Niederlande: Vater tötet 18-jährige Tochter und flieht nach Syrien
(Symbolbild)
Zusammenfassung
- Die 18-jährige R. A., eine syrische Geflüchtete, wurde im Mai 2024 tot in den Niederlanden aufgefunden; DNA-Spuren führten zu ihrem Vater.
- Der Vater gestand den Mord in einem Brief, wurde in Abwesenheit zu 30 Jahren Haft verurteilt, während die beiden Brüder wegen Beihilfe jeweils 20 Jahre erhielten.
- Die Brüder bestritten die Tat, wurden jedoch der Beweismittelvernichtung überführt; der Vater floh nach Syrien und wird seine Strafe voraussichtlich nicht verbüßen.
Im Mai 2024 wurde im Wasser bei Lelystad in den Niederlanden die Leiche der damals 18-jährigen R. A. gefunden. Wie DutchNews berichtet, waren Mund und Nase der Frau mit Klebeband zugeklebt. Auf diesem und unter ihren Fingernägeln wurden die DNA-Spuren ihres Vaters gefunden. R. A. und ihre Familie stammen aus Syrien. 2016 flohen sie in die Niederlande, wo sie als "vorbildhafte" Flüchtlingsfamilie galten.
Der Schein einer harmonischen Familie trügt
Der Vater eröffnete eine Pizzeria und eine Kurierfirma. Im Jahr 2017 berichtete sogar eine lokale Zeitung über die syrische Flüchtlingsfamilie, die sich in den Niederlanden ein neues Leben aufgebaut hatte. Doch das Bild der harmonischen Familie, die als gut integriert galt, täuschte. Erste Anzeichen dafür, dass etwas nicht stimmte, zeigten sich 2021, als Behörden bei der damals 15-jährigen R. A. ein Messer fanden.
Das Mädchen drohte, sich umzubringen, da sie mit ihrem Familienleben unzufrieden war, wie die Daily Mail berichtet. Seit 2022 lebte R. A. in verschiedenen Einrichtungen und hatte der Polizei mehrfach berichtet, dass sie von ihrem Vater und ihren Brüdern bedroht und angegriffen wurde.
Leiche im Naturschutzgebiet gefunden
Die Situation spitzte sich im Februar 2023 zu, als die damals 17-Jährige barfuß bei einem Nachbarn auftauchte und um Hilfe bat. Ihr Vater soll ihr mit dem Tod gedroht haben, weil sie sich mit einem Jungen getroffen hatte. "R. lebte in offenen Einrichtungen und kehrte oft zu ihrer Familie zurück", sagte ein Sprecher des niederländischen Kontrollzentrums für Schutz und Sicherheit der Daily Mail.
R. A. soll ihren 18. Geburtstag mit Fotos gefeiert haben, die sie auf Social Media postete. Sie veröffentlichte auch ein Live-TikTok-Video, in dem sie ihren Namen und den ihrer Familienmitglieder preisgab und die Behörden aufforderte, die Kinder aus der Obhut ihrer Eltern zu nehmen. Kurz darauf fehlte von R. A. jede Spur. Am 28. Mai 2024 wurde ihre Leiche in einem Teich im Naturschutzgebiet Oostvaardersplassen von einem Förster gefunden.
Mord per Brief gestanden
Nach der Tat flüchtete der 53-Jährige Vater von R. A. in seine Heimat Syrien. Laut niederländischen Medien soll der Vater dort erneut geheiratet haben. In einem Brief, den er an die Zeitung De Telegraaf verfasste, soll er den Mord an seiner Tochter gestanden haben. Laut Gerichtsunterlagen wurde R. A. getötet, weil sie sich gegen die Werte ihrer Familie auflehnte.
In den Niederlanden wurde der Vater nun in seiner Abwesenheit von einem Gericht zu einer Haftstrafe von 30 Jahren verurteilt. Da die Niederlande jedoch kein Auslieferungsabkommen mit Syrien haben, ist fraglich, ob der Mann seine Haftstrafe verbüßen wird. Seine beiden Söhne wurden wegen Beihilfe zum Mord an ihrer Schwester R. zu jeweils 20 Jahren Haft verurteilt. Sie werden ihre Strafe in niederländischen Gefängnissen absitzen.
Vernichtung von Beweismitteln?
Vor Gericht bestritten die Brüder jegliche Beteiligung am Mord ihrer Schwester und bezeichneten ihren Vater als "Psychopathen" und "Monster". Die Staatsanwaltschaft sieht das jedoch anders. Laut Gerichtsakten sollen die beiden in die Vertuschung des Mordes verwickelt gewesen sein. So sollen sie Fotos und Videos von R. A.s Handy gelöscht und andere Familienmitglieder aufgefordert haben, Chats mit ihrer Schwester zu löschen.
"Sie sahen ihre Schwester als eine Last, die beseitigt werden musste", erklärte die Staatsanwaltschaft vor Gericht. "Die Vernichtung von Beweismitteln war ihr einziges Anliegen", hieß es in dem Urteil. Laut niederländischen Medien ist es unwahrscheinlich, dass der Vater von R. freiwillig in das Land zurückkehren wird, sodass er seine Strafe vermutlich nicht verbüßen wird.
In Österreich finden Frauen, die Gewalt erleben, unter anderem Hilfe und Informationen bei folgenden Adressen:
- Frauen-Helpline: online unter frauenhelpline.at und telefonisch unter 0800-222-555
- Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF): online unter aoef.at
- Frauenhaus-Notruf: unter 057722
- Österreichischen Gewaltschutzzentren: 0800/700-217
- Polizei-Notruf: 133
Hilfsangebote für Personen mit Suizidgedanken und deren Angehörige bietet das Suizidpräventionsportal des Gesundheitsministeriums. Auf der Webseite finden sich Kontaktdaten von Hilfseinrichtungen in Österreich.