Mann (66) überlebt Haiangriff: "Ich sah die Knochen"

Ein Weißer Hai schwimmt im blauen Wasser.
Es war der letzte Tag seines Urlaubs, als Peter Smith beschloss, noch einmal im Meer schwimmen zu gehen.

Der pensionierte IT-Manager Peter Smith machte gemeinsam mit seiner Ehefrau und Freunden Urlaub auf der karibischen Insel Tobago. Kurz vor seiner Abreise wollte der 66-Jährige noch ein letztes Mal im Meer baden. Dass er dabei von einem Hai angegriffen werden könnte, war das Letzte, woran er gedacht hatte.

"Die Bedingungen waren perfekt. Ich schwamm nicht mehr als sechs Meter hinaus und stand bis zur Hüfte im Wasser", erzählt Smith in seinem ersten Interview seit dem Angriff im April 2022 der BBC. Für normale Badegäste ist das Risiko durch Haie auf Tobago vergleichsweise gering, da die meisten Haie die Nähe von Menschen meiden und Angriffe daher selten sind. Doch für Peter Smith endete der Badeurlaub auf der Intensivstation des Krankenhauses in Scarborough.

 Bump-and-Bite-Taktik des Bullenhais

Peter Smith wurde von einem Bullenhai angegriffen. Diese Haiart kann eine Größe von 2,4 bis drei Metern erreichen und ist dafür bekannt, in flachen Gewässern zu jagen. Typisch für den Bullenhai ist die sogenannte Bump-and-Bite-Taktik: Zuerst stößt er seine Beute mit der Schnauze an, dann folgt der Biss. So geschah es auch bei Smith.

"Plötzlich spürte ich einen heftigen Schlag gegen mein Bein. Ich schaute hinunter und sah einen großen Hai", schildert der 66-Jährige. Aus Angst, das Tier könnte ihn unter Wasser ziehen, handelte Smith schnell und begann, sich zu wehren. "Ich fing an, auf ihn einzuschlagen … Ich habe noch nie etwas so hart geschlagen wie diesen Hai", erinnert sich der Pensionist.

Der Hai griff zuerst nach Smiths Bein und erfasste anschließend seinen linken Arm sowie seinen Bauch. "Die Situation wurde sehr schnell ernst. Ich habe viel Blut verloren", sagt Smith. Der Tourist hatte großes Glück: Als das Tier für einen Moment von ihm abließ, versuchte eine Gruppe von Menschen, den Hai abzuwehren. Schließlich konnte Smith aus dem Wasser gezogen werden.

"Ich schrie, weinte, verlor viel Blut"

Joanna Smith, die Ehefrau von Peter Smith, hatte die schreckliche Szene vom Strand aus miterlebt und rief um Hilfe. "Ich erinnere mich, dass ich ins Wasser ging und seine schlimmen Verletzungen sah. Ich sah Knochen – es war einfach furchtbar", erzählt sie.

Mit tiefen Schnittwunden am Bauch und einem großen Biss am Arm wurde Smith umgehend in Tobagos einziges Krankenhaus eingeliefert. Erst dort setzten die Schmerzen richtig ein. "Ich schrie, weinte, verlor viel Blut und wurde bewusstlos", berichtet der Brite.

Nach seinem Krankenhausaufenthalt in Tobago wurde Peter Smith in das Jackson Memorial Hospital in Miami im US-Bundesstaat Florida verlegt, wo er sich Dutzenden Operationen unterziehen musste. Nach dem Haiangriff begann für ihn ein langer Weg der Genesung. Aufgrund einer schweren Oberschenkelverletzung musste er das Gehen neu erlernen. Der Hai biss zudem Nerven in seinem Arm durch, weshalb Smith bis heute kein Gefühl in den Fingern hat und Schwierigkeiten beim Greifen hat – Folgen, die ihn sein Leben lang begleiten werden.

Dennoch lässt er sich den Optimismus nicht nehmen: "Zumindest habe ich noch meine Gliedmaßen. Eine Zeit lang sah es so aus, als würde ich gar keine mehr haben", sagt Smith. Noch einmal Urlaub in Tobago zu machen, könne er sich durchaus vorstellen. "Ich denke immer noch an den Himmel und das Meer", erklärt der Brite.

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