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Chronik Welt
01/13/2020

Vulkan Taal spuckt Lava: Spektakuläre Fotos von Ausbruch

Mindestens 200.000 Menschen sind auf der Flucht. Der Taal ist auf den Philippinen ein absoluter Touristenmagnet.

von Michael Hammerl, Marie North

Rauchwolken, Ascheregen, Blitze, Lava: Ein beeindruckendes, aber gleichsam gefährliches Naturschauspiel ereignet sich seit Sonntag im Süden der dicht besiedelten Hauptinsel der Philippinen, Luzon.

Der Vulkan Taal ist ausgebrochen. Er liegt nur 65 Kilometer von der philippinischen Hauptstadt Manila entfernt. Am internationalen Flughafen Ninoy Aquino in Manila wurden 240 Flüge gestrichen. In Manila wurden vorerst bis inklusive Dienstag wegen des Ascheregens sämtliche Schulen geschlossen.

Ein Toter

Auch in unmittelbarer Nähe des Vulkans gibt es mehrere Großstädte, etwa Tagaytay oder Calamba. In Calamba kam am Montag ein Mann bei einem Verkehrsunfall im Ascheregen ums Leben, drei Menschen wurden laut Polizei verletzt.

Die Behörden schätzten, dass mindestens 200.000 Menschen fliehen müssen, falls der Ausbruch schlimmer wird. Asche und Steine regneten auf Häuser, Straßen, Autos und Bäume. Durch den Regen verwandelte sich die Asche in Schlamm.

Am Montag begann der Vulkan dann Lava zu spucken. Das erhöht die Gefahr von Lavaströmen und gefährlichen pyroklastischen Strömen. Das seismologische Institut Phivolcs warnte vor einem sehr bedrohlichen Ausbruch, der noch kommen könnte, möglicherweise innerhalb von "Stunden oder Tagen".

Innerhalb der Aschewolke reiben sich positiv und negativ geladene Artikel. Die Folge: spektakuläre Blitze

Innerhalb der Aschewolke reiben sich positiv und negativ geladene Artikel. Die Folge: spektakuläre Blitze

Innerhalb der Aschewolke reiben sich positiv und negativ geladene Artikel. Die Folge: spektakuläre Blitze

Im Zuge des Ausbruchs entladen sich enorme Blitze in der Rauchwolke, die elektromagnetisch aufgeladen ist

Rund um den Vulkan kam es zu Evakuierungen

Blitze vor der Stadt Talisay

Taal spuckt Asche

In der Stadt Tagaytay regnete es nach dem Ausbruch Asche

Ein Ausbruch mit Folgen

Der Ausbruch aus Sicht von Tagaytay-Bewohnern

Mit diesen Booten werden normalerweise täglich Touristen zur Taal-Insel übersetzt

Der Ascheschlamm ist überall

Asche

Dieses Panorama-Foto nahm der österreichische Taal-Tourist David Schulz im Juli 2018 auf

Idyllischer Touristenmagnet mutiert zum Unheilsbringer

Der Taal-Vulkan gehört zu den absoluten Touristenmagneten auf der philippinischen Hauptinsel Luzon. Mit 311 Metern Höhe ist der Taal der kleinste Vulkan der Welt. Nicht nur das macht ihn besonders: Der Taal ragt als Insel aus einem See - dem Taalsee. Und auf dieser Insel gibt es noch einen spektakulären Kratersee, der ob seines hohen Schwefelanteils in verschiedensten Farben, meistens jedoch giftgrün schimmert.

Tagein, tagaus erklimmen Pferdekolonnen auf mehreren Trampelpfäden das Aussichtsplateua. Auf ihren Rücken sitzen Touristen, denen der halbstündige Fußmarsch auf den "Gipfel" offenbar zu beschwerlich ist. An den Hängen stehen Blockhütten, vereinzelt verirren sich Kühe im Wald. Am Fuß, entlang der Taal-Sohle, wo die Langboote für Touristen an den Stegen warten, erstreckt sich ein idyllisches Dorf.

Obwohl es wegen der giftigen Dämpfe verboten ist, nahmen Besucher immer wieder ein erfrischendes Bad im Kratersee. Das dürfte nun endgültig vorbei sein. War der Taal seit Jahrzehnten still, ist er am Sonntag wieder ausgebrochen.

Woher kommen die Blitze?

