London: Antisemitischer Brandanschlag mit Iran-Verbindung?
Nach einem Feuer im Londoner Bezirk Barnet ermittelt die Polizei wegen des Verdachts eines antisemitisch motivierten Brandanschlags. Vier Krankenwagen des Rettungsdienstes der jüdischen Gemeinde wurden laut Polizei in Brand gesetzt. Der Vorfall werde als antisemitisches Hassverbrechen behandelt.
Festnahmen gab es zunächst keine. Die Einsatzkräfte waren in der Nacht auf Montag zu dem Brand im Vorort Golders Green gerufen, wo viele Menschen jüdischen Glaubens leben.
Laut der privatwirtschaftlichen Organisation SITE Intelligence reklamiert ein mit dem Iran verbündetes multinationales militantes Kollektiv namens Islamische Bewegung des Volkes der Rechten Hand die Tat für sich. Die Gruppe sei auch für ähnliche Brände in Belgien, Griechenland und den Niederlanden verantwortlich, teilte die Organisation, die sich auf die Beobachtung von extremistischen Gruppierungen spezialisiert hat, mit.
Vorsorglich wurden mehrere Häuser evakuiert. Verletzte gebe es keine, die Feuer seien gelöscht, hieß es. Derzeit gehe man von drei Tatverdächtigen aus, sagte die leitende Polizeibeamtin Sarah Jackson. Die zerstörten Fahrzeuge gehörten der Organisation Hatzola. Dabei handelt es sich um einen gemeinnützigen Freiwilligendienst, der bei medizinischen Notfällen ausrückt.
Mehrere Gasflaschen explodiert
Die Feuerwehr berichtete, mehrere Gasflaschen an den Fahrzeugen seien explodiert und dadurch in einem benachbarten Wohnblock Fenster zerbrochen. 40 Feuerwehrleute waren vor Ort. Auch die Polizei erklärte, man habe von Explosionen gehört und gehe davon aus, dass diese durch die Gasflaschen verursacht worden seien.
Derzeit werte man Material von Überwachungskameras aus, sagte Jackson. Zudem wisse man von Online-Videos. "Wir sind uns bewusst, dass dies in der örtlichen Bevölkerung große Besorgnis auslösen wird", sagte sie mit Blick auf den Anschlag. Man werde zusätzliche Streifen in der Gegend einsetzen. Die Polizei bat um Zeugenhinweise.
Starmer verurteilt Tat
Der britische Premierminister Keir Starmer verurteilte die Attacke scharf. "Dies ist ein zutiefst schockierender antisemitischer Brandanschlag", erklärte Starmer auf der Kurznachrichtenplattform X. Seine Gedanken seien bei der jüdischen Gemeinde, die an diesem Morgen mit dieser schrecklichen Nachricht aufwache. Antisemitismus habe keinen Platz in der Gesellschaft. "Es ist wirklich wichtig, dass wir in einem Moment wie diesem alle zusammenhalten."
Oberrabbiner Ephraim Mirvis bezeichnete die Tat laut Sky News als "besonders abscheulichen Angriff - nicht nur auf die jüdische Gemeinschaft, sondern auf die Werte, die wir als Gesellschaft teilen". Die Aufgabe des Rettungsdienstes sei, Leben zu schützen. Die neue Erzbischöfin von Canterbury, Sarah Mullally, bezeichnete die Tat als "entsetzlich". Ihre Gebete seien bei der jüdischen Gemeinde. "Solche Akte der Gewalt, des Hasses und der Einschüchterung haben in unserer Gesellschaft keinen Platz", sagte sie.
Die israelische Botschaft in Großbritannien erklärte, Antisemitismus sei in London weit verbreitet. Die Brandanschläge seien die Folge jahrelanger, offener Duldung von Hass. "Es reicht!", hieß es in einer Mitteilung der Botschaft auf der Plattform X. "Es bedarf einer gründlichen Untersuchung und entschiedener Maßnahmen, um diesem Klima der Einschüchterung ein Ende zu setzen, bevor es sich weiter zuspitzt. Schweigen und Untätigkeit sind keine Option mehr."
Seit dem Angriff der palästinensischen Terrororganisation Hamas auf Israel im Oktober 2023, der den Gazakrieg auslöste, haben die Angriffe gegen Juden und jüdische Einrichtungen weltweit zugenommen.
Starmer hatte gewarnt, dass der US-israelische Krieg gegen den Iran die Spannungen verschärfen dürfte. Am Montag erklärte der Premier, es lägen derzeit keine Einschätzungen vor, wonach das britische Festland ins Visier genommen werde. Am Wochenende hatte es Berichte gegeben, wonach der Iran zwei ballistische Raketen auf den US-amerikanisch-britischen Militärstützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean abgefeuert habe.
Kommentare