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Chronik Welt
03/10/2021

Chef von Journalistenverband geht nach Rassismus-Kritik wegen Meghan-Interview

"Journalists of Colour" schrieben wegen Meghan-Berichterstattung kritischen Brief an Branchenverband.

Der Chef des britischen Journalistenverbands Society of Editors, Ian Murray, ist im Zuge der von Herzogin Meghan und Prinz Harry erhobenen Rassismus-Vorw├╝rfe gegen K├Ânigshaus und Medien zur├╝ckgetreten. Er wolle den Weg freimachen, damit die Organisation "ihren Ruf wiederherstellen" k├Ânne, teilte Murray laut Nachrichtenagentur PA am Mittwochabend mit. Dem Verband war nach einer ersten Stellungnahme zu dem Interview des Paares vorgeworfen worden, Rassismus herunterzuspielen.

Mehr als 160 Journalisten wandten sich am Dienstagabend in einem offenen Brief gegen den Branchenverband, der die Vorw├╝rfe von Meghan und Harry zuvor zur├╝ckgewiesen hatte. "Wir, die unterzeichnenden "Journalists of Colour", die in britischen Medienorganisationen arbeiten, bedauern das Statement der Society of Editors und weisen es zur├╝ck, weil es die Existenz von Rassismus und Engstirnigkeit in der britischen Presse leugnet", hie├č es in dem Brief.


 

Als "People of Colour" - oder in diesem Fall "Journalists of Colour" - bezeichnen sich Menschen, die nicht als wei├č oder westlich wahrgenommen werden und Rassismus-Erfahrungen gemacht haben. In der Liste der Unterschriften finden sich viele freie Journalisten sowie etliche Besch├Ąftigte des "Guardian".

Meghan und Harry hatten in ihrem Enth├╝llungsinterview mit US-Moderatorin Oprah Winfrey insbesondere den britischen Boulevardmedien - wie auch den Royals - Rassismus vorgeworfen. Der Einfluss der Medien habe eine entscheidende Rolle beim R├╝ckzug des Paares aus dem K├Ânigshaus gespielt.

In seinem Statement hatte der Branchenverband Society of Editors Meghan und Harry vorgeworfen, die Fragen und Kommentare zu ihrer Rolle in der royalen Familie als "rassistisch missverstanden" zu haben. "Die britischen Medien haben nie gescheut, einen Scheinwerfer auf die M├Ąchtigen, Ber├╝hmten und Einflussreichen zu richten. Wenn die Fragen manchmal merkw├╝rdig oder besch├Ąmend sind, dann ist das eben so, aber die Presse ist definitiv nicht rassistisch", sagte Verbandschef Murray.

In ihrem offenen Brief wiesen die Kritiker jedoch darauf hin, dass Herzogin Meghans pers├Ânliche diskriminierende Erfahrungen die traurige Realit├Ąt reflektierten, wie Schwarze und Angeh├Ârige anderer ethnischer Minderheiten Tag f├╝r Tag in britischen Medien abgebildet w├╝rden. Studien - unter anderem die einer EU-Beh├Ârde sowie der Universit├Ąt Cardiff - h├Ątten der britischen Presse einen aggressiven Ton gegen├╝ber Migranten und ethnischen Minderheiten bescheinigt.

Die Society of Editors meldete sich am Mittwoch erneut zu Wort: Man wisse, dass noch viel getan werden m├╝sse, um Diversit├Ąt in den Medien zu st├Ąrken - und wolle daran arbeiten, "Teil der L├Âsung" zu werden. Murray r├Ąumte nun ein, das erste Statement sei nicht deutlich genug gewesen. Als Vorsitzender trage er daf├╝r die Verantwortung.

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