Besonders bedrohlich wirkt ein Vulkanausbruch, wenn in den Aschewolken Blitze zucken. Das ist nicht unüblich. Im Vulkan entsteht ein Gewitter, dessen Grundrezeptur aus Asche und Eis besteht. Die Gesteinspartikel schießen mit einer Geschwindigkeit von hundert Metern pro Sekunde aneinander vorbei. Bei diesem Vorgang laden sie sich elektrostatisch auf, reiben sich.

Leichtere, positiv geladene Teilchen - hauptsächlich Aschepartikel - fliegen beim Ausbruch höher als schwerere, negativ geladene Gesteinspartikel. Diese Spannung in den unterschiedlichen Gefilden der Aschewolke - sie hat mehrere hundert Millionen Volt - entlädt sich dann in Form von spektakulären Blitzen. Kurz gesagt: Blitze entstehen wegen aufgeladener Asche- und Gesteinspartikel - hauptsächlich.

Mit kleinen blitzen in der Nähe des Kraters beginnt die Eruption, mit Fortlauf des Ausbruchs werden die Blitze immer heftiger.

Wenn es Gesteinsbrocken regnet

Was für die einen ein spektakuläres Fotomotiv ist, stellt für die vielen Bewohner nahe des Taal-Vulkans den blanken Horror dar: "Es war unmöglich zu schlafen, weil das Haus wackelte, sobald wir die Augen schlossen", sagte die Gastwirtin Lia Monteverde. "Wir haben nur daran gedacht, wie wir hier wegkommen." Die Behörden hatten am Wochenende vor einem "explosiven Ausbruch" des Vulkans gewarnt. Es galt wie bereits Sonntag die Warnstufe 4 von 5. Mindestens 144 vulkanische Beben seien bisher registriert worden.

Die Asche aus dem Krater könne Atemprobleme hervorrufen, vor allem bei den Jüngsten und bei Menschen mit ohnehin bestehender Atemnot. Über dem Vulkankrater konnten immer wieder blitzähnliche Lichtphänomene beobachtet werden, für die auch die Experten zunächst keine Erklärung hatten.

Gesteinsbrocken mit einem Durchmesser von mehr als sechs Zentimeter prasselten in der Umgebung des Vulkans nieder. Schulen, einige Behörden und die Börse von Manila blieben am Montag vorsichtshalber geschlossen. Der Flugbetrieb konnte jedoch teilweise wieder aufgenommen werden.

Die Aschewolke stieg schon am Sonntag bis in eine Höhe von 15 Kilometern auf. Seither wurden mindestens 50 Erdstöße gezählt. Der Taal ist nach dem Mayon der zweitaktivste Vulkan des ostasiatischen Inselstaats. Er war laut dem Leiter des Seismologischen Instituts (Phivolcs), Renato Solidum, 1977 zuletzt ausgebrochen, der verheerendste ereignete sich 1911 - damals starben mehr als 1.300 Menschen.

Pinatubo: Bis 1991 galt der 1486 Meter hohe Pinatubo als erloschen. Als er sich Anfang 1991 nach mehr als 600 Jahren wieder regte, realisierten die Anwohner des Berges überhaupt nicht, dass sie in der Nähe eines Vulkans lebten. Es folgte eine der bislang erfolgreichsten Rettungsaktionen vor einer Vulkaneruption.

Pinatubo

Das philippinische Institut für Vulkanologie entwickelte einen umfangreichen Alarmplan, der zehntausende Menschen rechtzeitig in Sicherheit brachte. Dennoch starben mehr als 800 Menschen, der Ausbruch gilt als der gewaltigste des 20. Jahrhunderts, in dessen Folge entstand ein Kratersee.

Im Oktober 2018 brach der berüchtigte Vulkan Mayon aus

Der Mayon bei Tag

Mayon und Pinatubo

Erdbeben und vulkanische Aktivität sind auf den Philippinen nicht ungewöhnlich. Die Inseln liegen am sogenannten Pazifischen Feuerring, wo tektonische Platten unter der Erdoberfläche zusammenstoßen.

Zuletzt trieb der Vulkan Mayon im Jänner 2018 zehntausende Menschen in die Flucht, nachdem er Millionen Tonnen Asche, Steine und Lava in die Luft geschleudert hatte. Bei einem Ausbruch des Pinatubo, rund hundert Kilometer nordwestlich von Manila, kamen 1991 mehr als 800 Menschen ums Leben.