Papst schließt quasi aus, dass Kirche ihre Meinung zu Sexualität ändert

"Jeder wird aufgenommen und willkommen geheißen", betont Papst XIV.
Papst bei seiner ersten Messe.

Papst Leo XIV. hält eine Änderung der kirchlichen Lehre in puncto Sexualität und Ehe auf absehbare Zeit für unwahrscheinlich. "Es erscheint mir sehr unwahrscheinlich, zumindest in naher Zukunft, dass die Lehre der Kirche ihre Haltung zu Sexualität und Ehe ändern wird", sagte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche in einem Interview, aus dem die Zeitung "La Repubblica" am Donnerstag im Voraus zitierte.

Das Gespräch ist Teil einer am Donnerstag erschienenen Biografie von Elise Ann Allen, Vatikan-Korrespondentin des US-Portals "Crux", mit dem Titel "León XIV: ciudadano del mundo, misionero del siglo XXI" (Leo XIV.: Weltbürger, Missionar des 21. Jahrhunderts).

"Keine Polarisierung in der Kirche"

Der Papst betonte, er verstehe, dass die Sexualität ein kontroverses Thema sei und manche Forderungen nach einer Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Ehe oder von Transpersonen durch die Kirche erhoben würden. Er betonte, er bemühe sich jedoch, keine Polarisierung in der Kirche zu nähren. "Die Menschen werden aufgenommen und empfangen. Jeder ist willkommen, wir können uns respektieren", betonte der Papst. Jeder Priester höre in der Beichte Menschen aller Art mit unterschiedlichsten Schwierigkeiten, Lebenssituationen und getroffenen Entscheidungen an.

Auf eine Frage zu US-Präsident Donald Trump antwortete Leo XIV. im Interview, es sei unmöglich, dass sich der Papst in die Angelegenheiten einzelner Länder einmische. Es sei angemessener, dass die Führung der Kirche in den Vereinigten Staaten den Dialog mit ihm ernsthaft und vertieft führe. "Dasselbe würde ich von jeder Regierung sagen", fügte er hinzu.

Eine der bedeutendsten Initiativen von Papst Franziskus gegen Ende seines Pontifikats sei dessen Schreiben zum Umgang mit Migranten gewesen, sagte Leo XIV. Es habe ihn gefreut zu sehen, wie die US-Bischöfe dieses aufgenommen hätten und wie einige von ihnen den Mut gehabt hätten, die Botschaft weiterzutragen.

Zugleich betonte er die Dringlichkeit, sich mit Herausforderungen wie technologischer Entwicklung, künstlicher Intelligenz und der Zukunft der Arbeit auseinanderzusetzen. Wenn der Planet vollständig automatisiert werde und nur wenige Menschen über die Mittel verfügten, um gut und sinnvoll zu leben, während andere kaum überlebten, "dann gibt es ein großes Problem, ein enormes Problem am Horizont", sagte der Papst.

Leo XIV. wegen wirtschaftlicher Ungleichheiten besorgt

Leo XIV. zeigte sich wegen wirtschaftlicher Ungleichheiten besorgt. Er verwies dabei auf Berichte über das Vermögen des Tech-Unternehmers Elon Musk. "Ich habe gelesen, dass er die erste Person der Welt mit einem Vermögen von 1.000 Milliarden Dollar werden soll. Wenn sich der Wert eines Menschen heute nur nach solchen Maßstäben bemisst, dann sind wir wirklich in ernsten Schwierigkeiten", sagte das Kirchenoberhaupt.

Der Papst unterstrich zudem seine enge Verbindung zu Südamerika. "Die lateinamerikanische Perspektive ist für mich wertvoll", sagte er. Mit einem Anflug von Ironie fügte er hinzu, bei einem weltweiten sportlichen Duell zwischen den USA und Peru würde er "wahrscheinlich aus Zuneigung zu Peru" halten. Zugleich bekannte er sich als großer Anhänger der italienischen Fußball-Nationalelf sowie des US-Baseballteams Chicago White Sox.

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