At least 350 new coronavirus infections detected at Toennies meat factory in western Germany

© EPA / SASCHA STEINBACH

Chronik Welt
06/17/2020

Deutschland: Massiver Coronavirus-Ausbruch in Fleischfabrik

Am Mittwochabend gab es über 650 Infizierte. 7.000 Menschen mussten unter Quarantäne.

Mit mindestens 657 Infizierten gibt es erneut einen folgenreichen Corona-Ausbruch in einer deutschen Fleischfabrik. Die Produktion in dem Schlachtbetrieb in Westfalen wurde vorübergehend eingestellt, der Kreis Gütersloh schließt Schulen und Kitas und stellt gut 7000 Menschen unter Quarantäne. Durch die Schließung fehlen laut Gütersloher Landrat 20 Prozent der Fleischprodukte auf dem deutschen Markt.

In Berlin-Neukölln stieg währenddessen die Zahl der Infizierten in den Wohnblöcken, die unter Quarantäne gestellt sind: Inzwischen seien 70 Fälle bekannt, sagte der Bezirksbürgermeister. Sowohl in NRW als auch in Berlin treffe es ärmere Familien, die beengt und abgeschottet wohnten, stellte ein Berliner Gesundheitsamtsleiter eine Parallele her.

 

Produktionsstopp

Der neue Ausbruch im Schlachtbetrieb trifft mit Tönnies einen Branchenriesen. Deutschlands Marktführer bei der Schlachtung von Schweinen muss seinen Hauptproduktionsbetrieb in Rheda-Wiedenbrück herunterfahren. Der zuständige Landrat Sven-Georg Adenauer geht davon aus, dass der Produktionsstopp zwischen 10 bis 14 Tagen dauern wird. Für den gesamten Kreis will Adenauer einen allgemeinen Lockdown verhindern, obwohl die wichtige Marke von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen deutlich überschritten sei.

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Tönnies-Sprecher André Vielstädte wandte sich im Namen der Eigentümer an die Öffentlichkeit: "Wir möchten uns bei der Bevölkerung des Kreises im Namen der Familie Tönnies entschuldigen. Wir werden alles dafür tun, das Virus aus dem Betrieb zu bekommen, um wieder arbeitsfähig zu werden."

Auch für die Region wird das sich rasant entwickelnde Infektionsgeschehen in der Fleischfabrik in Rheda-Wiedenbrück Auswirkungen haben: Der Kreis Gütersloh kündigte an, alle Schulen und Kitas bis zu den Sommerferien, die in Nordrhein-Westfalen am 26. Juni starten, wieder zu schließen. Durch diesen Schritt solle eine Ausbreitung des Virus in der Bevölkerung vermieden werden.

Schlachthöfe sind Problem

Corona-Ausbrüche in Schlachthöfen machten in den vergangenen Monaten immer wieder Schlagzeilen und lösten eine Debatte über die Missstände bei Arbeits- und Unterbringungsbedingungen der häufig aus Osteuropa stammenden Beschäftigen aus.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sagte auf die Frage, was der Corona-Ausbruch bei Tönnies über die bisherigen Lockerungen aussage: "Das sagt darüber überhaupt nichts aus, weil Rumänen und Bulgaren da eingereist sind und da der Virus herkommt. (...) Das hat nichts mit Lockerungen zu tun, sondern mit der Unterbringung von Menschen in Unterkünften und Arbeitsbedingungen in Betrieben."

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