Chronik | Welt
15.08.2018

Nach Irrfahrt: Rettungsschiff "Aquarius" in Valetta eingetroffen

Schiff erreicht Malta mit 141 Flüchtlingen an Bord. Fünf EU-Staaten nehmen Menschen auf.

Nach tagelanger Irrfahrt auf dem Mittelmeer ist das Rettungsschiff "Aquarius" am Mittwoch in Malta eingetroffen. Das Schiff der Hilfsorganisationen SOS Mediterranee und Ärzte ohne Grenzen mit 141 Flüchtlingen an Bord kam am Nachmittag im Hafen der Hauptstadt Valletta an. Am Dienstag hatten sich fünf EU-Staaten zur Aufnahme der Flüchtlinge bereit erklärt.

Die Einigung von Malta, und den fünf EU-Staaten sieht vor, dass die Flüchtlinge von der "Aquarius" von Valletta aus in die anderen Mitgliedstaaten (Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Portugal und Spanien) gebracht werden. Sie stammen überwiegend aus den afrikanischen Staaten Somalia und Eritrea, deren Bürger in der Regel gute Chancen auf Asyl haben.

 

Die Hilfsorganisation SOS Mediterranee begrüßte die Einigung. "Die Tatsache, dass es eine Abstimmung zwischen einer Reihe wichtiger EU-Länder gibt, ist ein positives Zeichen, dass die Länder verstanden haben, dass das ein gemeinsames Problem ist", sagte der Einsatzleiter der Hilfsorganisation, die das Schiff mit betreibt, Frederic Penard, in Paris. Er sprach von einem "ersten Schritt", zeigte sich aber zugleich abwartend hinsichtlich der Details der Einigung.

Auch das UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) begrüßte die Einigung und mahnte zugleich dauerhaftere Lösungen an. UNO-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi forderte ein Abkommen, das "Klarheit und Vorhersagbarkeit schaffe, wo Flüchtlingsschiffe anlegen können".

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, die die "Aquarius" mit betreibt, zeigte sich in einer Erklärung "erleichtert", dass ein sicherer Ort für die 141 schutzbedürftigen Menschen gefunden wurde, die am Freitag auf dem Mittelmeer gerettet wurden. Zugleich forderte sie "dauerhafte tragfähige Lösungen zur Bewältigung der humanitären Krisen im zentralen Mittelmeer".

Die Geschäftsführerin von SOS Mediterranee in Deutschland, Verena Papke, kündigte neue Hilfseinsätze der "Aquarius" an. Das Schiff werde "sobald wie möglich wieder in den Rettungseinsatz rausfahren", sagte Papke bei einer in Berlin.

 

Die "Aquarius" hatte ihre Mission im Mittelmeer erst vor rund zwei Wochen wieder aufgenommen. Anfang Juni hatten Malta und Italien das Schiff mit 630 Flüchtlingen an Bord zurückgewiesen. Die Odyssee des Rettungsschiffs endete erst nach einer Woche im spanischen Hafen Valencia. Seit dem 29. Juni befand sich die "Aquarius" zu einem Wartungsstopp im Hafen von Marseille in Südfrankreich.

Zum Streit um die Flagge, unter der die "Aquarius" künftig fahren könnte, sagte Papke: Sollte die "Aquarius", die seit zwei Jahren unter der Flagge Gibraltars fährt, diese verlieren, werde sie "vermutlich unter deutscher Flagge weiterfahren". "Das ist grundsätzlich ein Szenario, was man sich vorstellen kann", sagte Papke.

Gibraltar hatte zuletzt angekündigt, die "Aquarius" dürfe nicht mehr unter der Flagge des britischen Gebiets fahren. Zur Begründung hieß es, das Schiff sei in Gibraltar als Forschungsschiff registriert worden, nicht als Rettungsschiff. Die Verhandlungen dazu dauern an.