1.200 Kilometer. Am Sonntag, wollen die drei am Ziel in der Hauptstadt ankommen. Ihr Ziel: eine Million Dollar Spenden zu lukrieren, um eine Million Kilo Müll aus Flüssen zu holen.

Die Gerinne voller Mist spülen den Kunststoff in die Meere. Es sind aber nicht die Flüsse alleine. An Straßenrändern türmen sich Müllberge. Oft brennen sie. Die Bilder gehen um die Welt. Seit Jahrzehnten ist die Verschmutzung in Indonesien ein Problem. Und es hat längst die Atmosphäre erreicht: Es regnet Mikroplastik. Unsichtbar kleine Plastikteile, die etwa durch Abrieb entstehen.

INDONESIA-ENVIRONMENT-PLASTIC

In den Regenproben seit 2022 sind Mikroplastikpartikel nachgewiesen worden, erklärt Forscher Muhammad Reza Cordova in den Medien. Er leitete dazu eine Studie der Nationalen Forschungs- und Innovationsbehörde (BRIN). „Es gibt tatsächlich Hinweise darauf, dass mit zunehmender offener Verbrennung von Plastikmüll auch die Konzentration an Mikroplastik in der Luft steigt“, sagt er. Wenn es regnet, empfiehlt Muhammad Reza Cordova, eine Baumwollmaske zu tragen. Und an die Allgemeinheit appelliert er, Einwegmüll zu verhindern. „Vor allem dürfen wir keinen Müll verbrennen, schon gar nicht Plastikmüll.“

Sam Bencheghib hustet

 „Brennendes Plastik“, sagt er. Er kommt bei seinem Lauf an einer brennenden illegalen Deponie vorbei. Die Rauchwolken sind gut zu sehen. „Indonesien, wann hören wir damit endlich auf?“

Die Regierung hat sich zwar Ziele gesetzt, um die Plastikberge zu reduzieren. Doch auf Erfolgsmeldungen folgen Rückschläge. „Seit sechs Jahren säubern wir täglich Hunderte von Flüssen und verhindern so, dass Millionen Kilogramm Plastik in den Ozean gelangen. Doch das Problem verschärft sich zusehends“, schreibt Bencheghib. 

Verschmutzer der Meere

Auf ihrem Weg durch Indonesien springen die Läufer in die Kloaken, um sie zu säubern. „Das ist echt übel“, sagt Sam Bencheghib. Das Wasser riecht faulig. Unterwegs treffen sie Kinder, die das Wasser im Fluss noch nie gesehen haben – nur das Plastik an der Oberfläche. Und sie führen Gespräche mit Politikern.

Nach China ist Indonesien der zweitgrößte Plastik-Verschmutzer der Meere. Und alleine auf Bali hat „Sungai Watch“ 350 illegale Mülldeponien ausgemacht. Die illegalen Ablagerungen sind zum großen Teil auf die fehlende Infrastruktur für Abfallwirtschaft und Recycling zurückzuführen. Und die Umweltschützer beobachten eine Zunahme entlang der Flüsse.

Eine Frau bleibt mit ihrem Mofa stehen. Sie wirft einen Sack Müll an den Straßenrand. Zu den Hunderten anderen Säcken.

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