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Mit Hantavirus infizierte Frau (65) in kritischem Zustand

Die Französin sei an eine künstliche Lunge angeschlossen worden. Sie gehört zu jenen Passagieren, die mit dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ unterwegs waren.
TOPSHOT-FRANCE-HEALTH-HANTAVIRUS-ILLNESS-ILLUSTRATION

Eine mit dem Hantavirus infizierte Französin befindet sich in kritischem Zustand. Die Frau liege auf der Intensivstation in einem Krankenhaus in Paris, sagte Frankreichs Gesundheitsministerin Stéphanie Rist. Die Lunge der 65-Jährigen sei von dem Virus angegriffen, sagte der Infektiologe Xavier Lescure. Sie sei an eine künstliche Lunge angeschlossen worden. 

Die Frau gehört zu den fünf Franzosen, die mit dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ unterwegs waren, das von einem Hantavirus-Ausbruch betroffen war. Die übrigen vier Passagiere aus Frankreich sind bisher negativ auf das Virus getestet. Sie und ihre Kontaktpersonen sind im Krankenhaus isoliert.

Bisher drei Passagiere verstorben

Das Schiff war am Sonntag nach Teneriffa gekommen. Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen waren noch am selben Tag erste Sonderflüge gestartet, um die Menschen aus insgesamt 23 Nationen in ihre jeweilige Heimat zu bringen und eine Ausbreitung des Virus zu verhindern. Insgesamt starben bisher drei Passagiere der „Hondius“, bei denen eine Infektion mit dem Hantavirus-Typ Andesvirus nachgewiesen wurde oder vermutet wird.

FILE PHOTO: The cruise ship MV Hondius, affected by a hantavirus outbreak, near the port of Granadilla de Abona, Tenerife

Das Kreuzfahrtschiff Hondius war von dem Hantavirus-Ausbruch betroffen.

Ausbruch auf Schiff: Derzeit 11 Fälle erfasst

Alle Hantavirus-Verdachts- und bestätigten Fälle sind nach WHO-Angaben inzwischen isoliert und stehen unter medizinischer Beobachtung. Damit sei das Risiko weiterer Übertragungen auf ein Minimum reduziert, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus in Madrid. Derzeit sind demnach elf Fälle im Zusammenhang mit dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ erfasst. Darunter sind jene drei Todesfälle, die ganz am Anfang infizierte Menschen betrafen. Für neun der Fälle gibt es Labornachweise.  „Alle elf Fälle traten bei Passagieren oder Besatzungsmitgliedern des Schiffes auf“, teilte der WHO-Chef weiter mit. Womöglich gab es also keine Verbreitung über das Schiff hinaus - etwa, als Passagiere von Bord gingen und heimreisten, bevor klar wurde, dass das Virus auf dem Schiff kursiert.

Passengers from cruise ship MV Hondius, which was affected by hantavirus outbreak, arrive to take plane to the Netherlands, at Tenerife Sur airport

Lange Inkubationszeit - weitere Fälle möglich

Wegen der langen Zeitspanne von einer Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit von bis zu sechs Wochen schließen Experten allerdings nicht aus, dass die Fallzahl noch etwas weiter steigen könnte. Die WHO empfehle eine Überwachung der Menschen vom Schiff bis zum 21. Juni, sagte Ghebreyesus. Rund 150 Menschen aus 23 Ländern waren demnach auf der „Hondius“.
In Deutschland befindet sich unter anderem ein Passagier aus dem Großraum Berlin in häuslicher Isolation, auch für eine Person aus Sachsen wurden sechs Wochen häusliche Quarantäne angeordnet.

Engmaschige Überwachung

Von den am Montag nach Deutschland gebrachten vier Passagieren des Schiffes zeigte zunächst keiner Symptome. „Während der nächsten Wochen werden die Kontaktpersonen kontinuierlich und engmaschig auf Symptome überwacht“, hieß es vom Bundesgesundheitsministerium (BMG). Falls eine Person erkranken sollte, könne sie in speziellen Zentren nach besten medizinischen Standards und sicher behandelt werden.

SPAIN-HEALTH-HANTAVIRUS-ILLNESS-TOURISM

Virus kam wohl mit Niederländern an Bord

Von der WHO wird angenommen, dass die Infektionskette auf der „Hondius“ auf ein niederländisches Ehepaar zurückgeht, das am 1. April an Bord ging. Der Mann - mutmaßlich der Erstinfizierte des Infektionsclusters - hatte am 6. April Fieber, Kopf- und Bauchschmerzen sowie Durchfall entwickelt und war am 11. April gestorben.

Im Zuge dieser Erkrankung kam es nach derzeitiger Annahme zu begrenzten Mensch-zu-Mensch-Übertragungen auf dem Schiff. Da die Symptome denen verschiedener Atemwegserkrankungen ähneln, war erst verzögert auf das Hantavirus getestet worden. Erst dann kamen strengere Isolierungs- und Überwachungsmaßnahmen in Gang.

Der WHO-Chef würdigte die von Spanien auf der Urlaubsinsel Teneriffa geleitete Evakuierung von Passagieren und Crewmitgliedern der „Hondius“. Die spanische Zentralregierung habe beispielhafte Solidarität gezeigt. „Die Welt braucht diese Art von Freundlichkeit und Mitgefühl, wie sie die spanische Regierung gezeigt hat. Ich glaube, die ganze Welt sollte stolz auf diese Reaktion sein.“ 

Die „Hondius“ hatte am Sonntag den Hafen von Granadilla im Süden Teneriffas erreicht. Mit Sonderflügen wurden Menschen vom Schiff unter speziellen Sicherheitsvorkehrungen in ihre Heimat gebracht. Am Montagabend wurde die Evakuierung abgeschlossen. Das Schiff setzte anschließend seine Fahrt mit einer Restmannschaft Richtung Niederlande fort.

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