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Paris: Erstes Verfahren zu Missbrauch von Volksschulkindern

Das Verfahren wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt. Die Urteilsverkündung ist für den 16. Juni angesetzt.
Ein Bub sitzt alleine auf einer Bank mit einem Teddybären.

Zusammenfassung

  • Erstes Verfahren zu sexuellem Missbrauch in Pariser Nachmittagsbetreuung: 47-jähriger Ex-Betreuer angeklagt, Urteil am 16. Juni erwartet.
  • Staatsanwaltschaft fordert 18 Monate auf Bewährung, Kontaktverbot und Berufsverbot mit Minderjährigen; Verfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
  • Seit Jahresbeginn 78 Betreuer suspendiert, davon 31 wegen Verdachts auf sexuelle Übergriffe; Stadt reagiert mit Aktionsplan und Streikaufrufen der Gewerkschaften.

In einem ersten Verfahren zu sexuellem Missbrauch von Pariser Grundschulkindern in der Nachmittagsbetreuung hat die Staatsanwaltschaft am Dienstagabend eine 18-monatige Bewährungsstrafe für einen 47-Jährigen gefordert. Der ehemalige Betreuer ist in neun Fällen der sexuellen Belästigung und in drei Fällen sexueller Übergriffe angeklagt. Die Staatsanwaltschaft forderte außerdem ein Kontaktverbot zu den Opfern und ein Verbot einer beruflichen Tätigkeit mit Minderjährigen.

Es ist das erste Verfahren seit Bekanntwerden zahlreicher mutmaßlicher Missbrauchsfälle in der von der Stadt organisierten Nachmittagsbetreuung an Volksschulen, die in etwa mit Hort-Angeboten vergleichbar ist. "Wir hoffen auf eine Verurteilung, die den Weg für weitere Verfahren eröffnet", erklärte die Gruppe SOS Nachmittagsbetreuung. "Trotz eines Bewusstseinswandels hat sich in den Schulen bisher nichts geändert", heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Schreiben an den neuen Bürgermeister Emmanuel Grégoire, das von rund 3.800 Menschen unterzeichnet wurde. Sie fordern vom Bürgermeister unter anderem zusätzliche Mittel, um den chronischen Personalmangel zu beheben.

Verfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Das Verfahren findet auf Antrag der Betroffenen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die betroffenen Mädchen waren zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Vergehen jeweils zehn Jahre alt. Der Angeklagte habe eine von ihnen auf den Schoß genommen, eine andere an der Brust berührt. "Ich würde Dich überall küssen, wenn ich könnte", hat er nach der Schilderung eines der Mädchen gesagt. Das Urteil soll am 16. Juni verkündet werden.

Der Pariser Bürgermeister Grégoire hat den Kampf gegen sexuellen Missbrauch in der städtischen Nachmittagsbetreuung zur Priorität erklärt. Der Stadtrat verabschiedete einen Aktionsplan, der 20 Millionen Euro umfasst - etwa für eine zweitägige Mindestausbildung der Betreuer.

78 Mitarbeiter der Nachmittagsbetreuung suspendiert

In Paris sind seit Beginn des Jahres 78 Mitarbeiter der Nachmittagsbetreuung für Volksschulkinder suspendiert worden, davon 31 wegen des Verdachts auf sexuelle Übergriffe. Die etwa 14.000 Betreuerinnen und Betreuer sind in den meisten Fällen auf Honorarbasis angestellt. Für die Stellen ist keine spezielle Ausbildung erforderlich.

Die Betreuung von Volksschulkindern während der Mittagspause und nach dem Unterricht wird in öffentlichen Schulen zum großen Teil von den Kommunen organisiert. In den vergangenen Monaten wurden in Paris immer mehr Verdachtsfälle bekannt. Viele Betroffene beschwerten sich, dass ihre Warnhinweise nicht ernst genommen worden seien. Die Gewerkschaften rufen zu Streiks vom 11. bis 22. Mai auf.

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