Chronik | Welt
18.07.2018

Mallorca: Qualleninvasion und "Mini-Tsunami"

Offenbar eher harmlose Spezies der Nesseltiere. Anderorts sorgte ein Meteotsunami für Gesprächsstoff.

Eine Qualleninvasion am idyllischen Strand Calo des Moro auf Mallorca hat Urlaubern den Badespaß gründlich vermiest. In der Bucht des Naturstrands im Südosten der Baleareninsel seien plötzlich zahlreiche der Nesseltiere aufgetaucht, berichteten mallorquinische Medien am Dienstagabend.

 

Viele Quallen seien von der Strömung an Land gespült worden, aber ein riesiger Schwarm habe sich auch im Wasser getummelt, was das Schwimmen unmöglich gemacht habe, berichtete das Blatt "Diario de Mallorca". Quallen kommen an den Küsten Mallorcas immer wieder vor. Erst im Juni war eine große Zahl im Naturpark von Es Trenc-Salobrar gesichtet worden. Allerdings soll es sich sowohl in Calo des Moro als auch in Es Trenc um eher harmlose Tiere gehandelt haben.

 

Ende Mai und Anfang Juli hatten hingegen an verschiedenen Stränden der Insel Portugiesische Galeeren für Aufsehen gesorgt. Die "Physalia physalis", eine riesige Polypenkolonie, ist hochgiftig. Zeitweise war an verschiedenen Stränden die rote Flagge gehisst worden.

Mini-Tsunami

Ein spektakulärer "Mini-Tsunami", der das Meer vor Mallorca ungewöhnlich stark aufgewühlt hat, sorgt bei Urlaubern und Einheimischen für Gesprächsstoff. Der Meeresspiegel habe am Montag teilweise um bis zu eineinhalb Meter geschwankt, teilte der spanische Wetterdienst Aemet am Mittwoch auf Anfrage mit. Besonders stark betroffen war Port d'Alcudia im Norden der spanischen Urlaubsinsel.

Eine riesige Welle überschwemmte dort die Strandpromenade, Restaurants und Geschäfte wurden unter Wasser gesetzt. Die Auswirkungen des Naturphänomens seien vor allem auf Mallorca, aber auch auf Menorca zu spüren gewesen, hieß es. In der Nähe von Portopetro an der Südostküste Mallorcas wurde ein deutscher Tourist von einer großen Welle erfasst und ins Meer gespült. Er ertrank vor den Augen seiner Ehefrau und seiner Kinder. Eine große Jacht lief am abgelegenen Naturstrand von es Caragol an der Südküste auf Grund.

 

 Dieses Wetterphänomen, auf den Balearen "Rissaga" genannt, kommt in den Gewässern um Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera in den Sommermonaten nicht selten vor - diesmal war es aber besonders heftig. So heftig, dass sich auch ältere und erfahrene Fischer in Port d'Alcudia beeindruckt zeigten. "So eine Rissaga habe ich hier noch nie gesehen. Der Meeresspiegel fiel plötzlich fast einen Meter ab und hat dann beim Ansteigen die Promenade überschwemmt", wurde Marti Fuster in der Zeitung "Diario de Mallorca" zitiert.

Diese sogenannten Meteotsunamis entstehen nicht durch Erdbeben - wie die echten Tsunamis - sondern durch starke Luftdruckschwankungen, wie Felix Herz vom Deutschen Wetterdienst erläuterte. Die Druckstörung müsse sich aber auch "mit der Welle verlagern, so dass sie sich weiter aufschaukelt". "Wenn die aufgeschaukelte Welle in flaches, küstennahes Wasser geführt wird, türmt sie sich auf, wie das ein richtiger Tsunami macht, nur dass es flacher ist."

Ein Meteotsunami komme im Mittelmeerraum, "auf den Balearen oder auch an der Adriaküste etwa fünf Mal im Jahr vor", sagte der Experte. "Es kann weitere Fälle geben, wann und wo die auftreten ist aber wenig bis gar nicht vorherzusagen." Auch an den Nord- und Ostseeküsten könne es Meteotsunamis geben: "Die sind dort allerdings noch seltener, also maximal ein bis zwei Mal pro Jahr", so Herz. In Deutschland heißt diese Flutwelle "Seebär".